„Stomp“ 2026 live in der Staatsoper Berlin mit Luke Cresswells Perkussiosgruppe © Stomp
„Stomp“ begeistert 2026 live in der Staatsoper Berlin mit Rhythmuskunst aus Alltagsgegenständen. Konzertkritik: Hintergründe, Tournee, Highlights.
Sechs Tage gastiert Luke Cresswell mit seiner Rhythmus-Perkussionsgruppe in der Staatsoper Berlin. Ein ganz außerordentliches Event.
Einer kehrt den Boden, eine Tür knallt, ein zweiter kommt dazu. Am Schluss sind es sechs Männer und zwei Frauen, die mit einer perkussiven Kehrnummer das Publikum überraschen. In linearen und kreisförmigen Strukturen entwickelt sich eine performative Energie, die sich mit jeder Sequenz steigert und mit einer fulminanten Perkussion mit Riesenreifen endet.
Luke Cresswell – Konzeption
Egal welches Material, ob Besen, Kehrichtschaufeln, Eimer, Tonnen, Plastiktüten, Waschbecken, Zeitungen, kombiniert mit „Stomp“ ( Stampfschritten) und fulminanter Fingerfertigkeit verwandeln sich Alltagsgeräusche in Töne und die Töne durch witzig eingebundene pantomimische Passagen in amüsante Geschichten über menschliche Beziehungen und Sehnsüchte, Machtkämpfe, Annäherung und Integration
„Stomp“ Bühnenbild 2026
Auf die Bedeutsamkeit des Materials und die Wurzeln „Stomps“ aus der Straßenkunst verweist bereits das Bühnenbild. Müll unterschiedlichster Art, Verkehrszeichen, Radkappen, Blechstangen, Metalldeckel, in bühnenhoher Kreuzform komprimiert und effektvoll beleuchtet, verweisen auf die Belastung der Menschen durch Lärm und Schrott, gleichzeitig auf die Botschaft, das Negative ins Positive, sprich Rhythmus und menschliches Miteinander zu verwandeln.
„Stomp“ – ein Ton-, Licht- und Rhythmusspektakel
Durch Lichtspots intensivieren sich tonale Akzente und die Energetik der Solisten.
Abgedunkelt gelingt allein durch Ein- und Ausschalten von Taschenlampen eine lineare tonale Lichtperformance. Das Bühnenbild erklimmend werden die Perkussionisten erst durch Lichtzuschaltung sichtbar, wodurch sich Rhythmen geheimnisvoll verdichten.
„Stomp“ – interkulturelle Integration
Die „Stomp“-Rhythmik lässt ganz unterschiedliche kulturelle Einflüsse aufleuchten. Doch Stampfen und Händeklatschen sind um Dimensionen schneller als der assoziierbare Flamenco, das Trommeln noch viel wilder als afrikanische und karibische Rhythmen.
„Stomp“ – Prinzip der Steigerung und Ironie
Mit jeder Szene wandelt sich das Material und seine Größe, um mit immer neuen Tönen und abstrusen Kontrasten zu überraschen. Verstreuter Sand intensiviert ein Schaben. An anderer Stelle glaubt man Tierstimmen oder Wasserrauschen zu hören.
Ein Perkussionist übernimmt die Rolle des Tolpatsches, der immer gerne an vorderster Front brillieren möchte, aber, zu wenig talentiert, sich nur lächerlich macht, was ihn wiederum sehr viel Sympathie einbringt, weil er gerade durch sein Vordrängeln das Ausgeschlossensein so liebenswert karikiert. Überhöht sich die Gruppe mit riesigen Tonnen an den Füßen, wirkt er hinterdrein auf kleinen Dosen einfach nur erbarmungswürdig. Doch wenn er sich am Schluss gleich den großen finalen Applaus sichern will, hat er ihn tatsächlich verdient, weil er die virtuose Performance menschlich beseelt.
Highlights
Jede Szene ist auf ihre Weise originell, furios und ungewöhnlich virtuos. Und doch stechen einige besonders heraus. Der Tollpatsch möchte lesen. Es ist ihm aber nicht vergönnt, weil die anderen um ihn herum die Zeitungen als Perkussionsmaterial mit witzig-optischen Effekten entdecken. Wenn vier Perkussionisten mit umgehängten Küchenspülen tonales Wasserrauschen intonieren und ein Wasserstrahl nicht mehr aufzuhören scheint, ist erst einmal Lachpause.

















