©Staatsoper München, ©Geoffroy Schied
Regisseurin Wysocka und Dirigent Maurizio Benini überraschen an der Münchner Staatsoper mit einer „Rigoletto“-Version mit klarer Anspielung auf die Epstein-Affäre. Durch das effektvolle Bühnenbild und den Männerchor in eleganten Anzügen als…
Multiplikation des sexbessenen Herzogs entdeckt Wysocka optisch, was Verdi, seiner Zeit geschuldet, nur über die Musik, aber nie auf der Bühne zeigen konnte – den Missbrauch der Macht für sexuelle Abenteuer.
Staatsoper München punktet mit starker Optik
Schon die Ouvertüre zieht in ihren Bann. Zu Verdis Totenmotiv ist Gilda im gleißenden Licht wie in einer eisernen Grabkammer zu betrachten. Sie malt Flügel an die Wand, in denen sich ihre Sehnsucht nach Freiheit spiegelt. Eine schwere Metallplatte schiebt sich als vierte Wand davor. Gleichzeitig baut sich eine schräge architektonische Landschaft auf, Raum für Upper-Class-Partys, später für den Sadomaso-Underground und raffiniert angeschnittene Video-Spiegelungen, die männliche sexuelle Triebhaftigkeit und weibliche Verführung, ohne obszön zu wirken, ästhetisch elegant sichtbar machen. So gewinnt Verdis „Rigoletto“, durch träge Inszenierungen oft als sehr konstruiert empfunden, in der Münchner Staatsoper eine unerwartete Brisanz.
Die unschuldige Gilda, Tochter des Hofnarren Rigoletto, wird zum Lustobjekt des Herzogs. Dieser wiederum ist nur die Eisbergspitze einer männerdominierten Gesellschaft, die die Frauen als Sexobjekt betrachtet. Das Netzwerk der Männer ermöglicht den Raub Gildas und die Ausbeutung der Frauen. Einige lassen sich auf das Spiel ein, gesellschaftlich dazuzugehören, andere wie Gilda und die Prostituierte Maddalena, fallen immer noch auf die Schönheit und Galanterie des Herzogs herein.
„Rigoletto“ – zwei hochkarätige Debüts
Die Staatsoper München präsentiert zwei Debüts. Zum ersten Mal ist der mongolische Bariton Ariunbaatar Ganbaatar, ein versierter Rigoletto-Darsteller in der Staatsoper München zu hören. Mit seinem fulminanten Stimmvolumen durchdringt er selbst das stärkste Fortissimo des Orchesters. Durch sein durchglühtes Timbre setzt er Rigoletto vor allem als besorgten Vater in Szene, weniger dessen gespaltene Persönlichkeit als verspotteter Hofnarr. Die spanische Sopranistin Serena Sáenz, lässt bei ihrem Rollendebüt aufhorchen. Klangschön, ausdrucksstark in der Dynamik, unangestrengt in den Höhen und überaus schwierigen Koloraturen enthüllt sie gesanglich und schauspielerisch Gildas jugendliche Unbescholtenheit. Im weißen Tüllrock scheint sie wie ein Engel abzuheben.
Der usbekische Tenor Bekhzod Davronov gab 2023 als Anatol Kuragin in „Krieg und Frieden“ sein Debüt an der Staatsoper München (www.schabel-kultur-blog.de). Er bringt einen galanten Herzog auf die Bühne, der alles bekommt, was er will. Sein smarter Tenor stellt den Frauenflüsterer in den Vordergrund und verbirgt den egozentrischen Machismo des Librettos „Lasst uns lieben, jeder wird mich um dich beneiden.“ Fulminant singt und agiert der Chor der Bayerischen Staatsoper.
Wermutstropfen – Maurizio Beninis traditionelles Dirigat
Das Orchester darf unter dem Dirigat von Maurizio Benini wogen und stürmen, folkloristisch auf die Pauke hauen, immer wieder die volle Breite der Dynamik ohne Rücksicht auf die Sänger ausloten, was die harmonische Balance erheblich beeinträchtigt. Schade!
Resümee: Trotz dieser Dysbalancen ist dieser „Rigoletto“ konzeptionell und optisch eine spannende Produktion, die im Repertoire ein breites Publikum ansprechen wird, weil diese Version ein grundlegendes Problem unserer Zeit anspricht. Im häufigen Zwischenapplaus während der besuchten zweiten Aufführung spiegelte sich die Begeisterung für die Sänger. Für einen euphorischen Applaus fehlte die orchestrale Feindosierung.
| Künstlerisches Team: | Musikalische Leitung | Maurizio Benini |
| Inszenierung | Barbara Wysocka | |
| Bühne | Barbara Hanicka | |
| Kostüme | Julia Kornacka | |
| Licht | Marc Heinz | |
| Chor | Christoph Heil | |
| Dramaturgie | Malte Krasting | |
| Mit: | Bekhzo Davronov, Ariunbaatar Ganbaater, Serena Sàenz, Riccardo Fassi, Elmina Hasan, Shannon Keegan, Martin Snelll, Thomas Mole, Granit Musliu, Roman Chabaranok, Nontobeko, Daniel Vening, Lucy Altus, dem Bayerischen Staatsorchester dem Bayerischen Staatsopernchor und der Bayerischen Statisterie | |










