Leipzig – Ausstellung „Zero Waste“  im Museum der Bildenden Künste 

Ausstellung "Zero Waste" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Laborant´s Pause“ (2018) von Raul Raul Walch ©Künstler 

Müll gibt es überall, im Meer, als Einstaub in der Luft und als Mikroplastik in der Nahrung. Die Plastikfolien der südspanischen Gemüseplantagen treiben als „mar de plástico“ im Mittelmeer herum. Während Erik Sturm aus dem Feinstaub, den er von Fensterbänken stark befahrener Straßen kratzt, Farbe herstellt, macht Vibha Galhotra die massive Luftverschmutzung in New Delhi als „Black Cloud“, einer Wolke aus schwarzen Papierdrachen, sowie in performativen Fotografien und Videos sichtbar. Dani Ploeger experimentiert in seinem Labor mit Stresstestmaschinen und stellt den von Herstellern frühzeitig herbeigeführten Alterungsprozess elektronischer High-Tech-Geräte bloß. Wolf von Kries fotografiert im Winter „Konglomerate“, die von Autos abfallen und aus Benzin, Schmutz und gefrorenem Wasser bestehen, oder knüpft seinen Tascheninhalt aus Kleinstmüll wie Bonbonpapier oder Eintrittskarten am Ende jeden Tages zu einer stetig wachsenden Kette. Wie sich vier Passagiere mit einen alten Buick, dem zuvor Motor, Elektronik und Getriebe entnommen wurden, mit einem eingebauten Pedalsystem abgasfrei vorwärtsbewegen, zeigt Michel de Broins. Swaantje Güntzel beschäftigt sich mit Weichmachern in unserem Blut, den Folgen von Mikroplastik in kosmetischen Produkten.

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„Mikroplastik“ (2016) von Swaantje Güntzel ©VG Bild-Kunst Bonn,2020

In Installationen, Videos, Skulpturen und Fotografien untersuchen die beteiligten KünstlerInnen globale Konsequenzen fragwürdiger Überproduktion und ihrer Folgen. Die Ausstellung fokussiert kritisch auf den aktuellen Zustand unserer Erde werfen, will Alternativen, Lösungsansätze diskutieren und Visionen entwickeln.

Mit der Virtual Reality-Brille werden die BetrachterInnen von Bianca Kennedy und The Swan Collective interaktivem Film selbst zu Insekten. Der Protest gegen eine rein auf Gewinnmaximierung und Wachstum ausgerichtete Wirtschaft wie auch die maßlose Ressourcenverschwendung auf Kosten von Umwelt und Klima wird immer lauter. Gleichzeitig gibt es eine Bewegung hin zu einer minimalistischen Lebensweise, bewusster Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit und menschenwürdiges Leben. In ihren grotesk-verstörenden Videoarbeiten prangert Mika Rottenberg die Arbeitsbedingungen innerhalb globaler Produktionsketten an.

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„Squeece“ (Still, 2010) von Mika Rottenberg ©Künstlerin

Mittels selbst auferlegter klimafreundlicher Regeln hinterfragt das Projekt auch den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen in der Kunstwelt sowie den CO2-Fußabdruck dieser Ausstellung. So vermeidet „Zero Waste“ materialaufwendige Installationen und Transporte und Reisen über weite Distanzen für kurze Aufenthalte und kooperiert mit lokalen Akteuren. Der Erlös des zur Ausstellung erscheinenden Katalogs mit Installationsansichten fließt gänzlich in den Versuch von Andreas Greiner, die CO2-Produktion der Ausstellung zu berechnen und durch das Pflanzen entsprechend vieler Bäume zu kompensieren. 

Zur Ausstellung „Zero Waste“ sind  Führungen mit ExpertInnen unterschiedlicher Fachgebiete geplant, eine Filmvorführung, interaktives „Black-Cloud“-Drachenfliegen von Vibha Galhotra,  die  „Zero Waste“-Küche von Kadija de Paula und Chico Togni sowie DIY-Workshops und Repair Cafés mit lokalen PartnerInnen für Kinder und Erwachsene. 

Die Ausstellung wird eröffnet, sobald sich die Covid-19-Situation es zulässt und dauert mindestes bis 21. Juni 2020