©Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Foto: Reinhardt Sommer
Inselromantik kombiniert mit einem kleinen Schloss und Gartenanlagen realisierte…
der preußische König Friedrich Wilhelm II. Ende des 18. Jahrhunderts für sich und seine Geliebte Wilhelmine Enke, Gräfin von Lichtenau. Im Sinne des damaligen Zeitgeistes wollte er weg von der Symmetrie des Barocks, hin zu mehr Natürlichkeit. Nach englischen und französischen Vorbildern ließ er 1794/95 gleichzeitig ein Lustschlösschen und eine Meierei im „pittoresken Ruinenstil“ in rustikaler verfallener Klosteroptik bauen. Der strahlend weiße Verputz ist den Sanierungsarbeiten geschuldet.
Nach Jean-Jacques Rousseaus Motto „Zurück zur Natur“ waren in jener Zeit „Schmuckbauernhöfe“ en vogue, in denen der Adel seine stilisierten Vorstellungen vom einfachen Leben fern vom höfischen Zeremoniell realisierte. Im Erdgeschoss der Meierei befindet sich ein Stall, in dem Milchkühe untergebracht waren, die von den Majestäten persönlich gemolken wurden. In der Molkenstube schlug die Gräfin von Lichtennau selbst den Milchrahm zu Butter. Man ließ Landschaftsgärten anlegen. Inspiriert und fasziniert von der Entdeckung der Südsee-Inseln beheimatete man exotische Bäume und Tiere, v. a. unterschiedliche Pfauenarten, denen die 67 Hektar große Insel ihren Namen verdankt.
König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise verwandelten die Insel in eine „Ornamental Farm“. Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné legte malerische Landschaftsparks und den ältesten Rosengarten Berlins an. Bis auf die Pfauen wurden die Tiere 1842 dem Berliner Zoologischen Garten übergeben.
Weil die Pfaueninsel heute noch ein Gesamtkunstwerk von Architektur, Gartenkunst, Tierhaltung und inszenierter Geschichte ist, wurde sie im Rahmen der „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ zu UNESCO- Weltkulturerbe erklärt.
Die Natur wirkt trotz aller Komposition frei und natürlich. Die Architektur fügt sich verstreut stimmungsvoll ein, ohne zu dominieren , sondern um Emotionen zu wecken. Ohne Brücke, nur mit der Fähre erreichbar und zu Fuß erlebbar verlangsamt sich auf der Insel das individuelle Tempo.
Um den Zauber der Insel erleben zu können, macht man sich am besten so auf den Weg, dass man mit der ersten Fähre um 10 Uhr morgens die Insel erreicht. Schon die Anreise mit einem historischen Bus ist ein Erlebnis. Wenn man Glück hat, trifft man an der Anlegestelle auf einen possierlichen jungen Fuchs, den die Fotoshootings der Touristen überhaupt nicht stören. Bei einem zweieinhalb Kilometer langen Rundweg mit wunderschönen Ausblicken kann man Natur ohne Verkehrslärm genießen.
Die Fähre fährt alle 15 Minuten, der Bus kommt allerdings nur einmal pro Stunde. Wer nicht so lange warten will, kann am Ufer entlang spazieren und in etwa einer Stunde die S-Bahn am Wannsee nehmen.
Die Tickets für die Fähre, 6 € pro Person, können nur mit Karte bezahlt werden. Für Besucher, die dieses kleine Paradies in Großstadtnähe öfter genießen wollen, lohnt sich eine Jahreskarte oder die große Jahreskarte der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG).












