Márta György-Kesslers Dokumentarfilm „Meeting the Buddha“ © Filmwelt Verleih
„Meeting the Buddha“ von Márta György-Kessler: Filmkritik über den 16. Karmapa, Lama Ole Nydahl und den Weg des Buddhismus von Tibet, Bhutan, Indien, Nepal bis nach Europa
Wie kam der Buddhismus von Tibet in den Westen? Dieser Frage spürt Márta György-Kessler in ihrem Dokumentarfilm „Meeting the Buddha“ (2026) über die Biografien des 16. Karmapa, Ole und Hannah Nydahls nach.
Während der Buddhismus durch die Besetzung Tibets in China verblasste, blühte er in der westlichen Welt auf. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Fragestellungen und Perspektiven auf das Vermächtnis des 16. Karmapa, des wichtigsten spirituellen Lehrers der Karma-Kagyü-Schule und „König der Yogis“. Seine „Diamantweg“-Praxis ist das Herzstück seiner Lehren.
Was ist Buddhismus?
Der Buddhismus ist keine klassische Religion, sondern eine philosophische Lebensanschauung. Es gibt keinen Schöpfergott, nur ein „Erwachen“, einen zeitlosen Geisteszustand durch Meditation und sinnvolles Handeln. Jeder Mensch trägt die Buddha-Natur in sich. Über den kleinen, großen und diamantenen Weg kann man zur „Erleuchtung“ gelangen, die den Menschen von Furcht befreit und mit höchster Freude erfüllt, wenn er durch sein inneres Potenzial anderen Menschen Mitgefühl gibt und Kraft verleiht.
Der 16. Karmapa und Lama Ole Nydahl
Im Mittelpunkt von Márta György-Kesslers Dokumentation stehen zwei bedeutende Persönlichkeiten, der 16. Karmapa, der Erleuchtete, und sein Schüler Ole Nydahl (1941 – 2026), der sich zu einem spirituellen Meister, einem Lama, entwickelte und zum Pionier des Buddhismus im Westen wurde. Er brachte den Buddhismus nach Amerika und Europa. Zwei Welten, zwei Generationen treffen zusammen. Der 16. Karmapa flüchtet wegen der chinesischen Eroberung Tibets über Bhutan, Indien nach Nepal. Ole Nydahl erlebte mit seiner Freundin und späteren Frau Hannah die Hippie-Zeit in den USA. Die Suche nach Bewusstseinserweiterung, nach Werten und Welten außerhalb des kapitalistischen Umfeldes führt beide nach Indien, wo sie über den 16. Karmapa, seine warmherzige, fröhliche Aura und seine spirituelle Kraft, sich immer intensiver mit den Lehren und Regeln des Buddhismus auseinandersetzen. Der 16. Karmapa erkennt beider Potenzial und segnet Ole Nydahl zum Lama. Hannah Nydahl (1946–2007) war die erste weibliche Schülerin des 16. Karmapa. Sie wurde eine führende Übersetzerin des tibetischen Buddhismus, hielt Vorträge und gründete mit ihrem Mann 650 buddhistische Zentren im Westen.
Dokumentarfilm mit animierten Comics
Die anfängliche Darstellung mit animierten Comics irritiert zunächst, spitzt aber als latente Parodie auf den US-amerikanischen Lebensstil die Diskrepanz zwischen plakativem Westen und östlicher Spiritualität zu. Je mehr dokumentarische, bislang unveröffentlichte Sequenzen und Interviews eingeblendet werden, desto interessanter wird der Film. Dialogarm wirkt er vor allem durch die Nahaufnahmen. Das Lachen des 16. Karmapa nimmt man mit nach Hause. Obwohl Márta György-Kessler den 16. Karmapa nie persönlich kennenlernte, gewinnt der Film durch die dokumentarischen Sequenzen große Authentizität. Márta György-Kessler, ursprünglich Schauspielerin, entdeckte 1990 durch die Bekanntschaft mit Lama Ole Nydahl und Hannah Nydahl den Buddhismus.
