Berlin – „Porträts von Baselitz bis Warhol“

fotografiert von Daniel Frasnay.

Wie sehen Sie tatsächlich die Künstler von Rang und Namen? Stimmt das Porträt, was wir über die Medien in den Köpfen haben oder gibt es ganz andere Facetten?

Im Berliner Museum für Fotografie zeigen rund 180 Künstlerporträts, nicht nur  nach dem Motto „Who is Who?“ wie Künstler aussehen, sondern das, was sie ausmacht.

Die Fotografien stammen aus der Sammlung  Angelika Platen (*1943), die selbst viele Künstler mit der Kamera porträtierte. Unter dem Motto „Künstler sind auch nur Menschen“ präsentierte sie 1969 ihre ersten Künstlerporträts, drei Jahre später leitete sie einige Jahre Gunter Sachs´ „Galerie an der Milchstraße“ in Hamburg und lernte dabei viele Künstler kennen.

Die  Künstlerporträts im Berliner Museum der Fotografie sind vorwiegend aus Europa, USA und mit Frida Kahlo aus Mexiko  und  umfassen  einen weit größeren Zeitraum als der Ausstellungstitel „Von Baselitz bis Warhol“ vorgibt, bis zurück zu den 20er Jahren.

Ebenso international und Meister ihrer Kunst sind die Fotografen mit  Berenice Abbott, Brassai, Henri Cartier-Bresson, Gisèle Freund, Heinz Hajek-Halke und Arno Newman,  weniger bekannt, nicht minder beeindruckend beispielsweise  Hildegard Heise mit „Ernst Barlach“,wie man ihn nicht im Gedächtnis hat, oder Jérôme Schlomoff, die mit dem Gesicht auch eine Hand porträtiert.

Mehr als die traditionellen faszinieren zuweilen die experimentellen Porträts beispielsweise  „ Marc Chagall“ (Walter Limot). „Pablo Picasso mit den Brothänden“ (Robert Doisenau) gilt inzwischen als Ikone der Geschichte der Fotografie.

schabel-kultur-blog berichtet über Berliner Fotoausstellung Künstlerporträts

©Robert Doisenau

DasBesondere der Ausstellung ist, dass  die „Personas“ nicht nur „nah dran“ und „kostümiert, karikiert“ oder als „Selfie“ von einst im  Raum auf Stellwänden inszeniert werden, sondern über die Künstler bei der Arbeit auch ihre „Kreativität“ deutlich wird. Wie ein Skulptur  wirkt Henry Moores Kopf zwischen seinen großartigen Skulpturen, fotografiert von Daniel Frasnay.

fotografiert von Daniel Frasnay.

©Daniel Frasnay

Auf einer dritten Ebene „Pygmalion“ werden an den Ausstellungswänden 23 künstlerischen Arbeiten  meist aus privaten Sammlungen als Ergebnisse des Schaffensprozesses präsentiert, unter anderem das „ Nagelbrett gespalten“  von Günther Uecker, Malerei von Baselitz und Arnulf Rainer,  Pipilotti Rists „Still Stills – Remake of the Weekend“  oder das  5-teilige „Nightsee Crossing“ von und mit  Marina Abramovic in Vernetzung mit anderen  Spiritualisten.

So schließt sich der Bogen von der Außenbetrachtung durch Porträts über die kreative Selbstdarstellung und das Werk der Künstler zurück zum Charisma der Porträts.

Zu sehen  bis 7. Oktober 2018, im Museum für Fotografie Berlin, Jebensstr. 2, außer montags von 10-19 Uhr, donnerstags 10-20 Uhr

Michaela Schabel