"Kultur macht glücklich"


Bayern – „Das Boot im Schlaf“, Arbeiten von Gerhard Ribka im Glasmuseum Frauenau  

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Bayern – „Das Boot im Schlaf“, Arbeiten von Gerhard Ribka im Glasmuseum Frauenau  

©Michaela Schabel

Der erste Blick überrascht. Statt auf Glasarbeiten fokussiert das Auge zunächst auf Fotografien und kleinfigürliche Installationen, in denen Gerhard Ribka sein Anliegen verdeutlicht. Er zielt auf…

Erinnerungen, flüchtige, traumhafte Details, in denen sich assoziativ das Wesentliche menschlicher Beziehungen und Ribkas vielschichtige Kunst durch die Verknüpfung von Visuellem und Sprachlichem offenbart.

In sieben Werkserien zeigt er, wie sich aus Mythen und biografischen Erinnerungen die Gegenwart aufbaut, Mensch und Tier auf gleicher Augenhöhe kommunizieren. Entsprechend „verschmilzt“ Ribka, ursprünglich als Chemiker ausgebildet, ganz unterschiedliche Materialen.

In den 1980er Jahren wandte er sich dem Glas zu, zunächst der Glasmalerei, dann dem Formglas unter Einbeziehung anderer Materialien, vor allem Wachs und Fotografien. Über Malerei auf Glas und Leinwand, Glasgefäße, Skulpturen, Installationen und Fotografien kreiert er seine Werkgruppen, wobei das Bildmaterial, das vorwiegend aus den 1930er bis 1950er Jahren stammt, weniger Fakten als emotionale Stimmungen vermittelt. Das gilt auch für den 14-teiligen Zyklus „Das Boot im Schlaf“, Hinterglasbilder mit übermalten Familienfotos und Textergänzungen.

Kleinfigürliche Wachsfiguren verwandeln sich über die schnelle Verformbarkeit des Materials zu Metaphern von Erinnerungen. Motivik in Glas dagegen verweist, wie fragil und gleichzeitig widerstandsfähig, transparent und opak, Erinnerungen sein können. Durch gravierte Glasscheiben, Fotografien, verdorrte Blüten, winzige Häuser aus kleinen Wandregalen kreiert Ribka analog zu Objektkästen assoziative Erinnerungsmuster. Mit Frauenfiguren, in weiten Röcken und aufrechter Haltung wie mystische Göttinnen, zollt Ribka der Weiblichkeit seinen Respekt. Am eindrucksvollsten sind seine Objekte aus ofengeformten Floatglas, in denen er durch Text- und Fotomaterial, insbesondere durch die Titel „Opfer“, „Folgenlos“ und „Docht“ die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit aufleuchten lässt. In der 7-teiligen Werkgruppe „Dein Lohn“ erinnern bemalte Glasgefäße im Stil griechischer Keramik-Grabgefäße, an Trennung, Abschied und Trauer, die aber durch die Transparenz des Glases Durchblicke ermöglichen. 

Um das alles zu erfassen, genügen die kargen Titel- und Materialinformationen nicht. Es lohnt sich der Blick in den aufliegenden Katalog, der wie die Ausstellung viel Volumen vorgibt und sich letztendlich auf wenige Gedanken reduziert.

Die Ausstellung ist im Glasmuseum Frauenau bis zum 30. November zu sehen.