Regisseurin Márta György-Kessler
Aufgrund ihrer Erfahrungen und Erlebnisse drehte sie ihren ersten Dokumentarfilm „Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ (2014). Schon bei dieser Produktion zeigte sich das große Interesse am 16. Karmapa, Ole und Hannah Nydahl. In enger Zusammenarbeit mit hohen tibetischen Lamas und einem internationalen Team aus Großbritannien, Deutschland, Ungarn und Dänemark entstand 2025 ihr zweiter Film „Meeting the Buddha“, mit dem sie die historische Reise des tibetischen Buddhismus der Karma-Kagyü-Schule dokumentiert.
Karma-Kagyü-Schule
Das ist die buddhistische Schule, die auf der mündlichen Überlieferung basiert. Der 16. Karmapa und Lama Ole Nydahl sind dafür großartige Vorbilder. Sie leben, was sie verkünden: ein schlichtes Leben voller Empathie für die Mitmenschen, die Tiere und die Natur.
Gedreht wurde an den Originalschauplätzen. Bereits für den ersten Film entdecktes, aber nicht verwendetes Archivmaterial unterstreicht den Dokumentarcharakter von „Meeting the Buddha“
Lama Ole Nydahl erzählt seine Geschichte selbst. Sehr authentisch sind auch die Gespräche mit Lama Jigme Rinpoche, dem Neffen und engen Begleiter, den der 16. Karmapa in Frankreich als seinen Vertreter einsetzte: „Mit Lama Jigme lasse ich ein Stück meines Herzens hier.“
Der Diamantweg – Jeder ein Buddha?
Das Besondere dieses Films ist die anschauliche Darstellung des Diamantwegs der Karma-Kagyü-Linie, der auf die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler zielt. Der Lehrer wird dabei als lebendiger Buddha gesehen. Der 16. Karmapa zeigt dem Schüler Ole Nydahl, wie der Geist wirklich ist und führt ihn so genau zu dem Ziel, das auch Buddha selbst erreicht hat: zur Erleuchtung – der wahren Natur des Geistes. Die Meditation ist ein Schwingen mit Buddha. Jeder kann ein Buddha werden. Das erklärt zumindest teilweise, warum der Buddhismus im Westen, v. a. in den USA, relativ viele Anhänger gefunden hat.
Lohnt sich der Film?
Für Menschen, die sich für Buddhismus interessieren, ist dieser Film sicher ein Highlight. Die persönliche Nähe, die Márta György-Kessler filmisch einfangen konnte, ist zweifelsohne einzigartig. Dass Ole Nydahl einen Sturz aus 300 m Höhe auf Beton überlebte, weil er die Reißleine seines Fallschirms nicht gezogen hatte, ist sensationell, rational infolge der vielen schweren Knochenbrüche kaum erklärbar, aber im Film ein Beispiel für Ole Nydahls spirituelle Kraft. Man muss dabei aber im Auge behalten, dass Lama Ole Nydahl seine Geschichte selbst erzählt. Martá György-Kessler, dem Buddhismus sehr verbunden, veranschaulicht, was er sagt, ohne kritische Distanz und gesellschaftliche Hinterfragungen. Ihr Hauptanliegen ist „Meeting the Buddha“.
Wer wenig Zugang zu derartigen Themen hat, auf den könnte der überlange Dokumentarfilm schnell ermüdend wirken.
Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆
Infos zum Film:
Regisseurin: | Martá György-Kessler
Drehbuch: | Martá György-Kessler, Tobias Dörr, Adam Penny
Originaltitel: | Meeting The Buddha
Genre: | DOKUMENTARFILM
Produktionsland: | Großbritannien
Produktionsjahr: | 2025
Sprachfassung: | Englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
Weltpremiere: | 2025 in Birmingham
Kinostart: | 8. OKTOBER 2026
Dauer: | 2 Std. 24 Minuten
FSK: | ab 6 Jahren beantragt
Verleih: | Filmwelt













