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Berliner Staatsballett – Uraufführung „Next Generation“  in der Deutschen Oper Berlin präsentiert künftige Talente 

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Berliner Staatsballett – Uraufführung „Next Generation“  in der Deutschen Oper Berlin präsentiert künftige Talente 

Premiere 24.02.2026 in der Tischerlei der Deutschen Oper Berlin

©Berliner Staatsballett, Foto: Admill Kuyler

Mit „Next Generation präsentiert das Staatsballett Berlin in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin auch dieses Jahr seine Nachwuchstalente. Junge Choreografi:innen realisieren mit jungen Tänzer:innen elf kurze, aber sehr expressive Uraufführungen. Die Bandbreite…

ist weit gesteckt, beginnt mit klassischem Ballett, überrascht mit vielen Versionen des zeitgenössischen Tanzes und weitet das übliche Tanzprogramm durch eine ekstatisch ethnische Tanzeinlage.

„Next Generation“ des Berliner Staatsballetts – auf kleiner Bühne ganz nah

Aufführungsort ist die kleinere Bühne in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin, perfekt, um innovative Ideen auszuprobieren, weil man als Zuschauer den Tänzer:innen viel näher ist, deren strahlende, zuweilen auch sehr ernste Aura das Publikum begeistert und beeindruckt. Entsprechend kleiner ist der Zuschauerraum. So verwundert es nicht, dass alle Folgeveranstaltungen bereits ausverkauft sind und der Jubel nach jeder Choreografie intensiv wahrgenommen wird.

Welche Geschichten erzählt die „Next Generation“ des Berliner Staatsballetts?

Die Liebe ist das präferierte Thema. Zu Beginn tanzt Choreograf Gustavo Chalub als Apollo alternierend mit drei zauberhaften Musen in weißen, frühlingshaft flatternden Kostümen „By Your Side“ federleichte Pas de deux. Es ist eine Hommage an George Balanchines „Apollon Musagète“, in der Chalub selbst den Apollo tanzt, umflirrt von drei verführerischen Musen.

Umso wuchtiger wirkt danach Achille De Groeves „Still?“. Er lässt Meiri Meada zwischen düsteren Rauchwolken und den Schatten einer vergitterten Fläche wie in einem Gefängnis eingeengt, gegen die bedrückende Umweltbelastung und den beruflichen und seelischen Druck in einer hochtechnisierten Welt ankämpfen. Immer wieder knickt sie ein, fällt zu Boden, richtet sich wieder auf und wankt mehr, als dass sie steht. Beide Stücke zeigen gleich zu Beginn die tänzerische Spannbreite der „Next Generation“.

„Next Generation Berlin“ mixt die Tanzstile

Jahrelang wurde in Berlin der Verlust des Balletts bedauert, die Entwicklung hin zum zeitgenössischen Tanz kritisiert. Die künftige Choreografen- und Tanzgeneration geht damit unkompliziert um. Sie mixt die Stile. Nur in wenigen Sequenzen dominiert das klassische Ballett mit graziler Armführung, anmutigen Hebungen, Spreizsprüngen und Spitzentanz. Extrem schnelle Armbewegungen, raffinierte Umarmungen und Verschlingungen haben Vorrang, weil sie viel intensiver die Dynamik zeitgenössischer Themen ausdrücken. Choreografische Simultaneität weicht in diesen Kleinformaten alternierenden und solistischen Ausdrucksformen.

Selbst im klassischen Format des Pas de deux leuchten Elemente aus Standardtänzen und dem zeitgenössischen Tanz auf. Filippo Pagani spannt in „At Last“ den Bogen vom ersten Verliebtsein über zunehmende Streitigkeiten bis zur Vergewaltigung, getanzt von Matthew Knight und Alizée Sicre. Der Zauber verliebter Leichtigkeit verliert sich in bitterer Enttäuschung über latenten Machismo. Der Mann akzeptiert ihre Abwehr gegen seine physische und psychische Übergriffigkeit  nicht, selbst als sie ihn ohrfeigt. Er setzt seine Bedürfnisse durch und lässt sie am Schluss wie ein Objekt zu Boden knallen. In Sekunden wandelt sich Tanz in eine sozialkritische Farce. Einr starke Sequenz. Final lässt Dominik White Slavkovsky in „Six Till Midnight“ elf Tänzer:innen auf einer Raveparty mehr oder weniger just for fun performen, wobei allerdings mehr die optisch kitschigen Gags als das tänzerische Niveau Akzente setzen.

„Next Generation“ Berlin – ein Signal für queere Beziehungen

Queerness scheint die künftige Choreografen- und Tanzgeneration stark zu beschäftigen. Shuailun Wu choreografiert und vertanzt mit Jack Easton in „The Interval“  die Innigkeit einer homosexuellen Beziehung.  Choreograf Olmo Verbeeck Martínez entwickelt aus den Erinnerungen zweier älterer, von Männern dominierten Frauen, ganz in Unschuldsweiß, deren lesbisches Verhältnis. Umrahmt von vier ernsten, dunkel gekleideten Mädchen projiziert „Heute ist schon Gestern“ gekonnt die düstere Stimmung von Frederico García Lorcas „Bernarda Albas Haus“ von den Töchtern auf die Mütter. Das ist ausbaufähig.

„Next Generation“ Berlin weitet auf ethnischen Tanz 

Ein absolutes Highlight ist der Gastauftritt von Daf-Musikerin Vincent Bahar und Vivian Assal Koohnavard, die ihre Choreografie selbst vertanzt. Über das Projekt „Immanent Mechanics“ erforschen beide die Wechselwirkungen von Sufi-Rhythmen und Samá-Bewegungen. In endlosen Derwischdrehungen verwandelt sich Klang in Bewegung und die Bewegung in rin spirituelles Ritual als Suche nach der Freiheit, die sich im Schwingen des weiten schwarzen Tellerrocks andeutet, aber immer wieder verschwindet.

Resümee: „Next Generation“ Berlin – ein wichtiges Format

Das Format „Next Generation“ in Berlin gibt einen guten, sehr differenzierten Überblick über die künftigen Talente. Das Niveau ist bemerkenswert. Den Künstler:innen bietet dieses Format wichtige Erfahrungen auf der Bühne. Die Zuschauer blicken über den Tellerrand des persönlichen Geschmacks, sehen, was darüber hinaus alles möglich ist, und werden neugierig, welchen Weg ihre Favoriten einschlagen.