„Environements“, Steina Vasulka © Steina Vasulka, Foto: Michaela Schabel
Die Ausstellung ‚Steina: Playback‘ im Haus der Kunst München widmet sich der Videokunst Steina Valuskas und präsentiert zentrale Werke aus mehr als 50 Jahren
Der Ton kreiert die Bilder. Wie das möglich ist, erklärt sich aus Steinas Werdegang. Steina (*1940, Reykjavik) studierte zunächst klassische Geige und Musiktheorie und spielte im Iceland Symphony Orchestra. Ende der 1960er Jahre begann sie sich der Kamera wie einem Musikinstrument zu nähern, indem sie durch elektronische Vernetzungen Klang- und Bildwelten fusionierte.
Steina – Pionierin der Videokunst
Die Musik ist nicht mehr atmosphärische Untermalung, sondern erzeugt selbst ihre eigenen Bilder, indem Steina musikalische Elemente wie Artikulation, Dynamik, Tempi, Motivwiederholungen und Überarbeitungsphasen visualisierte. Dazu nimmt Steina auch altes Filmmaterial, über das sie neuere Versionen legt, diese wiederum rückkoppelt und multipliziert, sodass sich die Wahrnehmungsstrukturen völlig verschieben und in ihrer Bedeutsamkeit hinterfragt werden. Steina erklärt die Gegenwart aus der Vergangenheit, indem sie Werke immer wieder überarbeitet und immer wieder damit spielt, wer tatsächlich die Bilder produziert.
Steina selbst spricht von einem „maschinellen Sehen“. Ihre Sicht ist nicht anthropozentrisch, sondern geprägt von einem spielerischen, experimentellen Umgang mit Ton und Bild, wobei sie ihren Fokus von den Landschaften Islands auf New York und Buffalo verlagert, von Naturgewalten auf menschliche Stimmen und instrumentelle Schwingungen. Steinas Environments wirken wie Partituren, in denen Bilder und Töne sich gegenseitig rhythmisieren, kontrapunktorisch kreisen, fusionieren, sich fragmentieren und zuweilen das Umfeld integrieren.
„Steina: Playback“ – ausdrucksstark kuratiert
In drei Räumen inklusive der beiden Treppengänge präsentiert das Haus der Kunst Steinas bedeutendste Werke über 50 Jahre hinweg. Ohne die Räume durch Wände zu unterteilen, gelang es Lydia Antoniou und Marlene Mützel, den koordinierenden Kuratorinnen im Haus der Kunst, die teilweise fünf Meter großen Arbeiten so zu arrangieren, dass sich wuchtige Synergieeffekte ergeben und sich die verschiedenen Installationen in ihrer einzigartigen Aura nicht überlagern. Informationstexte helfen, die Installationen nicht nur wahrzunehmen, sondern sie auch in ihrer innovativen Energie einordnen zu können.
Steina und Vasulka – Gründer von „The Kitchen“
1971 gründete Steina gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Woody Vasulka in New York „The Kitchen“, einen Ort für erweiterte Formen von Bild, Ton und Live-Performance. Sie experimentierten mit elektronischen Bildprozessen und prägten die Entwicklung der Medienkunst nachhaltig.
„The Kitchen“ wurde zum Zentrum öffentlicher Begegnungen zwischen innovativen Künstler:innen und interessierten Menschen, womit die Ausstellung „Steina Playback“ genau in das Konzept des Hauses der Kunst passt. Man will Künstler:innen zeigen, die die Bereiche Bild, Ton, Performance und Ausstellungsgestaltung prägend verändert haben.
Steina: „Violin Power“ und „The West“ im Haus der Kunst
Die besten Zugang zu Steinas innovativem Schaffen bekommt man über die Videos „Violin Power“ und „The West“, die in einem Abstand von zehn Jahren entstanden sind und die nachhaltige inhaltliche und technische Auseinandersetzung auf der Basis von Modulation, Verschiebung und Variation bezeugen. In „Violin Power“ interagieren Geste, Klang und Bild, elektronisch vernetzt, miteinander. Die Geige ist sowohl Musikinstrument als auch die bildgenerierende Schnittstelle. „In the West“ werden diese Verfahren auf aufgezeichnetes Landschaftsmaterial ausgezeichnet, das durch Videobearbeitung neu organisiert wird.
Haus der Kunst: Steinas „Environments“
Am effektvollsten sind die fünf Meter hohen Videoprojektionen, in denen Steina analoge und digitale Techniken vernetzt, durch Licht, Farbe, Klang, und Bewegung transformiert und dadurch Räume energetisch aktiviert. „Environment“ nennt Steina diese Videos, die den Ausstellungsprozess selbst thematisieren. Damit trug Steina wesentlich zur Etablierung von Environments als eigenständige Kunstform bei. Steinas Videomotive verändern sich im Zehn-Minuten-Rhythmus, sodass sich die unterschiedliche Raumstimmungen einstellen. Nur wer sich viel Zeit nimmt, kann diese und auch andere Wahrnehmungsprozesse reflektieren
Fazit zur Ausstellung „Steina: Playback“
Steina ist unbestritten eine interessante Künstlerin, die durch ihre Pionierarbeit kulturhistorisch sehr bedeutsam ist. Doch in der zunehmenden Flut heutiger immersiver Medien- und Videoinstallationen fällt es „Steina: Playback“ schwer, noch echte Überraschungsmomente zu erzeugen.
Zur Ausstellung gibt es eine Reihe von Sonderveranstaltungen, Workshops über elektroakustische Musik und Sommerworkshops zu „Steina: Playback“.
Ausstellungsinfos:
Ausstellungsdauer: | bis 07.12.2026
Öffnungszeiten: | Mi – Mo von 10:00 – 20:00 Uhr
Eintrittspreise: | 15,00 €
11,00 €, ermäßigt
5,00 €, Studenten und Schüler ab 12 Jahren
eintrittsfrei Kinder unter 12 Jahren
35,00 € für Familien mit bis drei Kinder
jeder letzter Freitag im Monat eintrittsfrei
Adresse: | Prinzregentenstraße 1
Webseite: | Haus der Kunst
Bewertung: ⭐⭐☆☆☆














