München-Opernfestspiele-Standing Ovations für „Anna Netrebko“

Konzertkritik "Anna Netrebko" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Wilfried Hösl

Der Grundton bleibt trotz aufflammender Dunkelheiten optimistisch, was bestens zu Anna Netrebkos gewaltigem Tonumfang passt. Sie brilliert in den Höhen und glüht in der Mittellage. Jeder Ton ist ein Ereignis, intensiviert durch ihre faszinierende Dynamik, Artikulation, enorme Textverständlichkeit und gestische Expression. Jede Bewegung unterstreicht die Emotionalität der Verse.

Im ersten Teil des Liederabends stehen taghelle Frühlingsimpressionen im Vordergrund. Angesichts eines blühenden Kirschgartens jubelt Anna Netrebko in betörenden Tönen. Jung und frisch lässt sie die neuen Kräfte des Frühlings erklingen. Tiefgründig beseelt  interpretiert sie jede Textzeile. „Stumm werden wir uns in die Augen schauen“ aus  Richard Strauss´ „Morgen“ wird zum Jubel der Liebe,  Debussys „Il pleure dans mon cœur“ zur Liebespein. Eine kleine Drehung und sie verwandelt sich Charpentiers glückliche „Louise“. Frank Bridges „Go not, happy day“ und  Douglas Moores „Gold is a fine thing“, das englisch-amerikanische Kontrastprogramm zur russischen Seele, hebt sie mit ihrem goldenen Timbre  in den Arienhimmel. Nach dem finalen Höhencrescendo in Leoncavallos „Mattinata“ ist das Publikum schon vor der Pause  begeistert und es jubelt nach dem zweiten Teil und dessen magischen Liedern nächtlich traumatischen Stimmungen. Wunderbar feinfühlig interpretiert Anna Netrebko Lieder von Tschaikowski, Richard Strauss und Fauré,  Dvořáks  Zigeunermelodie von der alten Mutter. In Rachmaninows „Traum“  entdeckt sie  ekstatische Klangwelten.

Großartig sind auch Künstler im Umfeld.

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©Wilfried Hösl

Zusammen mit Mezzosopranistin Elena Maximova gelingen zwei wundervolle Arien, insbesondere Offenbachs „Barkarole“. Malcolm Martineau begleitet Anna Netrebko traumhaft dezent ausdrucksstark  am Klavier und nutzt geschickt die wenigen Passage und Finale sein Können zu zeigen. Schade ist, dass der  junge Nachwuchsgeiger Giovanni Andrea Zanon nur einmal zu hören ist.

Als Anna Netrebko als zweite Zugabe dann doch die weltberühmte „O mio  babbino caro“ aus Puccinis „Gianni Schicchi“ singt, huldigt ihr das Publikum mit ausdauernden Standing Ovations. Sie ist unbestritten die große Operndiva unserer Zeit.

Michaela Schabel