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Luzia Schmids Filmporträt „Ich will alles – Hildegard Knef – Rote Rosen für die Sünderin“

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Luzia Schmids Filmporträt „Ich will alles – Hildegard Knef – Rote Rosen für die Sünderin“

©Privatarchiv Hildegard Knef

Hildegard Knef (1925-2002) war eine Ausnahmekünstlerin mit einzigartigem Charisma. Jetzt kommt mit Luzia Schmids Filmporträt „Ich will alles – Hildegard Knef“,…

der fünfte Dokumentarfilm über sie ins Kino, eine Hommage anlässlich ihres 100. Geburtstags, den sie am 28. Dezember gefeiert hätte. Treffsicher beginnt Luzia Schmids dokumentarisches Porträt mit Knefs größtem Song. „Mit 16 sagte ich still, ich will…will alles oder nichts… nicht allein sein und doch frei sein…

für mich soll`s rote Rosen regnen“. Es ist der Song, der sie am besten charakterisiert. In einem Interview unterstreicht sie. „Ich habe Ehrgeiz. Ich werde ihn behalten.“ Sie hat ihn behalten bis an ihr Lebensende. 

Ganz traditionell macht Schmid über selten gezeigtes Archivmaterial, historische Interviews und aktuelle Statements von Tochter Christina Palastanga aus zweiter Ehe und Knefs drittem Mann Paul von Schell ein facettenreiches Porträt, das hinter dem Glamour v.a. die Schattenseiten einer 60-jährigen Karriere beleuchtet. Dabei spiegelt Knefs Lebensweg stellenweise immer wieder die traumatisierte Lage der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg. Schon als Teenager stand sie im Rampenlicht der Medien, wurde als Star mit der rauchigen Stimme bejubelt und gleichzeitig wegen ihres Verhältnisses mit dem Reichsfilmdramaturgen Ewald Demandowsky als „nationale Schlampe“ angeprangert.

Das umfangreiche Privatarchiv, das Luzia Schmid zur Verfügung stand, ermöglicht Einsichten in Knefs berufliches Schaffen und ihre privaten Probleme, die sie nicht versteckte, sondern in Interviews öffentlich kommentierte. Knefs Leben offeriert sich als Achterbahn der Gefühle. Einer Traumkarriere in der Jugend folgte trotz Hollywood-Vertrags Arbeitslosigkeit in den USA, dann ein begeisterter Empfang bei der Rückkehr nach Deutschland, der von der Angst vor zu großen Vorschusslorbeeren und zu hohen Erwartungshaltungen überschattet wurde. 

Der mediale Druck vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Wegen ihrer Krebskrankheit, Scheidung, dann durch die Heirat mit dem 15 Jahre jüngeren von Schell aus altem österreichischen Adel und durch ihre Schönheitsoperation war sie immer wieder auf den Titelseiten der deutschen Boulevard-Presse zu sehen. Knef selbst kommentiert ihr Leben sehr selbstkritisch, was sie sehr sympathisch macht. Distanziert, aber respektvoll spricht Christina Palastanga über ihr Verhältnis zur Mutter. „Zuhause herrschte immer Arbeitsstimmung“ und später „wurde die Krankheit zur Gewohnheit gemacht.“ Es kam noch schlimmer. Knef wurde tabletten- und morphiumsüchtig, aber sie gab nie auf, startete eine zweite Karriere als Autorin. Mit ihrem autobiografischen Debütroman „Der geschenkte Gaul“ landete sie einen Bestseller, aus dem Nina Kunzenberg aus dem Off immer wieder Textpassagen vorliest. Nach einer Schönheitsoperation beginnt Knef wieder zu singen, bewundert von ihrem dritten Mann und ihren Fans.

Die ungewöhnliche Energie, die sich Hildegard Knef bis ins Alter bewahrte, beeindruckt. Sie war zweifelsohne eine ganz außerordentliche und mutige Frau, die sich von Schicksalsschlägen nicht beirren ließ. Final regnet es zwar keine „Rote Rosen für die Sünderin“, so der Untertitel, aber der Song von ihr im hohen Alter interpretiert hat nichts von seiner Wirkung verloren, vielmehr eine melancholische Note dazu gewonnen.

„Ich will alles – Hildegard Knef – Rote Rosen für die Sünderin“ ist ab morgen, 3. April, in den deutschen Kinos zu sehen.

Künstlerisches Team: Luzia Schmid (Drehbuch, Regie), Hajo Schomerus (Kamera), Yana Hönerbach (Schnitt) 

Mit: Christina Palastanga, Paul von Schell, Nina Kunzenberg (Sprecherin der Romanausschnitte)