München-Pinakothek der Moderne – Olafur Eliasson „WASSERfarben“

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Er studierte in der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, unterrichtet seit 2006 an der Berliner Universität der Künste und gründete 2009 das Institut für Raumexperimente.

Mit schwingenden Ventilatoren begann seine Karriere. Er färbte Flüsse ohne Naturgefährdung grün ein, überraschte mit Wasserfällen in Manhattan, einem Dufttunnel in Gütersloh, gestaltete die Installation „Ice Watch“ mit 12 Eisblöcken als  am Pariser Place du Pantheon (2015). Die Menschen sollten miterleben, wie es sich anfühlt, wenn Gletschereis zerschmilzt.  Mit extravaganten Fassadengestaltung  an der Münchner Staatsoper und am Konzerthaus Reykjavik schuf er bleibende Kunst am Bau und im Münchner Lenbachhaus ist er durch seine Lichtinstallation „Wirbelwind ständig präsent.

Im Gegensatz dazu wirkt die Ausstellung „Wasserfarben“ in der Münchner Pinakothek der Moderne  schlicht. Sie hat einen ganz anderen Stellenwert, zeigt zum ersten Mal, welche grundlegende Bedeutung das Zeichnen für das Werk Olafur Eliasson hat, und eröffnet  durch Modelle aus Olafur Eliassons Atelier Einblick in seine Denkräume.

Er zeichnete schon als Kind. Das Blatt musste ganz voll gekritzelt sein, damit er es selbst als Zeichnung akzeptierte. Sein Vater riet ihm lauter Kringel zu zeichnen und dann darin eine Katze zu suchen, für Olafur Eliasson eine prägender Ratschlag. Die Linie als Kreis, hinter der im Grunde die Spirale als Metapher für das Lebens steht, ist  von den freihändig gezeichneten  „Almost perfect Circles“ bis zu den „Glacial landscape“ (2018)  als Grundmuster in den Bildern dieser Ausstellung immer erkennbar. Die Linie als Zufall gilt genauso für seine Aquarelle, bei denen er teilweise Gletscher schmelzen lässt, um subtile Wasserfarben zu erzielen. Immer noch hat Olafur Eliasson ständig eine Skizzenblock dabei. Es ist ihm das schnellste Medium, die eigene Wahrnehmung zu dokumentieren.

Die Ausstellung beginnt mit einer Hommage an seine „arme“ Zeit als Student als er statt die Zeitung zu kaufen, diese kollektiv ausgestellt in Glaskästen las. Im Entree spiegeln sich die Berichte über Erderwärmung aus sechs Tageszeitungen in den mit labyrinthischen Mustern überzogenen Spiegeln vis-a-vis. Hier geht es also nicht nur um Kunst, sondern um Lebensbewusstsein. „Untitled“ (1988), 21 Quadrate mit „zufällig“ gezeichneten Linien, entstanden aus der Rotation der Erde, ergeben  genauso wie die abstrakten Farbskalierungen a la „Nothing special“  in Kreissegmenten  Verortungsprinzipen, in dem jeder Betrachter seine individuelle Perspektive und Farbtrennschärfe finden kann.

Olafur Eliasson bringt die Menschen zum Staunen. Mit seinen Installationen macht der gebürtige Isländer (*1967) immer wieder Schlagzeilen. Die Farben seiner Heimat, ganz besonders die subtilen Farbveränderungen des isländischen Meeres in der Dämmerung prägten seine Farbästhetik und sein Interesse Licht, Raum, Plastizität, ephemere Atmosphären und für naturwissenschaftliche Phänomene.

©Michaela Schabel

Olafur Eliasson geht es darum, dass der Betrachter die eigene Beziehung zu Raum, Licht, Atmosphäre bewusst erlebt und selbst als Künstler agiert, nicht nur Konsument ist, sondern auch Produzent.  Das wird als Licht-Schatten-Linienspiel realisiert, bei dem Besucher die Akteuere sind. Sie erleben ihre Bewegungen als multipliziertes Schattenspiel in unterschiedlichen Größenverhältnissen und Raumverortungen.

Olafur Eliasson bringt die Menschen zum Staunen. Mit seinen Installationen macht der gebürtige Isländer (*1967) immer wieder Schlagzeilen. Die Farben seiner Heimat, ganz besonders die subtilen Farbveränderungen des isländischen Meeres in der Dämmerung prägten seine Farbästhetik und sein Interesse Licht, Raum, Plastizität, ephemere Atmosphären und für naturwissenschaftliche Phänomene.

©Michaela Schabel

Gleichzeitig fungiert die Ausstellung als Hommage an die Natur, an ihre Farbschönheit weit über die „WASSERfarben“, die Olafur Eliasson in subtilsten großformatigen  Aquarellen „The ocean fade“ (2016) oder in ihrer Erosionskraft als glazial ausgehöhlter Kubus „The presence of absence“ (2016)  auf künstlerischer Ebene zur Wirkung bringt.

©Michaela Schabel

Ohne Hintergrundwissen ist Olafur Eliassons  Ausstellung „WASSERfarben“ allerdings schwer zu erfassen, zumal Flyer und Ausstellungsinformationen wenig aussagekräftig sind. Informativ ist das Interview Michael Herings mit Olafur Eliasson im Begleitbuch, das in der Ausstellung ausliegt.

Michaela Schabel