"Kultur macht glücklich"


Július Koller im Rupertinum Salzburg: Kritik zur Ausstellung „U.F.O.-naut J.K.“ (2026)

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Július Koller im Rupertinum Salzburg: Kritik zur Ausstellung „U.F.O.-naut J.K.“ (2026)

©Július Koller

Július Koller im Rupertinum Salzburg: Kritik zur Ausstellung „U.F.O.-naut J.K.“ (2026)

Was steckt hinter der Ausstellung „Július Koller. U.F.O.-naut J.K.“, die im Museum der Moderne Museum Salzburg bis 14. Juni 2026 zu sehen ist? Warum wurde Július Koller (*1939) zu einem der wichtigsten slowakischen Künstler:innen der Nachkriegszeit?… 

Július Koller erklärte den Alltag zur Kunst. Es ging ihm nicht darum, materielle Kunstwerke zu machen, sondern eine kulturelle Haltung zu zeigen. In einfachen, alltäglichen Situationen suchte er nach einer neuen Form des Bewusstseins und der Kommunikation und entwickelte daraus das Konzept der „kulturellen Situationen“, womit er das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft hinterfragte. Daraus ergaben sich in der autoritär geführten Slowakei in den 1960er-Jahren sehr gesellschafts- und systemkritische Hinterfragungen, die er in den 1970er-Jahren durch eine ethische und ökologische verantwortungsvolle Weltsicht erweiterte. Der Mensch ist für ihn nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern nur ein Teil im Kosmos. 

Július Koller: Was bedeutet „U.F.O.-naut J.K.“

Daraus entstand sein Kürzel „U.F.O.-naut“. Es steht für universell-kulturelle Operationen auf einer Reise durch Zeit und Raum. Was ziemlich abgehoben klingt, erschließt über Július Kollers skurrile Fotografien, 92 Arbeiten aus vier unterschiedlichen Werkgruppen aus der Sammlung Generali Foundation. Die nahezu lebenslange Porträtserie bildet den Kern von Julius Kollers Schaffen. Diese Selbstinszenierungen entstanden nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung des Prager Frühlings und reicht bis zur politischen Wende 1989 in eine marktwirtschaftlich geprägte Welt. Daraus ergaben sich weitere Perspektiven. Sport wurde für den sportbegeisterten Künstler, der selbst Tennis und Tischtennis spielte, zur Metapher der Demokratie bezüglich Fairness, Teamgeist und des Zusammenspiels von Körper und Geist. 

Antihappening als Kunstkonzept

Julius Kollers Interventionen sind keine inszenierten Happenings. Er bezeichnet sie als „Anti-Happinings“, aus wie beim Tennis der Ballwechsel ganz automatisch im Alltag erfolgen. Mit ganz unspektakulären Mitteln wie Postkarten, Telegrammen oder kurzen Aktionen veränderte er den Blick auf soziale Aktionen, die plötzlich eine anderes Bewusstsein forderten. 

Mit neuen Sprachbegriffen schärfte er die Wahrnehmung von Kunst. Das slowakische „umnie“ viel wie „Kunst/Nein“ oder „Nicht-Kunst“ wurde ein zentraler Begriff seines Schaffens. Mit Texten und Zeichnungen via Mail-Art-Netzen pflegte er zwischen West-, Osteuropa und Südamerika eine intensive Kommunikation als Form sozialer und künstlerischer Gemeinschaft.

Warum ist die Ausstellung im Rupertinum sehenswert?

„Július Koller. U.F.O.-naut J. K.“ ist eine kleine, informative Ausstellung. Sie

gibt einen guten Überblick über das Schaffen des slowakischen Künstlers, möglich durch die Dauerleihgabe der Sammlung Generali Foundation am Museum der Moderne Salzburg. Július Kollers Konzept überzeugt im Sinne einer pragmatischen Kunstbegriffes, bei dem jeder Mensch in die persönliche Verantwortung genommen wird und erhält durch die zunehmend autoritären Regierungssysteme an Aktualität. Gleichzeitig setzt sie im Rückblick einen interessanten Kontrapunkt zu den radikalen Kunst-Happenings des Wiener Aktionismus (//schabel-kultur-blog.de/ausstellung/salzburg-tell-me-what-you-see-skrein-photo-collection-im-museum-der-moderne/).

Info-Box

Ausstellungsdauerbis 14.Juni 2026
OrtRupertinum Salzburg
ThematikNicht-Kunst als Konzept
Bewertung⭐☆☆☆☆