©Dominik Lejman, Foto: Michaela Schabel
Eine gelungene Kombination von Kunst und Religion ist derzeit in der Matthäuskirche in Berlin zu erleben. Die Videobilder des…
polnischen Künstlers Dominik Lejman enthüllen passend zur Epiphaniaszeit, Gottes Erscheinen in der Welt, den Phantomcharakter der menschlichen Existenz zwischen Verschwinden und Wiedererscheinen. Lejman filmt Künstler:innen, die sich durch langsame Bewegungen vor schwarzem Hintergrund die im Titel angedeuteten Narrative weiterentwickeln. Sie bauen ihre Persönlichkeit auf und demontieren sie wieder, erheben sich aus der waagrechten Schlafposition und sinken wieder zurück oder knien, mit inquisitorischem Spitzhut die Enthauptung erwartend, während die Betrachter:innen über Live-Video ganz nah an das Geschehen rücken. „Der Philosoph“ sitzt auf dem Boden inmitten eines Berges von aufgeschlagenen Büchern, die ihn zu überdecken beginnen, wobei er immer kleiner wird. Der „Harnessed Swimmer“, der im Minipool angekettet nicht von der Stelle kommt, symbolisiert die Eingeengtheit menschlicher Existenz. Eine große, sich langsam aufblasende und in sich zusammensinkende Körperhülle über dem Altar lässt den eigenen Atem verlangsamen und führt zur psychischen Beruhigung.
In anderen Arbeiten enthüllt Lejman den Phantomcharakter der Sprache durch erscheinende und verschwindende Verszeilen anhand von Gedichten Howard Altmanns. „… Was wir vermissen, vergeht in Jahren. Wie wir vermissen, vergeht in Sekunden. Wo wir vermissen, gibt es keine Zeit. Warum wir vermissen, dauert bis in die Ewigkeit“.
Naturbilder ohne Bewegungsanimation, wie blauer Himmel zwischen dunklen Wolken, lassen die Freiheit der Bewertung zwischen optimistischer oder düsterer Weltsicht. Weitet sich das lichte Blau oder wird es durch die Energie der dunklen Wolken verschwinden? Lejman rückt die existenziellen Fragen des Menschseins in den Mittelpunkt seiner Kunst. Die Antworten bieten die Religionen. In diesem Spannungsfeld und im Rahmen eines vielseitigen Begleitprogramms wird Kunst zu einem ganz persönlichem, sinnlich wahrnehmbaren Erlebnis.
Die Ausstellung „Phantome“ ist dienstags bis sonntags von 11:00 – 18 Uhr in der Matthäuskirche noch bis zum 15. Februar 2026, zu sehen.












