Bis 05.06.2026
©Michaela Schabel
Im Gegensatz zu Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und Tschechien ist die Schweiz kein typisches Glasland. Das liegt zum großen Teil daran, dass…
es abgesehen von Kunstverglasung und Glasmalerei keine beruflichen Ausbildungswege gibt. Die Künstler müssen sich autodidaktisch oder im Ausland weiterbilden, wodurch Kontakte zum Bild-Werk Frauenau entstanden. So verwundert es nicht, dass in der Ausstellung „Ars Vitraria Helvetica – zeitgenössisches eidgenössisches Glas“ in erster Linie ungewöhnliche Einzelarbeiten zu sehen sind. Um keine der vier Hauptsprachen der Schweiz zu benachteiligen, wählte man einen lateinischen Titel, der zugleich Johan Kunckels „Ars vitraria experimentalis“ (1679) verweist, ein Standardwerk über die europäische Glasmacherei.
Robert Niederer (1928-1988) war Vorreiter der zeitgenössischen Glaskunstszene in der Schweiz. Er überreichte dem Frauenauer Glasmuseum anlässlich seiner Gründung 1975 ein Skulpturenensemble, vier amorphe, zipfelmützige Glasobjekte als symbolische Geste, um am Puls der Zeit internationale Glaskunst zu sammeln und auszustellen.
Wie sich die Schweizer Glasszene entwickelt hat, zeigt die jetzige Ausstellung durch über ein Dutzend unverwechselbare Handschriften im Vergleich zu Niederers Glasinstallation.
Priska Jakobs’ Glaswürfelobjekte „Bergseefrühling II“ und „Frühlingserwachen im Bergsee“ transformieren das Licht, das das Eis der Schweizer Bergwelt aufnimmt, in schimmernde Töne von transparent bis türkisblau. Jonas Noël Niedermann visualisiert seine Faszination für den Magnetismus, der den Schmelzprozess prägt. „Die inneren Formen ziehen Farbpartikel an, die auf der Außenhaut aufschlagen, zersplittern, verschmelzen… und schwebende Glasmoleküle auf ihrer Oberfläche hinterlassen.“ Seine freihandgeformten Objekte „Urushi“ und „Incandescente“ bestechen durch ihre formschöne, geheimnisvolle Ästhetik. Alltäglichen Gefäßen verleiht Veronika Suter durch ihren minimalistisch reduzierten Stil eine elegante, meditative Aura. Françoise Bollis Installation „Picotée“ („Gepunktet“) spielt mit den Schattenwirkungen eines freischwebenden Glasquadrats. Wenn Worte nicht mehr reichen, beginnt Daniel Gaemperle zu zeichnen. Mit Digital-Airbrush fängt er das subjektive Erleben auf Echtantikglas als Erinnerungsmöglichkeit in neuen Kontexten ein.
Einen guten Überblick gibt der Ausstellungskatalog, herausgegeben in der Schriftenreihe des Glasmuseums Frauenau, Band 29.
Im Kabinett sind gleichzeitig die Arbeiten von Alexandra Geyermann zu sehen. Sie visualisiert in ihren Glasbildern, kombiniert mit Fotografien oder Fundstücken „Frauen reisen – Lebensspuren graviert in Glas“. Es sind nostalgische Erinnerungen an vergessene Frauen, in denen weibliche Erfahrungen und die Vergänglichkeit des Lebens und des Waldes „wie er einmal war“, aufleuchten.
Die Ausstellungen sind noch bis zum 5. Juli im Glasmuseum Frauenau zu sehen.











