München – HIDALGO-Musikfestival – „Kunstlied als Trance Party“ 

Hidalgo-Festival "Kunstlied in Trance" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©HIDALGO

„Kunst als Trance Party“ kreierte OMG Schubert, dahinter stehen Justus Wilcken (Bariton, Elektrogitarre) und Konstantin Dupelius (Piano, Elektronik), ein Musiker-Sänger-Duo mit klassischer Ausbildung. Das Projekt entstand 2018 mit dem Ziel Schubertlieder ganz neu zu hören.

Von Schuberts Liedern „Winterreise“, „Schwanengesang“ und „Die schöne Müllerin“ wählten Justus Wilcken und Konstantin Dupelius elf Lieder  aus und entwickelten aus  „Die liebe Farbe“, „Die böse Farbe“,  „Auf dem Flusse“,  „Ständchen“, „Atlas“, „In der Ferne“,  „Der greise Kopf“,  „Das Wirtshaus“, „Mut“, „Nebensonnen“ und „Der Leiermann“ den Spannungsbogen der Liebe über  Glück zum Leid,  von der kleinen Idylle über psychodelische Leidenschaft bis in  den Abgrund. Dabei zerlegen und rekomponieren Justus Wilcken und Konstantin Dupelius die Schubert-Lieder aus dem Lebensgefühl unserer Tage zwischen Elektro- und Pop-Weltmusik-Sound.

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©HIDALGO – Justus Wilken & Konstantin Dupelius

In unterschiedlichsten Akustikebenen, extrem übersteuert, durch Halleffekte und die hohe Raumakustik  noch zusätzlich intensiviert, schaukeln sich Liebesgefühle zur Euphorie im Stil einer Lounge-Party, bei der man  mittanzen könnte, über Technorausch bis zum Klanginferno und physischem Schmerz eines Horror-Hörtrips inklusive Tonstörung. Diese emotionale Reise wird   nicht zuletzt durch Justus Wilckens mimischen Impetus  und die nonverbale Kommunikation der beiden Musiker sehr expressiv vermittelt. YOLO lässt grüßen. Schubert indes würde seine Musik kaum noch erkennen.

Umso wohltuender wirken die liedhaften Passagen, die gut artikulierten, in moderatem Forte begleiteten Refrainverse, in denen die schlichte Klarheit des Kunstliedes  erstrahlt, modern unterlegt gekonnt wie ein Popsong oder ein Tango Vals mit der Melodica daherkommt oder als kleine Melodie über  Elektrosound in Wiederholungsschleife dahinperlt.

Noch ziemlich improvisiert  wirken die seitlich aufgespannten Projektionswände mit teilweise sehr simplen Videoisualisierungen (Wilhelm Rinke) zwischen Ironie und Naturidylle, insbesondere die anfängliche  Blumentopfparade als parodistische Metapher zur besungenen Frühlingsidylle. Frau in Spitze, dann in Gips versinnbildlicht schon etwas gekonnter Verführungs- und Erstarrungsmomente der Erotik. Doch erst als auf abstrakter Malerei weiße Farbe als Zeichen der Unschuld fließt und durch Wasser klargespült wird, finden Visualisierung und Musik synergetisch zusammen.

Mit 100 Besuchern fast ausverkauft erklatschte sich das Publikum schnell zwei Zugaben, in denen die beiden  nachhaltigsten Rekompositionen zu hören waren, wobei  als Lied des Abends „Atlas“  als Ausdruck unseres Zeitgeistes am besten  im Gedächtnis blieb, „…du wolltest glücklich sein, unendlich glücklich. Und was jetzt?“