"Kultur macht glücklich"


„Rental Family“ – Worauf es im Leben ankommt

Veröffentlicht am:

von

„Rental Family“ – Worauf es im Leben ankommt

©Walt Disney Company

Was tun, wenn zwei Lesben im sittenstrengen Japan heiraten wollen, wenn der Schulwechsel nur durch einen präsenten Papa sichergestellt ist und die Tochter eines berühmten, inzwischen sehr alten Schauspielers ihren Vater vor der beginnenden Demenz schützen will? Man wendet sich an…

„Rental Family“, eine Leihfamilien-Agentur in Tokio. Phillip, ein begabter amerikanischer Schauspieler, steht hoch im Kurs, fehlende Familienmitglieder zu ersetzen. Mit der S-Bahn jagt er von einem Job zum anderen, ist immer in außerordentlichen, picobello sauberen Locations. Tokios nächtliche Silhouette glitzert in angenehm warmen Farben, doch der Blick von der eigenen Etagenwohnung in andere Appartements macht die Einsamkeit Phillips bewusst. Manchmal trifft er sich mit seiner Kollegin in einer Bar, doch danach geht jeder alleine nach Hause. Seine einzige Freundin, der er von sich erzählt, ist eine Prostituierte, die beider Gemeinsamkeiten, scherzend im Schaumbad ,genau auf den Punkt bringt. Sie hilft sexuell, er emotional.

Doch Phillip wird sein Ethos zu helfen, immer mehr zum Verhängnis. In der Vaterrolle für die kleine Mia beginnt er zu fühlen, wie lieb er dieses Kind gewinnt. Rolle und Realität verwischen, ebenso die Beziehung zu einem alten Schauspieler, dem er in Erinnerung an versäumte Zuwendung zu seinem Vater Wünsche erfüllt, die die Grenzen des Auftrags der Tochter überschreiten. Dadurch bekommt der Film final noch dramaturgische Spannung. Gleichzeitig leuchtet die spirituelle Stärke des japanischen Shintōismus kurz auf und durch Enthüllungen des Agenturteams gelingt eine witzige Schlusspointe – natürlich mit allseitigem Happyend und der Botschaft, was letztendlich im Leben wirklich zählt, sind die emotionalen Beziehungen. 

Das klingt nach harmloser Unterhaltung und ist es auch, inklusive des ironischen Kontrasts japanischer Verbeugungs- und amerikanischer Umarmungskultur. Den Film trägt vor allem die schauspielerische Präsenz von Brendan Fraser als Phillip. Durch seine facettenreiche Mimik und seine natürliche Persönlichkeit macht er die kontroversen Gefühlswelten seiner Rollenaufträge authentisch erlebbar. Immer wieder überrascht er durch sein Können, spontan emotionale Nähe herzustellen. Shannon Mahina Gorman erobert mit kindlichem Charme und rebellisch beherztem Mut als Mia nicht nur  ihren Leihpapa, sondern auch das Publikum. Sie wurde als beste Nachwuchsschauspielerin für die „Critics’ Choice Movie Awards 2026“ nominiert.

Regisseurin Hikari zeigt allerdings nur die Schokoladenseite, mit der Japan sich selbst vermarktet. Gesellschaftliche Probleme werden ohne Tiefgang nur angedeutet und mit Witz und makellosen Umgangsformen überspielt. Ganz typisch ist Mias Schulwechsel. Ihre leibliche Mutter instruiert und probt das Gespräch mit der Schulleitung bis ins kleinste Detail. Doch erst als Phillip auf deren Fragen spontan die Qualitäten Mias anspricht und, völlig ungewöhnlich in diesem Rahmen, durch Fotos belegt, fühlt man, dass das Eis bricht und Mias Übertritt gesichert ist. So konfliktfrei, wie hier alle Probleme gelöst werden, verweist der Film ins balsamisch Sentimentale.

„Rental Family“ ist im Grunde eine Heile-Welt-Film, in der sich alle Probleme durch emotionale Nähe auflösen, gleichzeitig eine Hommage an Japan zwischen High-Tech-Metropole und Kirschblüten-Ästhetik. Die zahlreichen Nominierungen zeigen, dass diese optimistische Sicht der Dinge beim Publikum bestens anzukommen scheint. Beim „Savannah Film Festival 2025“ wurde „Rental Family“ zweitplazierter Film beim Publikumspreis.

Wesentlich tiefgründiger und irritierender setzt „Pfau – Bin ich echt?“ mit Albrecht Schuch die Problematik von Leihschauspielern um (https://schabel-kultur-blog.de/kino/bernhard-wengers-langfilmdebuet-pfau-bin-ich-echt-eine-gelungene-satire-unseres-designten-lebensstils/).

Künstlerisches Team: Hikari, Misuyo Miyazaki  (Drehbuch, Regie), Stephen Blahut (Drebuch), Jón Pór Birgisson, Alex Somers (Musik), Takuró Ishizaka, (Kamera), Thomas A. Krueger (Schnitt)

Mit: Brendan Fraser, Mari Yamamoto, Takehiro Hira, Akira Emoto, Shannon Mahina Gorman