München – „Der gestirnte Himmel“ als XV. Montagsstück in der Staatsoper

"Der gestirnte Himmel"-Beethoven in der Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Staatsoper München, Wilfried Hösl

Souverän, mit Noblesse interpretiert Bass-Bariton Edwin Crossley-Mercer mit einem Klaviertrio, besetzt aus den Reihen des Bayerischen Staatsorchesters, eine Auswahl von Beethovens „Schottischen Liedern“ und „Irish Songs“ in englischer Sprache, bleibt allerdings sehr textorientiert und distinguiert.

Umso fulminanter kommt der Part der norwegischen Sopranistin Lise Davidsens zur Wirkung, die 2019 als Elisabeth in Wagners „Thannhäuser“ in der Staatsoper zu hören war. Grandios singt sie die „Sechs Lieder“ nach geistlichen Gedichten von Gellert. Durch schwungvolle melodische Bögen, ihr großes Tonspektrum und durch mitreißende Dynamik entdeckt sie das dramatische Potential in diesen Liedern. Mit berührender Innigkeit singt sie vom Herzschmerz, Flehen und Seufzern, wagt fulminante Forte und subtile Pianissimi und entwickelt textadäquat düsteren Farbklang. „Denk´ o Mensch an deinen Tod“. Lise Davidsen trägt die Lieder nicht vor, sondern durchlebt sie ausdrucksstark, sehr gefühlvoll, dezent und klangschön von Sophie Raynaud am Klavier begleitet.

Nach diesen Liedern schwenkt die Kamera in den Untergrund auf der Suche nach Beethoven. Intendant Nikolaus Bachler höchstpersönlich schlüpft zwischen Kartonagen und Kerzenleuchtern in einer morbid romantischen Atmosphäre in die Rolle Beethovens und liest aus dessen „Heiligenstädter Testament“ von 1802, in dem Beethoven seinen Brüdern seine beginnende Taubheit und seine Todesgedanken eröffnet, gleichzeitig seinen „heroischen“ Entschluss für die Kunst am Leben zu bleiben. Mit großem Abstand gefilmt wirkt die Szenerie fiktiv wie ein Traum, als wäre der Komponist zurückgekehrt.

"Der gestirnte Himmel"-Beethoven in der Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Staatsoper München, Wilfried Hösl

Beethoven war bewusst, dass er seine Töne nie wieder hören würde, aber Generationen von musikbegeisterten Menschen können seine Musik genießen.

Mit dem Praetorius Quartett, ebenfalls eine Formation aus dem Münchner Staatsorchester, leuchtet in Beethovens „Gestirnten Himmel“ noch eine Supernova auf. 

"Der gestirnte Himmel"-Beethoven in der Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Staatsoper München, Wilfried Hösl

Das Praetorius Quartett spielt mit faszinierendem Einfühlungsvermögen Passagen aus Beethovens Streichquartett op. 132. Jedes Instrument lässt durch seine Klangfarbe aufhorchen. In ganz langsamen Strichen fusionieren Melodien zu schwirrenden Klangnetzen, die überaus zart in Beethovens Kosmos entführen, im Pianissimo höhere Sphären eröffnen, in fröhlichen Übermut übergehen, um immer wieder noch eine Stufe höher zu funkeln. 

„Der gestirnte Himmel“ ist noch in den nächsten 30 Tagen als Video-on-Demand verfügbar.