München – „Die Fäden der Moderne“ – grandiose textile Meisterwerke in der Kunsthalle München

Ausstellung "Fäden der Moderne" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Unter Ludwig XIV (1638-1715) entstand die erste französische Manufacture  des Gobelins, der schnell viele weitere folgten, wobei nach den Vorlagen von Künstlern echte Meisterwerke entstanden, auch im Bereich der  Möbel und Bodenteppiche. Die Exponate erzählen von den historischen Umbrüchen und den künstlerischen Neuerungen.

Der Rundgang beginnt mit dem Schicksal der Nation. Georges Desvallières „Frankreich 2018“ oder Edmond Yarz großem Landschaftsgemälde „Die Pyrenäen“. Das „Exotisieren in den Zwischenkriegsjahren“ stellt die  Grande Nation mit antik und kolonial  heroisierenden Motiven in den Mittelpunkt, darunter  Pierre-Henri Ducos de la Hailles grandios mystifizierter „Mekong“ als Fabelwesen halb Pferd, halb Drachen. Als Erneuerer der Wandteppiche initiierte Jean Lurçat in den 30er Jahren eine „Renaissance der Tapisserie“ mit neuen Motiven und der strukturellen Auflösung von Bild und Bordüren. Vom „nationalsozialistischen Größenwahn“ zeugen die Wandteppiche, die Hermann Göring in Frankreich in Auftrag gab. „Die Erdkugel“ sollte für seine Bibliothek 72 qm groß werden, nur etwa die Hälfte wurde realisiert und ist ausgestellt.

Ausstellung "Fäden der Moderne" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wird die Aufbruchstimmung auch in den Tapisserien spürbar. „Neue Wege“ wurden beschritten. „Die Meister der Moderne“, die Teppiche nach Motiven von Le Corbusier, Miró, Picasso kommen im großen Ausstellungsraum bestens zur Wirkung. „Form- und Farbexperimente“ Victor Vaserelys überraschen durch optische Täuschungen. Nach Vorlagen von Hans Hartung oder Zao Wou-Ki wurden in den 60er und 70er Jahren feinste Pinselstriche verwoben. Es entstanden Werke „Aus Strich und Faden“. Selbst Bildhauer wie Alicia Penalba und Eduardo Chillida begannen die Grenzen textiler Kunst mit reliefartigen Teppichen „Zwischen Innovation und Tradition“ auszuloten. Die „Texturen der Gegenwart“ präsentieren sich fotorealistisch und digital gepixelt. Das irrlichternde Weltall als runder Gobelin zwischen Empire-Sesseln mit phantastischen Gobelinstoffen bezogen  vermittelt  zum Abschluss noch einmal das phänomenale Wohnambiente von Tapisserien. Diese Ausstellung eröffnet tatsächlich noch nie gesehene Welten.

Der Film „The Art of Making Tapestry“ zeigt, wie Wandteppiche entstehen. Der Katalog zur Ausstellung dokumentiert alle Exponate und liefert ausführliche Hintergrundinformationen.

Zu sehen bis 8. März