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„Wiener Blut“ – Operettenkritik – Warum lohnt sich ein Operettenbesuch im Theater an der Rott in Eggenfelden?

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„Wiener Blut“ –  Operettenkritik – Warum lohnt sich ein Operettenbesuch im Theater an der Rott in Eggenfelden?

©Theater an der Rott, Foto: Sebastian C. Hoffmann

Johann Strauß’ beliebte Operette „Wiener Blut“, von Wolfgang Dosch am Theater an der Rott in Eggenfelden witzig und atmosphärisch inszeniert, begeistert das Publikum. Ironisch ganz in rosarot, prunkvoll, in schönen Kostümen bringt…

Regisseur Wolfgang Dosch in Eggenfelden nostalgische Operettenstimmung liebevoll auf die Bühne. „Wiener Blut“ zählt zu den vier beliebtesten Werken von Johann Strauß Sohn, obwohl er es gar nicht geschrieben hat. Mit 74 Jahren fühlte er sich zu alt, um eine neue Operette zu schreiben. Er übergab den Auftrag an Adolf Müller jr., der aus  Strauß’ Kompositionen ein neues Werk schaffen sollte. Das Publikum war begeistert, weil Musik und Libretto (Victor Léon und Leo Stein) die Handlung vorantreiben und nicht nur „Verweileinlagen“ sind. In der Fassung von Otto Schenk und Wolfgang Dosch gelingt  eine beschwingte und humorvolle „Wiener Blut“-Version.

„Wiener Blut“ – ein vielschichtiges Kammerspiel

Im Zentrum stehen die Amouren des Grafen. Hin- und hergerissen zwischen seiner Gattin, seiner Geliebten, Demoiselle Cagliari, eine Tänzerin, und seinem neuesten Flirt mit Probiermamsell Pepi Pleiniger entsteht ein vielschichtiges, humorvolles Kammerspiel, in dem eine heikle Situation der anderen folgt, nur lösbar durch seinen treu ergebenen Kammerdiener Josef. 

Theater an der Rott – ein engagiertes Team

Die Komplikationen, im rosaroten Boudoir der gräflichen Villa schon sehr spürbar, eskalieren nach der Pause in der verspiegelten Redoute der Fürstin. Als alle drei Herznsdamen des Grafen aufeinandertreffen protegiert die Fürstin, mit  Yvonne Köstler in voluminöser goldener Robe, wissend und wohlwollend die Ziele der Gräfin. Eva Maria Amann gibt ihr eine selbstbewusste, überaus schlaue Aura. Elisabeth Zeiler offenbart die Geliebte zwischen lodernder Eifersucht und anerzogenem Drang nach höherem Rang als extrem zielstrebiges Fräulein.

Zum Publikumsliebling avanciert Michaela Maybauer als Pepi Pleiniger. Sie chargiert charmant zwischen frivol und tugendsam. Obwohl sie die Tanzeinlage vermasselt strahlt sie glücklich. Final bezirst sie, weil sie intuitiv ihrem Herzen folgt und weiß, wer am besten zu ihr passt. 

„Wiener Blut“ – in schwungvoller Champagnerlaune

Bei Walzer und Champagner funkt es zwischen Graf und Gräfin wieder, flammt temperamentvoll verbindendes „Wiener Blut“ auf. Dazwischen amüsieren die verbalen Missverständnisse zwischen dem Fürsten von Ypsheim-Gindelbach (Armin Stockerer)  Kammerdieners (Bonko Karadjov) bzw. Cagliari Vater (Martin Kiener/Wolfgang Dosch), einem Karussellbesitzer. In den Hietzinger Lauben finden sich die richtigen Paare – „Wiener Blut“ mal drei. 

Unter dem schwungvollen Dirigat von Gerald Karl präsentiert das Orchester SiNNfonietta eine walzerselige Interpretation, die Tura Gómez Coll und Filip Löbl choreografisch charmant und witzig verdichten und deren poetische Momente durch Querflöte, Oboe und Fagott markant ausgeleuchtet werden. Die verschiedenen Gesangslinien wirken klar und energisch, wirken aber im Fortissimo zuweilen sehr schrill, zumindest wenn man ganz vorn sitzt. 

Resümee: Wer traditionelle Operette liebt, kann im Theater an der Rott in Eggenfelden bis 6. April einen spritzigen Operettenklassiker erleben.