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Berlin – spannendes „Konzert zum Jahreswechsel“ – mit Joanna Mallwitz und Pekka Kuusisto im Konzerthaus

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Berlin – spannendes „Konzert zum Jahreswechsel“ – mit Joanna Mallwitz und Pekka Kuusisto im Konzerthaus

©Michaela Schabel

So rasant dirigiert ist Wagners Ouvertüre „Der fliegende Holländer“ selten zu hören. Joanna Mallwitz, Intendantin des Berliner Konzerthauses, hat sich…

als leidenschaftliche Dirigentin und begeisternde Moderatorin ihrer Konzerte eine große Fangemeinde aufgebaut und begeistert das Publikum immer wieder mit ungewöhnlichen Programmen, einer Mischung aus klassischen Highlights und neuen Kompostionen. 

Beim diesjährigen „Konzert zum Jahreswechsel“ schickte sie die Zuhörer auf eine faszinierende musikalische Reise quer über Meere und Flüsse. Gekonnt kontrastiert Mallwitz Wagners hochromantische, im nordischen Skagerrak sturmtobende Ouvertüre mit den aufleuchtenden Liebesmotiven des „Fliegenden Holländers“ mit Bryce Dessners (*1976) faszinierendem „Konzert für Violine und Orchester“. Beide Komponisten wurden durch persönliche Erlebnisse inspiriert. Wagner erlebte schwere Stürme und Seenot auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Dessners Kompostion ist durchwirkt von den Impressionen seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela. In Wiederholungsstrukturen, dem Wechsel von Orchester und Streichern, spiegeln sich die ähnlichen Erlebnisse der zahlreichen Pilger, in den Soli, von Pekka Kuusisto hervorragend interpretiert, die indivuelle Verdichtung. 

Wie ein irrlichternder Bienenschwarm vibrierten die Streicher. Kuusisto fügte sich ein, strahlte heraus, trieb das ohnehin schon überaus rasante Tempo hochvirtuos an und fand in lyrischen Linien seinen Weg, die zuweilen Filmmusik assoziieren ließen. Er lotete die Tondifferenzen bis zum äußersten aus, ließ Töne als Ausdruck innerer Gefühle zwitschern, knarren, knarzen, während das Orchester energetisch flirrte. Dazwischen wurden naturatmosphärische Akzente als Ausdruck seelischer Erregung hörbar, intensiviert durch Kontrabässe, Celli und Schlagwerk. 

Das Publikum erklatschte eine Zugabe, bei der Kuusisto seine poetische Seite in den Mittelpunkt rückte. Seidenweiche Töne entlockt er seiner Antonio-Stradivari „ex-Sanders“ und zauberte aus einem kleinen Motiv schillernde Klangfarben. 

Nach der Pause ging die Reise weiter mit Edvard Griegs Suite aus der Bühnenmusik zu Henrik Ibsens „Peer Gynt“, mit Felix Mendelssohn Bartholdys „Die Hebriden“ und Bedřich Smetanas „Die Moldau“. Dabei lotete Mallwitz’ energetisches Dirigat jede Komposition, vor allem bezüglich Tempo und Dynamik, ungewöhnlich weit aus. Trotz der fulminanten Crescendi stand die Klangharmonie im Vordergrund, gelangen überraschend subtile Decrescendi. Die Solisten, insbesondere Oboe, Querflöte, Fagott und Harfe setzten lyrische Akzente. Bläser und Schlagwerk glänzen durch fulminante Einsätze.

Durch die drei populären Zugaben, Johann Strauß’ „Tritsch-Tratsch“- und „Pizzicato Polka“, getoppt vom „Radetzky-Marsch“ zum Mitklatschen, sorgte Mallwitz gekonnt für einen vergnüglichen Abschluss bzw. Einstieg in die Silvesternacht.