"Kultur macht glücklich"


Markus Schleinzer — „Rose“ – als Frauen in Männerkleidung noch hingerichtet wurden

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Markus Schleinzer — „Rose“ – als Frauen in Männerkleidung noch hingerichtet wurden

©Berlinale

Ausrauchende verbrannte Äcker, Knochenfelder und schon ist man mitten im  Dreißigjährigen Krieg. Nach zehn Jahren Soldatendasein will Rose sesshaft werden, Teil einer Gesellschaft sein.  Die Dorfbewohner reagieren…

skeptisch. Für ein Land zu kämpfen ist anders, als mit dem Land. Doch nach einem Leben unter Zwang, Not und Armut traut sich Rose zu, Bauer zu werden und sich mit aller Energie einen Platz in der Gemeinschaft zu erarbeiten. Beim Sturm birgt er die Schafe der anderen auf seinem Hof. Als er mutig einen Bären erlegt, wird er zum Helden stilisiert. Als er Wasser braucht. bekommt er vom Großbauern zwar nicht den Bach, aber ein Nutzungsrecht, wenn Rose Suzanna, die älteste seiner fünf Töchter heiratet. Damit beginnen die Probleme, denn Rose ist eine Frau. 

Der Schwiegervater drängt aus Nachwuchs. Der stellt sich sonderbarerweise ein, weil auch Suzanna ein Geheimnis in sich trägt. Als Rose durch Bienenstiche zusammenbricht, ihm Suzanna die Hosen auszieht, entdeckt sie dessen Weiblichkeit. Sie sprechen sich aus, suchen nach einem Weg gemeinsam weiterzuleben. Das gegenseitige Vertrauen wächst. Sie gehen aufrechter, fühlen sich freier. Ihre Zukunftsträume platzen, als eine Magd, die bei Roses Ohnmacht mithalf, Rose im Dorf bloßstellt. Beide Frauen werden eingekerkert und zum Tod verurteilt.

Rose ist eines von zig Schicksalen im 17. Jahrhundert. Jegliche Abweichung von den festgelegten Rollen von Mann und Frau wurde durch ein Todesurteil  bestraft.. 

Regisseur Markus Schleinzer zeigt das historische Drama entgegen dem üblichen Farbrausch historischer Filme, ganz bewusst in Schwarz-Weiß, was den harten Existenzkampf der damaligen Zeit hervorhebt und gleichzeitig die Kontraste zwischen Frauenmund Männern. In langen Einstellungen fokussiert die Kamera  aus weiter Entfernung immer wieder auf den Hof, der sich, völlig heruntergekommen, in ein ordentliches, nachts beleuchtetes Haus verwandelt. Eine etwas betuliche Erzählstimme reflektiert immer wieder, die Ziele Roses, warnt vor Gier durch Erfolg, was aber gar nicht so recht zur Geschichte passen will, da Rose zwar ehrgeizig ist, sie aber mit ihrem Identitätstausch keine bösen Absichten verfolgt, sondern nur unter besseren Bedingungen leben will, wofür sich sich entsprechend anstrengt. 

Sandra Hüller, die schon als Hamlet am Schauspielhaus Bochum für Furore sorgte, schlüpft souverän in die Männerrolle. Die Maske vermännlicht sie durch einen verschobenen Gesichtsausdruck infolge eines Streifschusses und durch ein enges wattiertes Wams. Mit Caro Braun als Suzanna gelingt ein adäquates Gegenüber. Wenn sie singt, gibt sie dieser Figur einen mädchenhaften Zauber, andererseits kann sie wie eine Bäuerin hart anpacken. Der Film lebt von der Schauspielkunst dieser beiden Frauen. Doch durch die gespreizte Sprache und die erzählerische Distanz bleibt er wie der Ochsenkarren im Schlamm zuweilen stecken. Das ist historisch gesehen durchaus gelungen, aber filmisch nicht berührend. 

Künstlerisches Team: Markus Schleinzer (Drebuch, Regie), Alexander Brom (Drehbuch), Gerald Kerkletz (Chef-Kameramann), Monika Willi (Chef-Cutterin)

Mit: Sandra Hüller, Caro Braun, Maria Growaldt

Der Film kommt Ende April in die deutschen Kinos.