München – Werner-Herzog-Filmpreis für  Liliana Díaz Castillo & Estephania Bonnett Alonso.

©Michaela Schabel 

Begeistert ist Werner Herzog von diesem „einem völlig neuem Modell“, weil es die Jungfilmer ohne formelle Zwänge sofort in die Arbeit wirft, Kreativität, Spontaneität im Vordergrund stehen und damit sich daraus eine überzeugende Authentizität entwickeln kann. Ganz bewusst werden unkomfortable Orte ausgesucht, bleibt man in den Städten Europas oder der USA „It´s coming nothing“, so Werner Herzog. Die Jugendlichen kommunizieren bloß noch über  Apps.

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Die Jungfilmer haben keine Anwärmphase, keine Zeit über ein Thema tagelang zu meditieren. Schon am Anreisetag wurde das Thema bekannt geben, die Ortsbedingungen und die Verhaltensregeln im Dschungel geklärt, um mögliche Risiken klein zu halten und jeweils ein Guide mit entsprechender Sprachkompetenz zugeteilt. Jeder Teilnehmer musste allein oder im Team ein Storyboard schreiben, die Location auswählen, unter den Einheimischen die Darsteller casten. Gefilmt wurde mit den eigenen digitalen Kameras, geschnitten mit Laptops.

600 Jungfilmer meldeten sich für den Workshop im peruanischen Dschungel an. 48 aus 28 Ländern, darunter 50 Prozent Frauen wurden ausgewählt, 60 Filme produziert, weil manche Jungfilmer die Kreativität für zwei bis  drei Filme entwickelten. Allerdings waren nur zwei von Frauen.

Werner Herzog selbst gab das Thema vor. „Fieberträume im Dschungel“.

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Die 15 besten Kurzfilme wurden im Anschluss an die Preisverleihung mit englischen Untertiteln in der Originalsprache gezeigt, bis auf einen psychodelischen Film „Tunche Fever“ (Sebastian Lopéz/Kolumbien), meistens dokumentarisch aufgebaut. Die Inhalte kreisten oft um Karriere und Erfolg. „Como tu ves que vi“ (Santiago Arriaga/Mexiko), wie siehst du, was ich gesehen habe, zeigt das Spannungsfeld der alten Indios im Kontrast zu der energiegeladenen Neugier der Kinder, „Vida Alegre“ (Marta Pulk/Estland) die Visionen von Prostituierten und ihren Kinder.

Dramaturgisch gut zusammengestellt überraschte das Rahmenthema durch immer neue Teilaspekte, Filmtechniken und phantastisch Aufnahmen der Dschungelatmosphäre unterlegt mit Gezwitscher, Gezirpe und unterschiedlichsten Musikstilen. Wenn Kinder  „Qué habita en la selva?“ (Lucia Valdemoros Augustín Marrutia/Argentinien), wer wohnt im Wald, Dinosauriern und  King-Kong wetteifern, entsteht humorvoll fröhlicher Abriss der Kulturgeschichte samt Vorzeit. Eine Frau erzählt von ihrem Traum  „Las sandales de Jesús“ (Joao Carlos Couto/Brasilien), der ihr Leben regelrecht durchstrahlt hat und ihr Leben in abstrus liebevolle Satire verwandelte. In „My Chicken Carla dreams from Heaven of Flying“ (Hayk Matevosyan/Armenien) gelingt eine witzige Parabel, wie allen Wünschen zum Trotz alles beim Alten bleibt, die Henne eben nicht das Fliegen lernt, sondern wie gewohnt im Harem des Gockels endet. „Dreaming of Icecreme“ (Samir Arabzadeh/Schweden) bleibt ein schöner Traum eines Mädchens mit ihrem kleinen Bruder auf der Suche nach Eiscreme quer durch den Dschungel. Doch endlich gefunden ist  die Truhe leer. Mit „The Long Farewell“ (Aqsa Altaf/USA) enden die „Fieberträume des Dschungels“ etwas nostalgisch. Der Ausflug zweier Jungen im Boot zeigt nur, was sie verlernt haben. Sie können nicht mehr auf Lianen schaukeln. Die Fährglocke hört niemand mehr.

Zu sehen sollen  die Filme künftig in Filmfestivals sein, beispielsweise  in Locarno, aber auch über youtube.com

Michaela Schabel