©Kleines Theater Kammerspiele Landshut, Foto: Stefan Klein
Louisa Stroux gelingt im Kleinen Theater Kammerspiele Landshut das Kunststück, Ernst Konareks Künstlermonolog „La vie de Coco Chanel“ sehr privat und tiefgründig auf die Bühne zu bringen.
Leger, sehr selbstkritisch erscheint Louisa Stroux auf der Bühne. Wie soll sie…
Coco Chanel, diese außergewöhnliche Frau spielen, der sie nicht einmal ähnlich sieht? Im nächsten Augenblick wechselt sie in die Ich-Form und gebannt folgt man ihrem Spiel, das neben der steilen Karriere die „Fiasken“ im Hintergrund beleuchtet.
Wie viele Bühnenbiografien ist auch Ernst Konareks Coco-Chanel-Porträt dramaturgisch sehr auf deren Liebesbeziehungen zugespitzt, aber Louisa Stroux arbeitet unter der Regie von Christoph Tomanek darüber hinaus die essentiellen Denk- und Handlungsmuster Coco Chanels sehr empathisch heraus.
Als Bühne genügt ein weißer Gazevorhang, auf dem Coco Chanels Träume und Lebenswege durch dokumentarische und künstlerische Projektionen atmosphärisch erlebt werden. Gekonnt nutzt Stroux diesen Vorhang. Ein Hüftschwung aus dem zarten Gewebe genügt, um Coco Chanels verführerische Art zu enthüllen.
„La vie de Coco Chanel“ – entlang ihrer Lebensprinzipien
Nicht die Mode steht im Mittelpunkt, sondern Coco Chanel als Frau, die sehr genau wusste: „Frauen müssen verzaubern, um etwas zu erreichen.“ Stroux’ Stimmnuancen lassen miterleben, wie zielstrebig sie die Männer, die sie liebte, umgarnte, wie rebellisch sie auf Abhängigkeiten reagierte und wie sie sich, von den Männern betrogen und verlassen, Schritt für Schritt in eine knallharte Unternehmerin verwandelte.
Louisa Stroux: facettenreiche Solo-Performance im Kleinen Theater
In einem eineinhalbstündigen Monolog spannt Stroux sehr facettenreich den chronologischen Bogen von der Geburt bis zum Tod im 88. Lebensjahr in Paris. Mit sachlicher Distanz erzählt Stroux von Coco Chanels Kindheit, die als Tochter eines Hausierers, der Frau und Kinder verließ, mit zwölf Jahren nach dem Tod der Mutter in einem klösterlichen Waisenhaus aufwuchs. Die strikte Disziplin und schlichte Kleidung der Nonnen, die Sehnsucht nach Selbstständigkeit und Freiheit wurden für Coco Chanel lebensprägend ,und genau entlang dieser markanten Leitsätze entwickelt Regisseur Christoph Tomanek „La vie de Coco Chanel“.
Stroux bringt Coco Chanels Freiheitsdrang energetisch zum Leuchten. Sie spielt nicht nur die vielen Facetten dieser Frau, sie singt auch, sehr berührend, französische Chansons. Coco Chanel dagegen scheiterte beim Vorsingen für eine Revue wegen mangelnder Begabung. Ihr Metier wurde die Mode. Nach dem Prinzip „Die Schlichtheit ist der Schlüssel zum Erfolg“ entwickelte sie einen ganz neuen funktionalen Modestil, der die Frauen von den Korsetten befreite und ihnen ein bequemes, gleichzeitig ein schickes Aussehen verlieh. Adäquat tauscht Stroux ihren Ringelpullover gegen fließende Seidenblusen und lässige Hosen (Kostüme: Ariane Königshof), später gegen das Kleine Schwarze, das Coco Chanel salonfähig machte. Mit Chanel No. 5 gelang ihr der Durchbruch auf dem Parfümsektor.
Immer wieder fokussiert die Inszenierung auf Coco Chanels Selbstständigkeit. Sie : „Geld ist der Schlüssel zur Freiheit“ und doch war jeder Karriereschritt war mit einem Mann verbunden. Étienne Balsan gab Chanel die nötige Starthilfe, Arthur „Boy“ Capel, finanzierte ihre Boutiquen und der Duke of Westminster führte sie in die absolute High Society ein.
Stroux leuchtet die Erfolgsleiter aus, noch mehr die psychischen Abstürze, wenn Coco Chanel verlassen wurde und mit Noch-mehr-Arbeiten ihre Enttäuschung kompensierte.
Selbst Coco Chanels dubiose Rolle als Spionin während der Nazizeit und die Ausnutzung der antisemitischen Gesetze, um das Parfümgeschäft von ihren jüdischen Geschäftspartnern zurückzuerlangen, bleiben in der Inszenierung im Kleinen Theater Kammerspiele Landshut nicht ausgespart. Nach dem Krieg gelang ihr ein Comeback. Doch ihre Lebensbilanz fällt bitter aus – „im Leben eine Verlassene“.
| Künstlerisches Team. | Regie | Christoph Tomanek |
| Ausstattung | Ariane Königshof | |
| Licht, Technik | Matthias Ernst, Erika Höcht, Josef Semweber, Julian Wiese |










