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Paul-Klee-Ausstellung in Murnau: Der Poet des Blauen Reiter

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Paul-Klee-Ausstellung in Murnau: Der Poet des Blauen Reiter

„Guter Fischplatz“, Paul Klee, 1922 © Schlossmuseum Murnau, Foto: Michaela Schabel

Wie Humor, Farbe und Fantasie Paul Klees unverwechselbare Bildsprache prägen, zeigt die Ausstellung im Schloßmuseum Murnau. Eine Dauerleihgabe der KK-Stiftung ermöglicht den spannenden Dialog zwischen Klee und den Künstlerinnen und Künstlern des Blauen Reiter.

Hin- und hergerissen, ob er Musiker und Maler werden sollte, entschied sich Paul Klee schließlich für die Malerei. Seine Bilder sind durch die witzig-skurrilen Motive und seine Maltechnik einzigartig. 

Die KK-Stiftung

Möglich wurde die Ausstellung durch die KK-Stiftung, ein Sammler-Ehepaar, das nicht genannt werden will, aber dem Schloßmuseum Murnau sehr verbunden ist. Am 1. Juli 2023 übergab die KK-Stiftung dem Museum anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums eine hochwertige Blaue-Reiter-Sammlung als Dauerleihgabe, die Werke umfasst, die zwischen 1908 und 1910 entstanden und im Zusammenhang mit der Herausgabe des Almanachs „Der Blaue Reiter“ 1911 stehen. Sie zählen zu den Hauptwerken des deutschen Expressionismus und werden nun im Dialog mit ausgewählten Arbeiten von Paul Klee gezeigt, die ebenfalls aus der Sammlung der KK-Stiftung zur Verfügung gestellt wurden. 

Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter

Paul Klees Bilder verzaubern. Er malt abstrakt, doch figurative Motive erzählen, nicht zuletzt durch die originellen Titel, ungewöhnliche, sehr subtile Geschichten, die sich zuweilen wie „Trauerblumen“ oder „Fest der Austern“ leicht erschließen, zuweilen aber wie „Guter Fischplatz“ echte Rätsel aufgeben, aber sich dennoch zu einer wunderbaren Geschichte formieren, in der der Wechsel von blauen und braunen Streifen, ein Haus mit Flossen, Fische in Luftblasen die Balance zwischen Natur und Mensch erleben lassen.

Durch seine Malweise unterscheidet er sich grundlegend von anderen Expressionisten. Landschaften und Natur baut er aus geometrisch sich wiederholenden Elementen auf, die er in feinen Farbnuancierungen schichtweise so aufträgt, als würde eine Linie spazieren gehen. Auf diese Schichttechnik setzt er figurative Motive, die witzige, tiefgründige, visionäre Narrative entfalten. „Der Berg der heiligen Katze“ ist eine Hommage an die Katzen, die er sehr mochte. Eine Katze wollte er auch in seinem nächsten Leben werden. Schon 1929 kreuzt in „Raumfahrt“ ein Fantasieschiff durch den Kosmos. Die „Schicksalsstunde des Kaisers“ lässt an die ersehnte Zeitenwende denken, in der nicht mehr der Kaiser bestimmt, was Kunst ist, sondern die Künstler:innen. 

Rhythmische und Cut-up-Bilder

Durch die lineare Wiederholung der Farb- und Motivelemente entwickeln die Bilder zuweilen rhythmische Strukturen. Kein Wunder, lange Zeit konnte sich Klee nicht zwischen Musik und Malerei entscheiden. Später nutzte er Arbeitspausen beim Malen zum Geigenspiel. Auf der Rückseite eines Bildes wurde sogar ein Notenblatt gefunden. 

Warum ähneln sich manche Motive? Es sind Cut-ups. Klee zerschneidet ein Bild und macht so wie bei „Waldvögel“ oder „Garten“ aus einem Bild  zwei Varianten.

Paul Klee und der Blaue Reiter

Der Vergleich mit den anderen Expressionisten im Umkreis des Blauen Reiters verdeutlicht, wie einzigartig Klees Werke sind. Kandinsky entdeckte als Erster Klees malerisches Talent. Er lud Klee mit seinen grafischen Arbeiten zur zweiten Künstlerausstellung in München ein. Es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Obwohl beide künstlerisch sehr unterschiedliche Wege gingen oder vielleicht auch gerade deshalb, verglichen sie sich „augenzwinkernd mit der Freundschaft von Goethe und Schiller“. 

Die Bilder von Wassily Kandinsky, August Macke, Franz Marc und die Reise nach Paris 1912 zu Robert Delaunay beeinflussten Klee sehr. Die entscheidende  Wende in Klees Leben brachte allerdings die Reise nach Tunesien zusammen mit Louis Moilliet und Macke. Klee war begeistert von der Natur, vom Stadtleben und den Farben und schrieb in sein Reisebuch: „Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Ich weiß das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ 

Dieses Zitat spielt derzeit auch im Franz Marc Museum in Kochel eine große Rolle, wo zeitgleich die Ausstellung „Licht wird Farbe. Reise nach Tunesien“ die Wirkung der Reise auf die künstlerische Entwicklung von Gabriele Münter, Franz Marc, Louis Moilliet und Paul Klee vorwiegend anhand von Reiseskizzen zeigt. 

Fazit:

Die Ausstellung  „Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter“ ist eine wunderbare Einführung in Klees Bildwelten. Im Dialog mit den Werken von Kandinsky, Jawlensky, Münter und Werefkin wird Klees Einzigartigkeit deutlich. Gerade durch die überraschende Auswahl weniger bekannter Motiven, ist ein Ausstellungsbesuch besonders reizvoll. Er eröffnet neue Perspektiven auf einen Künstler, dessen Bilder Humor, Fantasie und tiefgründige Poesie miteinander verbinden.

Infos zur Ausstellung „Paul Klee. Der Poet des Blauen Reiter“

Ort:                    | Schlossmuseum Murnau

Dauer:               | 26. März bis 26. November 2026

Öffnungszeiten: | Dienstag bis Sonntag von 10–17 Uhr

Infos zur Ausstellung „Licht wird Farbe. Reise nach Tunesien“

Ort:                    | Franz Marc Museum Kochel

Dauer:               | vom 11. Oktober bis 17. Januar 2027

Öffnungszeiten: | Dienstag bis Sonntag, von