"Kultur macht glücklich"


„Último helecho“ – Nina Laisné und François Chaignaud mit Nadja Larcher zu Gast bei „Performing Arts Season“ bei den Berliner Festspielen

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„Último helecho“ – Nina Laisné und François Chaignaud mit Nadja Larcher zu Gast bei „Performing Arts Season“ bei den Berliner Festspielen

©Thaïs Breton

Drei Barockposaunen und eine Theorbe künden von kolonialem Barock, Bandoneon, Trommel und Cajón von südamerikanischer Folklore. Der Sound bildet…

die Basis von „Último helecho“, einer magischen Performance im Rahmen der Berliner „Performing Arts Season“. Unter der Regie der französischen Videokünstlerin Nina Laisné taucht der Tänzer François Chaignaud mit der argentinischen Sängerin Nadia Larcher in die südamerikanische Mythologie ein. In bunten Kostümen, die aus der Distanz wie Bodypaintings wirken, teilweise mit skulpturalen Überwürfen in glühenden Rot- und Orangetönen verwandeln sich die beiden Künstler:innen in hybride Wesen. „Último helecho“, der „letzte Farn“, treibt neue Wurzeln aus, in denen die koloniale Vergangenheit und südamerikanische Folklore verschmelzen.

Das Bühnenbild unterstreicht die Archaik der Performance. Eine große dunkle Skulptur hebt sich vom leuchtenden Hintergrund ab, ist Höhle, zugleich Brunnen und über eine Treppe Plattform für die Musiker, deren Schatten sich inklusive der Musikinstrumente als markante Kontraste zum Horizont und den beiden Tänzer:innen absetzen. Barocke Tonstrukturen und Flamenco-Rasgueados, karibische Rhythmen und innovativer argentinischer Tango fusionieren und begeistern final als umgreifende Synthese einer multikulturellen Jazzsession in luftiger Höhe.

Unten auf dem Bühnenboden erwachen zwei hybride archaische Geschöpfe, die die musikalischen Fusionen vertanzen, darunter folkloristische Tänze wie die Chacarera und die elegantere Zamba aus Argentinien, mit Tüchern als zusätzliches Kommunikationsmittel getanzt, bis hin zu Huaynos aus dem Altiplano. Perkussive Stampfschritte und rhythmische Palmas lassen Flamenco, die Musik der spanischen Eroberer, assoziieren, wirken aber, eingebettet in die südamerikanische Kultur der Fiestas, viel fröhlicher, weniger komplex, wiewohl die Texte vom Leid und Tod der Menschen und ihres blinden Zustands erzählen. Doch die Lieder geben auch Mut. „Denn wenn das Herz/ Mit der Volksseele verschmilzt/ Gewinnst du an Ewigkeit/ während du an Namen verlierst.“

Entsprechend bleibt die tänzerische und sängerische Performance von „Último helecho“ auf einem einfachen Volksniveau. Sie vermittelt folkloristische Authentizität in leuchtend farbästhetischer Harmonie. Musik, Tanz und Kultur haben die gleichen Wurzeln, ist die Botschaft. Der Reiz liegt in gekonnten Fusionen und Weiterentwicklungen. Die Gegensätze zu überbrücken führt zur Aussöhnung.

Künstlerische Team: Nina Laisné (Regie, Szenografie, Musik), François Chaignaud (Choreografie, künstlerische Mitarbeit), Nadia Larcher (Musikberatung, künstlerische Mitarbeit)

Mit: François Chaignaud (Tänzer, Sänger), Nadia Larcher (Sängerin),Rémi Lécorché (Tenor-Barockposaune, Serpent, Flöte), Nicolas Vazquez (Tenor-Barockposaune, Percussion), Cyril Bernhard (Bass-Barockposaune, Wacrapuco), Jean-Baptiste Henry (Bandoneon), Daniel Zapico (Theorbe, Satchaguitarra), Vanesa García (traditionelle Percussion)