©Michaela Schabel
Die Stadtgalerie Deggendorf zeigt mit Andrei Krioukovs „Einwegrealismus“ die steigende Müllproblematik durch unser globales Konsumverhalten. Andy Warhol enthüllte mit…
seinen Bildern alltäglicher Popkultur die Manipulierbarkeit des Massenkonsums. Andrei Krioukov geht einen Schritt weiter. Er malt zerknüllte Einwegverpackungen, allen voran Coca-Cola und Campbell’s-Suppendosen.
Krioukovs Kunstkonzept – „Einwegrealismus“
Damit bindet Krioukov direkt an Warhol an. In noch größeren Formaten malt der russische Künstler in Acryl und Öl zerknautschte Dosen der US-amerikanischen Großkonzerne, teilweise mit ironischen Verweisen auf die Nährwerttabellen. Null Eiweiß, null Kohlenhydrate, null Fett, null Zucker, damit bringt Krioukov die Minderwertigkeit der Produkte und deren manipulierende Falschangaben ins Bewusstsein.
Coca-Cola-Ikonen in der Stadtgalerie Stadtgalerie
Schon im Gang der Galerie signalisieren gemalte Coca-Cola-Pfandflaschen u.a. aus Casablanca die globale Bedeutung. Ab Mitte der 1950er Jahre versorgte man amerikanische Soldaten im Ausland mit Blechdosen. In den 1960er Jahren setzte sich die Dosen-Vermarktung weltweit durch. Krioukovs große, fotorealistisch gemalte Bilder lassen die Gewinne der Konzerne assoziieren und die Müllberge dahinter.
Flach zusammengepresst, vergoldet, einzeln, zwei-, drei- sogar vierfach nebeneinander gereiht, mit Epoxitharz ummantelt, wirken die kleinen Exponate wie Oscar-Prämierungen dieses in Müll produzierenden Global- Players.
Flankiert vom firmeneigenen Fanta, vom Konkurrenten Pepsi, und vor allem den diversen Dosenprodukten der Campbell Soup Company spiegelt die Ausstellung die Bedeutung der USA in puncto Produktion ungesunder Lebensmittel und riesiger Mengen Einweg-Mülls.
Deggendorfer Stadtgalerie – konsumkritische Kunst von Andrei Krioukov
Als weitere Belegmotive für seinen Einweg-Realismus präsentiert Krioukov farbstoffleuchtende Tortenbilder mit Getränken in Einwegbechern und Collagen von Weinflaschen.
Seine Filmklappenbilder in Schwarzfilmen zu italienischen und US-amerikanischen Kultfilmen wie Fellinis „La dolce vita“ oder Edwards’ „Breakfast at Tiffany’s“ weiten den Blickwinkel zwischen früherem und heutigem Lebensstil.
Resümee: Die Ausstellung in den Räumen der Deggendorfer Stadtgalerie nach Motiven sehr übersichtlich kuratiert ist ein kritischer Beitrag zu unserem Konsumverhalten. Sie erschließt sich leicht durch Andrei Krioukovs fotorealistischen Malstil und sein pointiertes Konzept des „Einwegrealismus“, der allerdings trotz seiner langjährigen Malerei noch nicht in der Kunstszene verankert ist. Die Weitung der Ausstellung durch die Filmstills verweist gekonnt auf unseren Kulturwandel und den damit verbundenen Konsumgewohnheiten hin.
Andrei Krioukov (*1959, Moskau) studierte an der Moskauer Kunstfachschule mit Schwerpunkt Malerei und Lehramt für Kunst, anschließend Malerei und Grafik an der Staatlichen Kunsthochschule Moskau. Seit 2001 lebt und arbeitet er als selbstständiger Kunstdozent und Maler in Deutschland. 2003 gründete Krioukov die Schule für Bildende Kunst und Gestaltung Berlin, deren Direktor und Dozent er ist.











