bis 22. August 2026
„El Camino a Dessau“, Alejandra España“ © Alejandra España, Foto: Michaela Schabel
Die Berliner Galerie Kornfeld präsentiert 2026 mit „Built and Lived in Continuity“ die erste Einzelausstellung der mexikanischen Malerin Alejandra España in Deutschland.
Alejandra España in Berlin überrascht durch Vielseitigkeit. Man glaubt drei verschiedene künstlerische Handschriften zu sehen, aber alle Exponate, vorwiegend Malerei und Zeichnungen, sind von der mexikanischen Künstlerin Alejandra España.
Alejandra España Berlin
20 Jahre nach ihrer ersten Deutschlandreise ist Alejandra España in diesem Frühjahr wieder für drei Monate als Artist in Residence innerhalb des Programms 68projects by Kornfeld nach Berlin zurückgekehrt und beschäftigt sich künstlerisch mit Berlin. Damals malte sie energetisch aufgeladene Bilder über den Wiederaufbau nach der Wiedervereinigung. Jetzt zeigt sie, inspiriert vom Berliner Frühling und sicher auch von ihrer Heimat, die enorme Vitalität der Natur. „Built and Lived in Continuity“, („Gebaut und in Kontinuität gelebt“) nennt sie ihre Ausstellung, die abgesehen von einigen Bildern mit direkten Bezug zu Berlin ortsungebunden ist.
Abstrakte Naturlandschaften
Ins Auge fallen zunächst ihre leuchtenden abstrakten Landschaftsbilder in Öl, die in wild bewegten Gelb-, Grün- und Blautönen gemalt und klar abgegrenzt sind, doch durch die geschwungenen Flächen und Formen ineinandergreifen. Die Natur explodiert. Das Licht blendet. Die Farben schillern. Schichten überlagern sich, schieben sich weiter, eröffnen landschaftliche und tiefenpsychologische Perspektiven. Eine Form entwickelt sich aus der anderen, oder übertragen, eine Erfahrung lagert sich ab und bildet die Basis für eine neue.
Von der Natur- zur Seelenlandschaft
Die Bilder wirken wie in Trance gemalt, stülpen das innere Erleben rhythmisiert, in haptischen Formen und weiten Blickachsen nach außen. Mitunter entdeckt man in den abstrakten Farb-Formflächen unerwartete Dinglichkeiten und Narrative. Zwischen den oszillierenden Farb-Form-Komplexen wirken schwarze Flächen wie Tunnel zum Unbewussten.
Durch die Titel spannt Alejandra España mitunter ganz konkret den Bogen zu Berlin und lässt aktuelle Themen und kunsthistorische Verbindungen aufleuchten. In Lila und Schwarz hinterfragt sie das Gelände des ehemaligen Flughafens „Tempelhof“. Der „Weg nach Dessau“ zu den Wurzeln der Bauhauskunst indes leuchtet in Grün, Gelb und Blau. In „Vogel am Himmel“ wird sie globaler, indem sie allein durch schwarze Einsprengsel auf die Umweltveränderungen anspielt.
Rorschach-Zeichnungen
Kleine Arbeiten, mit Tinte auf japanisches Papier auf Holz, entstanden in Anlehnung an die Rorschach-Technik, mit der man bereits Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Interpretation von Tintenklecksen die Fantasie von Menschen zu testen begann. Für Alejandra España sind die entlang einer Symmetrieachse gespiegelten Motive, die sehr archaisch wirken, Ausdruck einer „psychologischen Kartografie“, weniger gedacht als Interpretationen, sondern als traumatisch-surreale Wahrnehmungs- und Erinnerungsfelder. Die Lebenszeit des Schmetterlings „Schwebend zwischen Raum und Zeit“ scheint durch die schwarze Tinte begrenzt.
Alejandra España
Alejandra España (*Mexiko-Stadt) studierte an der Kunstschule in Barcelona, anschließend in Mexiko-Stadt. Sie wurde mehrfach durch das mexikanische Kulturförderprogramm ausgezeichnet, erhielt Förderungen und Stipendien. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt.
Fazit zur Ausstellung
Die Ausstellung, sehr gekonnt kuratiert von Tereza de Arruda, geht in die Tiefe und zeigt die große Bandbreite der Künstlerin. Sie blendet von Alejandra Españas leuchtenden Grenz- und Erinnerungswelten zu den kleinen, dunklen Tuschzeichnungen, die wie archaische Votivtafeln auf den Seelengrund einstiger Erfahrungen anbinden. Gleichzeitig thematisiert sie die Gefährdung des Schönen in Natur, Flora und Fauna, wobei zwei Bilder herausstechen. In „Salix babylonica“, ein großformatiges Triptychon, schwärzt die mexikanische Künstlerin die goldene Aura durch schwarze Akzente ein. Umgekehrt zeigt sie in „Haben die Menschen Licht?“ wie eine Frau in symmetrischer Haltung als Symbol körperlicher und seelischer Ausgeglichenheit eine goldene Aura um sich herum entwickelt. Alejandra España ist eine Entdeckung.
Infos zur Ausstellung:
Ort: | 68 projects by Kornfeld, Galerie Kornfeld Berlin
Adresse: | Fasanenstraße 26
Laufzeit: | bis 22. August
Öffnungszeiten: | Dienstag bis Samstag 11–18 Uhr
Telefon: | 030 889 225 890
FAQ
Wo ist die Galerie Kornfeld?
In Berlin Charlottenburg, Fasanenstraße 26
Wer ist Alejandra España?
Alejandra España ist eine mexikanische Künstlerin, die sich als Artist of Residence über das Programm 68projects der Galerie Kornfeld mit Berlin künstlerisch auseinandersetzt und darüber hinaus mit Landschaften und Motiven, in denen sich die Erinnerungen der Menschen spiegeln.
Was bedeutet der Titel „Built and Lived in Continuity“?
Übersetzt heißt das „Gebaut und in Kontinuität gelebt“. Der Mensch verändert die Welt und in den Veränderungen werden Erfahrungen sichtbar.
Welche Bilder zeigt die aktuelle Ausstellung „Built and Lived in Continuity“?
Abstrahierte Landschaftsbilder und kleinformatige Zeichnungen, die das Erinnern und das psychologische Unbewusste in den Mittelpunkt rücken, aber auch Bilder, in denen die Umweltverschmutzung thematisiert wird und die Rolle des Menschen.
Wie lange dauert die Ausstellung?
Bis zum 22. August 2026

















