Berlin –  Tanz im August – Uraufführung von Deborah Hay „Animals on the beach & my choreographed body“

Tanzkritik von Deborah Hays "Animals on the beach" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Camille Blake

In gezirkelten Bewegungen, mit intensiven Blicken vermittelt sie  respektvolle Demut vor Himmel und Erde und ihrem eigenen Körper, der ihr immer noch viele Facetten der Lebensfreude ermöglicht. Die Arme weitgreifend, U- und S-förmig, die Hände gefaltet, die Finger gefiedert der Körper rechtwinklig gebeugt nach hinten überdehnt, verschraubt bewegt sie sich vorsichtig und behutsam, als Teil in der Natur in absoluter Stille. Ausdruck ihrer Freude wird ihre Stimme. Hell und klar weitet sie durch eine volkstümliche Melodie in ihre globale Botschaft als Mischung von afrikanischer Ritualität und japanischer Spiritualität. In dunkler Tonlage erdet sie sich, kurz auf dem Boden rollend, um sich wieder wie die Natur zu erheben. Symbolisch wiegt Deborah Hay ein Kind in den Armen. Sie S-Linie der Arme wird zur Pose innerer Schönheit. Schulterkreisen bringt einen Hauch kecker Sinnlichkeit  zurück. Zunächst die Ferse, etwas später Stampfschritte lassen körperliche Kraft kurz aufleuchten, bevor Deborah Hay zart und sanft entschwindet.

Tanzkritik von Deborah Hays "Animals on the beach" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Camille Blake

Nahtlos nähern sich ihre „Animals on the beach“. Drei sehr individuelle Performerinnen und  zwei Performer dynamisieren die Bewegungssprache Deborah Hays in immer neuen Kombinationen zu einem absurden  Kammerspiel a la Beckett. Wie Vögel bewegen sie sich bizarr mit gestreckten Beinen und Armen, vorgezogenen Köpfen, 90-Grad-Beugungen und Schräglagen. Aus der Kreisformation bilden sie unterschiedlichste Gruppierungen und werden dabei immer mehr zum Sinnbild individualisierten Lebens, in dem Berührungen ohne Blickkontakt  eher Schockstarre und Ängste als Zuwendung auslösen. Lange Ruhephasen vermitteln die Ruhe in der Natur, nur unterbrochen von der Nahrungssuche, aufgespreiztem Gefieder, Angriffs- und Demutshaltungen. Ein dumpfes atmosphärisches Rollen durchbricht die Stille, kündet von apokalyptischer Bedrohung des Naturparadieses. Nach kurzfristigen Zusammensacken der Performer löst sich die Gefahr auf. Die Hand vor dem Mund entstehen nachdenkliche Posen als Bewusstwerdung, der desolaten Misere. Mit einem schrillen Schrei finden die „Animals on the beach“ in ihre stoischen Bewegungen zurück, als wenn nichts geschehen wäre. Doch das apokalyptische Rollen kommt wieder. Ein kurzer Vogelruf, ein kurzes Blackout. Dann wieder Helligkeit. So schnell lässt sich die Natur lässt nicht besiegen.

Das abstrakte Konzept vermittelt sich sehr narrativ, ist aber insgesamt tänzerisch viel zu schlicht für die Eröffnung eines internationalen Tanzfestivals. Begeisterung kommt dabei nicht auf. So verwundert es nicht, dass das Publikum in der dritten Festivaltag nur höflich applaudierte und abgesehen von einem vereinzelten Bravo selbst besondere Ovationen für Deborah Hay fehlten.