„Prinzen on Air“ mit Nicola Trub und Andreas Sigrist im kleinen Theater KAMMERSPIELE Landshut © Alvise Predieri
„Prinzen on Air“ im kleinen Theater KAMMERSPIELE Landshut: Theaterkritik zu Sven Grunerts Bühnenfassung frei nach Antoine de Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“ mit Nicola Trub, Andreas Sigrist und Lisbet Werner
Von Saint-Exupérys Widmung an „Léon Werth, als er noch ein kleiner Junge war“ ausgehend entwickelt Sven Grunert über den Titel „Der Prinz. Die Prinz. Das Prinz – Prinzen on Air“ eine originelle Sprachformel für die bewahrte Kindheit in jedem Menschen.
Saint-Exupéry: „Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar“
Weltberühmt wurde die Zeichnung der Schlange, die den Elefanten verschlungen hat aus dem „Kleinen Prinzen“. Nur Kinder haben die Fantasie hinter der gewellten Linie den Elefanten zu erkennen oder das Schaf in der Schachtel mit den Löchern. Kinder sehen die Wahrheiten hinter den Fassaden. Eine Fähigkeit, die Saint-Exupérys Bruchpiloten anscheinend abhandengekommen ist.
Dieser begegnet in der Wüste einem rätselhaften Wesen, dem kleinen Prinzen. Durch dessen Erzählungen wird dem Piloten Schritt für Schritt das Unsichtbare wieder sichtbar, ein Talent das er in der Kindheit beim Zeichnen der Schlangenbilder perfekt beherrschte.
Sven Grunert: originelle Inszenierung
Sven Grunert erzählt die Geschichte nicht nach. Schon der Beginn der Inszenierung ist originell. Nicola Trub, der kleine Prinz im Frack,
eine Mischung aus Zirkusdirektor und Dirigent mitten im Publikum, will die richtige Szene einblenden. Nein, nicht die Jugend, die sound- und videomäßig kurz aufleuchtet, sondern die Kindheit soll es sein, die symbolische Geschichte vom kleinen Prinzen, dessen berühmtes Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ auf dem Bühnenhintergrund verdeutlicht, worum es geht, um menschliche Wärme und Verantwortung.
Spielzeitmotto: „kommen. atmen. staunen.“
Das zentrale Requisit auf der Bühne, ein zerborstener Flieger aus Leitern, lässt Regisseur Sven Grunert mit Plastik verhüllen, eine Hommage an den renommierten Bühnenbildner Helmut Stürmer, der nach mehr als 20 Jahren Zusammenarbeit im letzten Jahr verstarb, aber auch eine sinnbildliche Analogie zum Schaf in der Kiste und zum Spielzeitmotto „kommen. atmen. staunen.“.
Live-Zeichnerin Lisbet Werner
Der Clou der Inszenierung ist, dass Live-Zeichnerin Lisbet Werner per Video die wesentlichen Momente und wechselnde Stimmungen mit Stift und Hand zeichnet. Eine Discokugel taucht das Geschehen immer wieder in eine bezaubernde kosmische Atmosphäre, intensiviert durch sehr subtile Songs und Klangspiele als Hintergrundmusik.
Nicola Trup und Andreas Sigrist wechseln die Rollen
Nicola Trub und Andreas Sigrist spielen mit großartiger Körperpräsenz und Empathie. Erzählung und Dialoge fließen ineinander. Ständig wechseln die Rollen, gelingen famose Symbiosen, in denen beide Rollen ineinander verschmelzen und sich dadurch die Perspektive auf „Der Prinz. Die Prinz. Das Prinz – Prinzen on Air“ sehr poetisch, ohne gendermäßige Überfrachtungen weitet.
Nicola Trub entwickelt dabei eine wunderbare Körpersprache. Mit großen Bewegungen und originellen Effekten im Detail dynamisiert sie das Geschehen anfangs als Moderatorin. Mit Vrikshasana, der Baumhaltung aus dem Hatha-Yoga, verlangsamt sie es als kleiner Prinz und verwandelt sich charmant in die eitle Rose. Andreas Sigrist fasziniert durch seine Stimme und seinen durchdringend reflektierenden Blick in die Ferne, der Erkennen und Sich-Verändern signalisiert.
Zauberformel „Zeichne mir ein Schaf!“
Höhepunkt der Inszenierung ist die Umarmung der beiden, in der Kindheit und Erwachsensein, Eros und Einsicht verschmelzen, authentisches Leben im gegenseitigen Verstehen aufleuchtet. In diesem Kontext wird „Zeichne mir ein Schaf“ zur poetischen Zauberformel der Hoffnung. Das ist Theater, das die Seele stärkt und das Kleine Theater KAMMERSPIELE Landshut einmal mehr als Ort der Poesie auszeichnet.
Infos zu Sven Grunerts „Prinzen on Air“ im kleinen Theater KAMMERSPIELE Landshut
| Künstlerisches Team: | Inszenieurng: | Sven Grunert |
| Kostüme: | Julia Borchert | |
| Regieassistenz: | Lisa Kraus | |
| Technik: | Matthias Ernst, Josef Samweber, Lisbet Werner | |
| Licht: | Matthias Ernst | |
| Lichtdesign: | Björn Gerum | |
| Bühne Beratung: | Sascha Gross | |
| Premiere: | 02. Oktober 2026 |













