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„Gran Gala de Zarzuela“ in der Deutschen Oper Berlin 

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„Gran Gala de Zarzuela“ in der Deutschen Oper Berlin 

„Gran Gala de Zarzuela“ © Deutsche Oper Berlin, Foto:

Mit einer „Gran Gala de Zarzuela“, Auszügen aus Werken des spanischen Musiktheaters“ begeistert Christofs Loys Inszenierung das Publikum an der Deutschen Oper Berlin.

„Gran Gala de Zarzuela“ klingt spanisch und ist es im doppelten Sinne des Wortes. Wer weiß schon, was eine Zarzuela ist? Das spanische Musiktheater entstand im 17. Jahrhundert parallel zur italienischen Oper. Dem Vaudeville, der Posse und der Operette verwandt, wurden innerhalb weniger Jahrzehnte Hunderte von Zarzuelas verfasst, vergessen und im 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Warum keines dieser Werke Eingang in den internationalen Musiktheaterkanon gefunden hat, bleibt für Christof Loy ein Rätsel. 

Was ist eine „Zarzuela“? 

Wie die Operette verbindet die Zarzuela Gesang und Sprechpassagen kombiniert mit Tanz und Instrumentalmusik für eine szenische Aufführung. Die Zarzuela grande ist wie die meisten Opern mit mehreren Akten abendfüllend, die „kleine“ Zarzuela, in der Regel ein Einakter, nur, wenn zwei oder drei hintereinander aufgeführt werden. 

Ganz bewusst sind Zarzuelas regional ausgerichtet. Traditionelle Musik, Tänze, Kostüme und Dialekte machen den Reiz der Zarzuelas aus. Hauptthema ist die Liebe, aber darüber hinaus gibt die Zarzuela viele Impulse, gesellschaftliche Situationen, Regeln und Autoritäten frech und widerspenstig zu hinterfragen, worauf schon der Name verweist. „Zarzuela“ ist die Verkleinerungsform von „zarza“ (Dornenhecke). Das spanische Musiktheater kratzt an der schönen Oberfläche. Die Renaissance der Zarzuela im 19. Jahrhundert war Ausdruck der nationalen Identitätsstiftung.

Christof Loy – Zarzuela-Fan

Regisseur Christof Loy, bei der Premiere nicht persönlich anwesend, aber über einen imposanten Screen präsent, erklärte euphorisiert sein Faible für die Zarzuela. Als er 1983 einen Mitschnitt des legendären Konzerts von Pilar Lorengar und Plácido Domingo bei den Salzburger Festspielen von einem Freund geschenkt bekam, funkte es sofort. Jahrzehnte später bot sich Christof Loy bei einer Inszenierung in Madrid während der Coronazeit die Gelegenheit, die Zarzuela zu erforschen. 2025 gründete er die Compagnie „Los Paladines“ mit fünf Solist:innen, die je nach Inszenierung erweitert werden. In Madrid inszenierte er Manuel Penellas Klassiker „El gato montés“, in Wien Pablo Lunas „Benamor“ und in Basel Francisco Asenjo Barbieris „El barberillo de Lavapiés“. 

„Gran Gala de Zarzuela“ – eine Musik-Revue

Mit der „Gran Gala de Zarzuela“ kreiert Christof Loy ein neues Format – eine Musikrevue mit zwei Dutzend Arien und Instrumentalstücken, um auf die Vielfalt der spanischen Opern- und Operettentradition aufmerksam zu machen. Das Konzept – eine Kombination aus typischen Spanienklischees und überraschenden Belcanto-Stimmen – geht auf. Nach jedem Werk gibt es tosenden Applaus. 

Schlichtes Bühnenbild 

Das Orchester auf der Bühne und des dahinter in Frack und Blumenkleidern stehenden Chores vor einer vagen, lichthellen Großstadtsilhouette als Symbol für das Entdecken der Zarzuela, bleibt dennoch Raum für die Sänger:innen und Tänzer:innen, die einzelnen Szenen narrativ zu verbinden.

