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Igor Levit gilt als einer der besten Pianisten. Mit großartigen Konzerten sorgte er weltweit für Furore. Durch seine Wohnzimmerkonzerte während der Coronazeit verhalf er den Menschen, den Zauber der klassischen Musik zu entdecken. Egal, wo Igor Levit auftritt, die Menschen sind begeistert. Wie gelingt ihm das?…
Schon die Programme bestechen durch ihre thematische Tiefenschärfe, weg von einem Potpourri mit populären klassischen Stücken mit hohem Wiedererkennungswert, die automatisch für Applaus sorgen, hin zu subtilen Stücken zwischen einfachen Melodien und rauschhafter Komplexität, deren klangliche Schönheit Levit durch seine brillante Technik und seinen kernigen Anschlag ausdrucksstark entfaltet.
Regensburg – ein romantisches Programm ohne Sentimentalitäten
Im Audimax Regensburg konzentrierte sich Levit auf drei Stücke aus der Romantik: die „Klaviersonate Nr. 21 B-Dur, D 960“ (1828) von Franz Schubert, die „Nachtstücke, op. 23“ (1839) von Robert Schuhmann und Frédéric Chopins „Klaviersonate Nr. 3 h-Moll, op. 58“ (1844).
Levit nimmt Platz, konzentriert sich, beginnt leise, setzt eine Pause, was durch die exzellente Akustik des Audimax, überaus beeindruckend zur Wirkung kommt. Man spürt vom ersten Anschlag von Schuberts „Klaviersonate Nr. 21“, wie er jedem Ton eine Aura verleiht. Der leise Ton, der zum Hinhören zwingt, scheint Levits Botschaft bei diesem Konzert zu sein. Dabei baute sich im Regensburger Audimax eine derart tonale Spannung auf, die bei Schuberts „Scherzo“ schlagartig das Hustenkonzert des Publikums verstummen ließ.
Ganz schlicht, ohne pathetische Gestik neigt Levit seinen Kopf zu den Tasten in inniger Verbindung zu den Klangwelten Schuberts, Schumanns und Chopins, ohne ins Sentimentale oder in narrative Tonklischees abzurutschen. Levit lässt die Aura des Klangs erleben, wobei seine Differenzierung im Pianissimo immer wieder überraschte.
Levits Klangkultur – seine besondere Art der Interpretation
Levit ist ein Sucher, forscht nach den Facetten des Klangs. Ganz klar schlägt er die Töne an, zuweilen mit der Wirkung eines kontemplativen Gongs. Durch deutlich abgesetzte Pausen gibt Levit dem Ton Resonanzraum und Nachhall. Durch die Stille baut sich eine erwartungsvolle Haltung auf das Folgende auf, wobei kompositorische Wiederholungsstrukturen in immer neuen Facetten aufleuchten. Verlangsamung wird vor allem bei Schubert zum Mittel klanglicher Intensivierung. Schuberts dunkle Triller wirken bei Levit nicht romantisch, sondern als tonale Kontrapunkte, während die hellen Töne dahinperlen.
In Schumanns „Nachtstücken“ lotet Levit die vorgegebene Dynamik aus. Er entwickelt kraftvolle Crescendi und überaus zarte Decrescendi oder ändert ganz abrupt die Dynamik, um die tonalen Kontraste auszuloten und neue Klangerlebnisse zu eröffnen, nicht als atmosphärische Narrative, sondern als meditative Entspannung, was in der Einfachheit des finalen „Ad libitum“ besonders deutlich wird.
Chopins fulminante, sich düster zusammenbrauenden Klangkaskaden hellt Levit beim Konzert in Regensburg durch auratische Tonhelle auf. Es geht ihm auch hier nicht um klangliche Effekthascherei, sondern um eine zutiefst ernste Auseinandersetzung mit Klangwirkungen, wodurch Chopins kühne Modulationen und orchestrale Weitung im Regensburger Audimax zum Musikerlebnis werden und gleichzeitig Levits faszinierende Virtuosität zur Wirkung kommt.
Standing Ovations beim Konzert im Regensburger Audimax
Standing Ovations zeigen, wie Levit mit seinen analytischen Interpretationen das Publikum begeistern kann. Er bedankt sich bescheiden mit einer kurzen leisen Melodie bei den fast 1500 Zuhörern, die gerne, aber vergebens noch eine zweite Zugabe zu erklatschen hofften. Doch Igor Levits Strategie ist richtig. Das Konzert an sich soll wirken und nicht vom Zugabenrausch überdeckt werden.
Das Konzert fand am 28. Februar 2026 im Regensburger Audimax in der Reihe „Odeon Concerte – Weltstars in Regensburg“ statt.











