"Kultur macht glücklich"


Jonas Goebel – „Jesus, Füße runter! Meine schräge WG auf Reisen“ 

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Jonas Goebel – „Jesus, Füße runter! Meine schräge WG auf Reisen“ 

©Herder Verlag

Mit Jesus im Zug unterwegs, das ist schon eine verwegene Idee, nicht für Pfarrer und Autor Jonas Goebel. Unterhaltsam und witzig erzählt er…

in seinem neuen Jesus-Buch, wie die christliche Botschaft in unserer Gesellschaft ganz konkret realisiert werden kann, aber nicht in der üblichen moralisierenden Weise, sondern humorvoll aus lässigen Alltagssituationen während einer Interrailreise durch Europa. Aus zufälligen Begegnungen ergeben sich fröhliche Partys, Zockerabende, rasante Vespafahrten und ernsthafte Gespräche. 

 „Darf man so über Jesus schreiben? Ist das angemessen?“. Goebel bejaht, nicht alle Leser sehen das so. Aber Goebel argumentiert, Die Jünger Jesu haben sich in 2000 Jahren verändert. Goebel scheut kritische Bewertungen nicht, bittet ausdrücklich um Rückmeldungen und antwortet, soweit sie respektvoll formuliert sind. 

Was und wie er schreibt, ist sicher ein guter Ansatz, um jungen Menschen den Weg zu Gott zu veranschaulichen. Zu diesem Ziel bekennt sich Goebel wiederholt. Wenn es darum geht, negative Eigenschaften abzulegen, hilft Jesus, den Weg zu finden, um Verhaltensveränderungen zu bewirken, nicht für Jesus, sondern mit Jesus, vorausgesetzt, er ist als fiktiver Gesprächspartner immer dabei.

Auch wenn man den ersten Band „Jesus, die Milch ist alle – Als Jesus in der WG auftauchte“, nicht kennt, ist man sofort mitten im Geschehen. Jonas, der Ich-Erzähler, reist mit seiner Freundin Trixi und Jesus quer durch Europa von Istanbul über Sarajevo, Rom, Paris, London bis zu den Lofoten. In unterschiedlichsten Situationen inklusive Corona-Quarantäne führt Jesus vor, wie er die Ideen seines Vaters zu realisieren versucht, die Trixi ständig kritisch hinterfragt. Was haben Glücksspiele mit Beten gemeinsam? Sie werden nicht erfüllt, aber man muss es eben wie ein Torjäger mehrmals versuchen, damit man einen Treffer schießt.

Anderen zu helfen, ist die wichtigste Botschaft. Statt Geld zu geben teilt Jesus mit einem Obdachlosen seine Pizza in Italien und er überlässt ihm sein Glas Wein und beschenkt ihn dadurch mit einem Augenblick voller Respekt und Glück, woran er sich noch oft erinnern wird. Jonas und Trixi verstehen sofort die Symbolik. Es kommt nicht auf das Glas an, auch nicht auf die Qualität des Weins, sondern auf die Geste, die in dieser Situation steckt. Damit beantwortet Jesus die kritischen Fragen Trixis, die männliche Übergriffe im Rahmen der kirchlichen Institution erleiden musste, ohne Rückendeckung von deren Vertretern zu bekommen. Auch wenn die Institution Fehler macht, ist der Inhalt der Botschaft gut und wert, sie in die Welt hinauszutragen. Deshalb schenkt Jonas Trixi am Ende der Reise einen Verlobungsring mit drei Sternen. Jesus soll immer dabei sein. 

Man muss schon im christlichen Glauben verankert sein, um die Vorstellung eines Jesus als alltäglichen Begleiter und Gesprächspartner wertschätzen zu können. Dann ist dieses Buch nicht zuletzt durch die einfache, bildhafte Sprache und den Gegenwartsbezug für Kinder und Jugendliche eine interessante Lektüre.

Jonas Goebel, geb. 1989, ist Pastor der Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde Lohbrügge in Hamburg. Seine Auftritte auf Preacher-Slams, eine Predigtthema-Versteigerung auf ebay und sein Blog juhoma.de machten ihn sehr bekannt. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Digitalisierung der Gemeinden, der „Netflixisierung“ der Kirche und hat ein völlig neues Gottesdienst-Konzept entwickelt. Weitere Informationen und direkte Feedbackmöglichkeiten findet man unter www.jesus-wg.de. 

Jonas Goebel: Jesus, Füße runter! Meine schräge WG auf Reisen, Herder Verlag, Freiburg 2026,172 S.