Potsdam – „Der russische Impressionismus“ im Museum Barberini

"Russischer Impressionismus" im Barberini präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Natalja Gontscharowa „Eberesche Panino bei Wjasma“ (1907/08)

Welche Wirkung der französische Impressionismus in Russland hatte, zeigt eine kleine tradierte Anekdote von Wassily Kandinsky. Als er 1896 in einer Ausstellung in Moskau in Claude Monets impressionistischem Gemälde „Getreideschober“ nur lauter leuchtende Farben ohne Motiv sah, beschloss  er auf das Motiv künftig zu verzichten, ein Erlebnis, dass ihn den Weg in die abstrakte Malerei wies. Der Impressionismus inspirierte viele russische Künstler, die die Lichtmalerei in Rayonismus, Kubofuturismus und Suprematismus transferierten. 

Die russischen Maler befreiten sich vom akademischen Realismus ihrer Heimat. Ilja Repin, Konstantin Korowin und Valentin Serow begannen in Paris begeistert die Sinnlichkeit des Moments zu malen, inspiriert von den Stimmungen im Wechsel der Tageszeiten, vom elektrischen Licht, den Schaufensterauslagen und der Architektur der modernen Boulevards entstanden die ersten Bilder des russischen Impressionismus. Korowin und Nicolas Tarkhoff faszinierten vor allem die nächtlich beleuchteten Straßenzüge, womit sie in Russland den Impressionismus populär machten. 

Jetzt wurde unter freiem Himmel mit Fokus auf Landschaften gemalt. Repin, Wassili Polenow und ihre Schüler Korowin und Serow erkundeten die Natur um Moskau und reisten in die Weiten des Nordens. Das sich wandelnde Sonnenlicht ließ alles leicht und zukunftsoptimistisch erscheinen.

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© Ilja Repin „Auf dem Feldrain“ (1879)

Um die Jahrhundertwende wurden die Sommerhäuser auf dem Land zum Refugium der russischen Stadtbewohner. Die Künstler fingen das Unbeschwerte des modernen Freizeitvergnügens auf der Datscha in lichtdurchfluteten impressionistischen Interieurs ein. Das Studium des Lichts in Innenräumen und auf den Gegenständen von Stillleben führte zur Aufwertung dieser an der Moskauer Akademie gering geachteten Gattungen. 

In Portraits und Familienbildern entwickelten die russischen Künstler durch die Kombination von Spontaneität und psychologischer Deutung eine besondere Spielart des Impressionismus. Fragen der nationalen Identität, aber auch das Verhältnis zur realistischen Tradition innerhalb der Malerei wurden wichtig. 

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©Abram Jefimowitsch Archipow „Besuch“ (1914)

In leuchtenden Farben gemalte typisierte Darstellungen von Bauernmädchen in folkloris- tischen Trachten sind das dominierende Motiv im Œuvre von Archipow. Als Lehrer vermittelt er den künftigen Avantgardisten einen freien Umgang mit den malerischen Mitteln. 

Eine zweite Generation russischer Künstler in Paris lernte zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Postimpressionismus und Fauvismus eine Malerei kennen, die mit leuchtenden Reinfarben experimentierte. 

Künstler wie Michael Larionow, Natalja Gontscharowa und Kasimir Malewitsch sahen sich zunächst als Impressionisten. Erst  nach 1910 begründeten sie mit dem expressiven Rayonismus und dem ungegenständlichen Suprematismus die russische Avantgardekunst. In der befreiten Farbe fanden die Maler eine Energie, die für die Dynamik und Erneuerung einer neuen Zeit stand. Impressionistische Beobachtung wurde in kubistische und futuristische Flächenzergliederung transformiert und in Malewitschs Serie „Weiß auf Weißals lichthaltiges Nichts verabsolutiert. 

Online kommt diese Ausstellung leider nicht zu der Wirkung, die sie verdient. Nach dem Barberini ist der „Russische Impressionismus“ im Burda-Museum Baden-Baden zu sehen.