©Tipi am Kanzleramt, Foto: Braun
Paul Linckes Kult-Operette „Frau Luna“ – immer noch ein Showerlebnis in Berlin im Tipi am Kanzleramt
Wer ins Berliner Milieu der 1920er Jahren abtauchen will, darf sich Paul Linckes Kultoperette „Frau Luna“ nicht entgehen lassen. Wenn sich…
der schwarze Glitzervorhang hebt, feiert vor Pappkulissen in strenger schwarz-weiß-grau-Optik Berliner Kleinbürgermief fröhliche Urständ. Witwe Pusebach dominiert ihre Untermieter. Ein Stockschirm wird ihr Degen. Für die Hirngespinste Fritz Steppkes, eines Stratosphären-Expressballon-Bastlers, hat sie überhaupt kein Verständnis, aber als er mit seinen beiden Kumpeln Richtung Mond startet, hängt sie sich im wahrsten Sinne des Wortes an und alle vier schweben über die Wolkenkulisse hinweg als witziges Minimodell in das funkelnde Reich von Frau Luna. Dort reisen gerade die Planeten Venus, Mars und Prinz Sternschnuppe an. Haushofmeister Theophil hat alle Hände voll zu tun, die sich verkomplizierenden Liebesbeziehungen in die richtige Bahn zu lenken.
Es wird flott gesungen, burlesk gespielt und grimassiert, berlinert und in Paarreimen ironisiert, gezappelt, gehüpft und getanzt, posiert und poussiert, nicht nur auf der Bühne, sondern auch, zum Gaudium des Publikums, quer durch die Publikumsreihen. Sieben Revuegirls sorgen in immer neuen originellen Outfits und Perücken, als Elfen, Polizistinnen und Hofdamen für spektakuläre Auftritte, synchrone Revue-Nummern und glamouröse Standbilder.
Das Orchester, die Berliner Mondharmoniker, dezent neben der Bühne, untermalt kraftvoll, feuert gassenhauerisch an, Ja „das macht die Berliner Luft, Luft Luft“, die das Leben auf dem Mond plötzlich so befeuert und immer wieder die große Diskrepanz zwischen Größenwahn und mangelnden Sachverstand ironisiert. „Wann ma was können, dann das Organisieren“, so Steppke. Lauthalses Gelächter im Publikum beweist, wie gut die Pointen zünden. Da oben im Himmel wollen die Berliner allerdings nicht bleiben, nur „kieken“, Die Liebe ist wichtiger als der technische Fortschritt – wenigstens in der Show.
2016 präsentierte das Tipi am Kanzleramt „Frau Luna“ in einer stilsicher antiquierten Eigeninszenierung unter der Regie Bernd Mottls. Sie basiert auf Linckes Endversion von 1922, in der er, im Gegensatz zu seiner Uraufführung 1899, durch seine berühmten Lieder „Schenk mir doch ein bisschen Liebe“, „Schlösser, die im Monde liegen“ und dem Leitmotiv „Das macht die Berliner Luft“ der Revue noch mehr Raum schenkte, die das Ensemble in witzigen Kostümen mit individuellem Charme und gestyltem Gehabe herzerfrischend als queere Show in Szene setzt. Det ist Berlin.
Akzente setzen Christoph Marti (Frau Pusebach), Max Gertsch (Pannecke), Tobias Bonö (Haushofmeister Theophil) Andreja Schneider (Frau Luna), die als Musikkabarett „Geschwister Pfister“ bekannt sind.
Künstlerisches Team: Bernd Mottl (Regie), Johannes Roloff (Arrangements, musikalische Leitung), Friedrich Eggert (Bühnenbild), Heike Seidler (Kostüme), Christopher Tölle (Choreografie) Lutz Deisinger (Künstlerische Gesamtverantwortung)
Mit: Andreja Schneider (Frau Luna), Gustav Peter Wöhler (Prinz Sternschnuppe), Franziska Traub (Stella, Lunas Zofe), Tobias Bonn (Theophil, Haushofmeister auf dem Mond), Christoph Marti, Ades Zabel (Frau Pusebach, Witwe), Sharon Brauner (Marie, Nichte), Benedikt Eichhorn (Fritz Steppke, Mechaniker), Merten Schroedter (Lämmermeier, Schneider), Max Gertsch (Pannecke, Steuerbeamter a. D.), Cora Frost (Venus), Theo Rüster (Mars), Ades Zabel, Fausto Israel (Frl. Groom) und den Berliner Mondharmonikern












