München –  Retrospektive von „Franz Erhard Walther – Shifting Perspectiven“ 

Ausstellung Franz Erhard Walther präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Parallel zum Informel der 60er Jahre sucht Franz Erhard Walther im Formlosen die Form. Das Gestische der informellen Malerei verwandelte Walther in die Geste der Handlung. 

1939 in Fulda geboren, wurde er schnell Bestandteil der internationalen Kunstszene, hatte aber immer gegen Ablehnung und Widerstände zu kämpfen. Erst im Rückbild wurde er gewürdigt.  

Walther demaskiert die traditionellen Tafelbilder durch Rechtecke aus Stoff, Luftkissen, Decken, Stoffbahnen, indem er das Bild in der gewohnten Rezeption auflöst und inhaltsleere Flächen allein auf Grund der  Form in serieller Reihung als Bilder erklärt. Im nächsten Schritt verwandelt er sie in die Dreidimensionalität von Skulpturen, in menschliche Negativformen, so im Raum platziert, dass der Betrachter sich daneben oder dazwischen positionieren kann und die „Skulptur antwortet“ (1956-2003), indem sie vergleichende Fragestellungen provoziert. 

Schon in seiner ersten Kunstaktion als 19-Jähriger, als er sich 1958 als  „Versuch eine Skulptur zu sein, Speier“ fotografieren ließ, beinhaltet die Essenz seines Lebenswerks.

In jedem Kabinett wird eine Werkgruppe von Franz Erhard Walthers besonders hervorgehoben, wodurch sich über 250 Arbeiten und Zeichnungen Schritt für Schritt die Konzeption seiner Kunst erschließt. Ausgestellt sind u.a.  über 500 tagebuchartige  handschriftliche und gezeichnete Din-A-4-Seiten  zu aktuellen Themen.

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©Michaela Schabel  

„Der andere Werkbegriff“ ist für Walther  Baumwollstoff. Walther ist der  Ideengeber, seine Frau näht die Bilder und Objekte, die den Betrachter nicht nur zum Denken und Handeln auffordern, sondern auch Emotionen auslösen. 

Das „Neue Alphabet“ vergegenständlicht sich  zum künstlerischen Material, wenn es sich zu 3-dimensionalen Modulen verformt, wobei  durch die Formelemente latente Bedeutungen, bekannte und neue Symbole  sichtbar werden.

In „Raumabnahme Blau“ bildet Walther sein Atelier nach. Stoffbahnen  mit fiktiven Fenstern und Türen entwickeln eine surreales Bühnenbild  latenter persönlicher Theaterszenen.

Mit dem „Mantel-Stahlstück “ (1969) gelingt die Verwandlung eines Stoffbildes in eine individuelle Körperskulptur, je nachdem wer den Mantel überzieht. 

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©Michaela Schabel

Mit 16 Stahlplatten verstärkt, der Körper beschwert verändert dieser Stahlmantel Körperhaltung und Bewegung und umgekehrt der Körper verändert das Bild bzw. die Skulptur. 

Die „Wandformationen“ (1978 – 1986) zählen zu seinen erfolgreichsten Werkgruppen. Die farbintensiven Stoffelemente, in Lagerhaltung gestapelt lassen sich zu variablen Bildern zusammenfügen, als Mantel anziehen, wodurch das dreidimensionale Bild mit Handlung aufgeladen wird.  

In den „Handlungsbahnen“, ein 55-teiliges Projekt,  sind ein Meter breite Stoffbahnen in Lagerposition geschichtet. Unter Aufsicht dürfen sie zeitweise von 14 – 17 Uhr  von 2 bis 6 Besuchern aktiviert werden.

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©Michaela Schabel

Es ergeben sich unterschiedliche Konfigurationen und Balancen. „Der Körper definiert das Werk“ ist Franz Erhard Walthers Botschaft.

Wegen der Sars-Cov2-Pandemie vorerst geschlossen.