Die Vielfalt der „Gran Gala de Zarzuela“

Der Abend beginnt mit Manuela Penella Morenos berühmtem Pasodoble „El Gato Montes“, sehr klangschön intoniert, fern der oft zu hörenden schrillen Trompeten-Interpretationen. Doch schon die erste Arie verschiebt den Fokus vom Stierkampfklischee auf die große Opernarie. Carmen Artaza beweist mit der Romanze der María aus Gerónimo Giménez y Bellidos „La tempranica“, wie zart, verträumt und zugleich kraftvoll Zarzuela-Arien sein können. Herzinnige, aber auch amüsante Werke folgen. Wenn Mané Galoyan als Pilar in Manuel Fernández Caballero „Gigantes y Cabezudos“ bedauert, den Brief ihres Geliebten nicht lesen zu können, weil sie das Lesen nie gelernt hat, blitzt amüsant Gesellschaftskritik auf, noch mehr, als sich David Oller mit seinem klangschönen Bariton in Federico Chuecas und Joaquín Valverdes „La gran vía“ als schönster Kavalier in Szene setzt. „Welch ein Angebot!“ Doch Cristina Toledo toppt ihn mit betörenden Koloraturen als allerschönste und verführerischste Dame in Gerónimo Giménez’ y Bellidos „El barbero de Sevilla“. Sie führt gleich zwei Liebhaber temperamentvoll an der Nase herum. 

Der erste Teil beschwingt durch heitere Arien, der zweite lässt melancholischen, großartigen Belcanto aufleuchten. Einer der Höhepunkte ist das Duett von Rosa y José aus Federico Moreno Torrobas „Luisa Fernanda“, überaus gefühlvoll von Carmen Artaza und Santiago Sánchez interpretiert.

José Miguel Pérez-Sierra

Gesanglich und orchestral, unter der musikalischen Leitung von José Miguel Pérez-Sierra wunderbar ausbalanciert, kommen die glühenden Klangfarben der Solist:innen bestens zur Wirkung, zumal die Timbres von „Los Paladines“ sehr gut zusammenpassen und durch Mané Galoyan und Rodrigo Garull aus dem Ensemble der Deutschen Oper erweitert werden. Statt einer einfachen Nummernrevue verbindet Christof Loy die einzelnen Stücke durch schauspielerische und tänzerische Elemente. 

Kastagnettenlegende Lucero Teno

Als Überraschungsgast begrüßt Christof Loy vom Screen aus die legendäre Kastagnettenspielerin Lucero Teno. Mit 98 Jahren gelingt es ihr immer noch, trotz großer Orchesterbesetzung den Klang  der Kastagnetten in den Mittelpunkt zu stellen. Das Publikum bedankt sich mit Standing Ovations. 

Hommage an Pilar Lorengar

Der 30. Todestag von Pilar Lorengar gab Christof Loy die Chance, einmalig die „Gran Gala de Zarzuela“ als Hommage an die ehemalige Zarzuela-Sängerin auf die Bühne der Deutschen Oper zu bringen, denn Pilar Lorengar (1928 – 1996) war ab 1958 an diesem Haus Ensemblemitglied und blieb der Deutschen Oper, von wo aus sie eine internationale Karriere startete, immer treu verbunden. 

Fazit zur Kritik der „Gran Gala de Zarzuela“ an der Deutschen Oper Berlin

Mit der „Gran Gala de Zarzuela“ gelingt der Deutschen Oper Berlin eine ebenso unterhaltsame wie kenntnisreiche Wiederentdeckung einer hierzulande fast vergessenen Musiktheatertradition, allerdings mehr ein Aperitif. Die Frage, ob sie sich auf deutschen Bühnen etablieren wird, lässt sich durch eine Musikrevue nicht beantworten. Dazu müsste Christof Loy sozusagen als Hauptgericht schon eine ganze „Zarzuela“ an der Deutschen Oper inszenieren. 

Infos zur „Gran Gala de Zarzuela“

Künstlerisches Team:Dirigent:José Miguel Pèrez-Sierra

Inszenierung:Christof Loy

Spielleitung:Eva-Maria Abelein

Choreografie:Pascu Orti

Chöre:Thomas Richter

Video:Jake Witlen

Licht:Ulrich Niepel
Mit:Lucero TenaKastagnetten

Los PaladinesCristina Toledo Carmen Artaza, Santiago Sánchez David Oller, Alejandro Baliñas Vieites

vom Ensemble der der Deutschen Oper:Mané Galoyan Rodrigo Garull


Chor, Orchester und Tänzer:innen
Uraufführung:05.07.2026