München – Hypo-Kunsthalle „In einem neuen Licht Kanada und der Impressionismus 1880 – 1930“

Ausstellung "Kanada und der Impressismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Angesichts der Tatsache, dass sich viele Kanadier bei den Pariser Malergrößen ausbilden ließen, stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen speziell kanadischen Impressionismus gibt. Genau diese Frage beantworten die Kuratoren mit einem eindeutigen Ja. Der Impressionismus entwickelte sich in Kanada selbstständig weiter und bildete die Grundlage für die kanadische Moderne. Insofern leistet diese Ausstellung einen wichtigen Beitrag zur kanadischen Kultur- und Kunstgeschichte.

Natürlich ist die impressionistische Malmethode und die dahinter stehende Konzeption, nicht nur die Landschaft, sondern auch den Eindruck der Landschaft auf den Menschen zu malen, europäisch geprägt. Unterschiede ergeben sich durch die Motive des kanadischen Alltags, die Ernte von Ahornsaft, die Arbeit im Winter, die weißen Winterlandschaften und durch das besondere Licht bedingt durch die arktische Nähe.

Die Ausstellung beginnt atmosphärisch mit zwei dokumentarischen Filmcollagen vis-a-vis um 1900, Pariser Schick im Kontrast zur kanadischen Holzfällern, Straßenbahnen. Sofort versteht man, warum  kanadische Künstler von Paris fasziniert waren und manche sogar in Europa blieben, James Wilson Morrice sogar 35 Jahre lang. Angesagt war zunächst der traditionelle Stil der Barbizon-Maler, dann zunehmend die exotischen Sehnsuchtsorte in Südeuropa mit Venedig als „Tor zum Orient“, Nordafrika und den Westindischen Inseln.

Chronologisch zeigt die Ausstellung die Entwicklung der kanadischen Maler nach Themenschwerpunkten in Frankreich, auf ihren Reisen und schließlich in Kanada. Die Räume „Lernen in Frankreich“ und „Frankreich-Impression“ beweisen, dass Paris „zum Tutor für den neuen Malstil“ wurde. Die figürliche Konturierung verliert sich immer mehr im flirrenden Licht. „Auf dem Land“ und an „Frankreichs Küsten“ fanden französische wie kanadische Maler ihre Motive, die durch Gegenüberstellungen auf  sonnengelben und himmelblauen Hintergrund der Ausstellungsräume bestens zur Wirkung kommen. Neu für die kanadische Kunst ist, dass zum ersten Mal „Jugend und Sonnenlicht“, „Frauen in der Freizeit“ , auch Akte im Mittelpunkt der Malerei stehen.

 

Ausstellung "Kanada und der Impressismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Den „Neuen Horizonten“ in exotischen Ländern folgt die „Rückkehr nach Kanada.“ Dort hatten es die kanadischen Impressionisten nicht leicht sich gegen die traditionelle Malerei durchzusetzen. Doch von den  kanadischen Impressionisten wie Maurice Cullen, James Wilson Morrice und Marc-Aurèle de Foy Suzor-Coté  inspiriert schlugen Künstler um 1910 neue Wege ein und schufen  in Toronto als „Group of Seven“ und in Montreal als „Beaver Hall Group“ ein neues Bild von Kanada. In faszinierenden Lichtstimmungen mit Fokus auf die weiten Landschaften lassen die Künstler ihre Heimat fern der Metropolen erstrahlen, allen voran A.Y. Jackson, dessen Suche nach den Mustern der Natur in dem Film „The Group of Seven“ besonders hervorgehoben wird.

Der kanadische Impressionismus legte die Grundlage für die moderne kanadische Malerei, hier Helen McNicolls „Sonniger September“, Öl auf Leinwand, 1913

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem National Gallery of Canada, der Fondations de L`Hermitage und dem Musée Fabre und wird nach München in Lausanne, Montpellier und Ottawa zu sehen sein. Täglich geöffnet von 10 – 20 Uhr.