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„Brancusi“ Ausstellung Berlin 2026 – Kritik: Warum der Besuch der ersten großen Werkschau in der Neuen Nationalgalerie lohnt 

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„Brancusi“ Ausstellung Berlin 2026 – Kritik: Warum der Besuch der ersten großen Werkschau in der Neuen Nationalgalerie lohnt 

© Michaela Schabel

Brancusi, rumänisch Brâncuși, bislang in Deutschland weitgehend unbekannt, überrascht in der Neuen Nationalgalerie, Berlin durch formschön reduzierte Skulpturen. Der rumänische Künstler zählt zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Durch eine Kooperation…

mit dem Centre Pompidou, Paris und durch Exponate aus anderen renommierten internationalen Sammlungen wurde nach 50 Jahren diese bislang umfangreichste Ausstellung mit 150 Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen und Filmen möglich. Sogar ein Teil seines Wohnateliers wurde aufgebaut.

Wer ist Brancusi? wenig Motive in immer neuen Variationen

Brancusi (1876 – 1957) fand nach seiner traditionell-akademischen Ausbildung und seiner Bekanntschaft mit August Rodin in Paris 1907 zu seinem eigenen Stil. Inspiriert vom Kunsthandwerk seiner rumänischen Heimat, antiker, afrikanischer und fernöstlicher Kunst arbeitete er seine Figuren direkt aus dem Stein oder Holz. 

Kritik – nur wenige Motive in immer neuen Variationen

Tiefe statt Vielfalt bezeugt die Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Anhand verschiedener Motive, die ihn faszinierten, begann er in Werkzyklen das Wesentliche mit wechselnden Materialien und Oberflächen in immer neuen Varianten darzustellen. Seine berühmten Werkserien „Porträt“, „Vogel im  Raum“, „Schlummernde Muse“ oder „Unendliche Säule“ kommen in der lichten Atmosphäre der Neuen Nationalgalerie bestens zur Wirkung. 

Kunsthistorische Bedeutung: Vorreiter der modernen Abstraktion

Was macht einen Vogel aus? Für Brancusi ist es die Bewegung noch oben. Deshalb reduzierte er seine Vögel auf einen schmale,s leicht geschwungene Silhouetten. Auf hohen Sockeln wirken sie noch stärker himmelwärts gerichtet. Einen Fisch verwandelt er in ein plattes Oval. In seinen skulpturalen „Porträts“, reduziert auf Augen, Nase, Ohren und Mund, wird der afrikanische Einfluss spürbar. Durch diese Stilmittel wurde Brancusi der Vorreiter der modernen Abstraktion.

Schon früh entdeckte Brancusi die Fotografie als Dokumentationsmedium, setzte sich aber auch künstlerisch ein, seine abstrahierten Arbeiten durch Licht, Schatten und enge Formate eine atmosphärische, fast immaterielle, mystische Aura zu verleihen.

Neue Nationalgalerie: perfekt kuratiert

Unermüdlich polierte Brancusi die Oberflächen seiner Bronzen auf Hochglanz, so dass sich das Umfeld in ihnen spiegelte und verzerrte. Manche Objekte setzte er auf Kugellager, um den Eindruck von Bewegung zu verstärken. 

Die skulpturale Ästhetik wird die motivorientierte und sehr luftige Präsentation gesteigert, weil man die Exponate aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann. Ein ganz besonderes Kunsterlebnis ist die um die eigene Achse kreisende „Leda in Bewegung“ mit Blickachse auf dasselbe Motiv auf einem Video in Gegenrichtung.

Teil der Ausstellung – Brancusis Atelier 

Dass Brancusi ein Meister der Ästhetik ist, zeigt eine Teilrekonstruktion seines Ateliers. Die Werkzeuge sind formschön und übersichtlich dekoriert wodurch der Arbeitsraum selbst zur Kunst wird. Brancusi empfing dort seine Freunde. Rundherum geben Fotografien, Skizzen und Briefe einen chronologischen Einblick in sein Leben.

Resümee: „Brancusi“ eröffnet den Blick auf einen Künstler, der bislang in Deutschland mehr oder weniger ignoriert wurde. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung wie Kooperationen zu Win-Win-Effekten führen. Das Centre Pompidou ist wegen der Restaurationsarbeiten froh, die Exponate auslagern zu können. Die Neue Nationalgalerie bekommt die Möglichkeit eine erstklassige Ausstellung zu zeigen. 

„Brancusi“ ist bis zum 9. August in der Neuen Nationalgalerie, Berlin zu sehen. 

⭐⭐⭐⭐⭐