Landshut – Galerie LAProjects – Enzo Cucchi

20 Jahre war Enzo Cucchi, der Meister der italienischen Avantgarde, in Deutschland nicht zu sehen. Jetzt präsentiert er seine Meistergrafiken aus vier Jahrzehnten in der Galerie LA Projects.Galerist Jörg Ludwig lernte Enzo Cucchi vor vielen Jahren bei einer Ausstellungseröffnung in New York kennen. Jetzt zum 75. Geburtstag erfüllt sich Jörg Ludwig seinen ganz persönlichen Traum, die Arbeiten Enzo Cucchis zu Gast zu haben. 

Enzo Cucchi galt in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts neben Sandro Chia und Francesco Clemente zu den Hauptvertretern der italienischen Transavanguardia und wurde nach seiner ersten Ausstellung in Mailand 1977 international von großen Museen nachgefragt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Fresken in der Kapelle Monte Tamoro, monumentale Keramiken und Mosaike für den römischen Hauptbahnhof und die U-Bahn-Station Salvador Rosa in Neapel, monumentale Skulpturen.

In der Landshuter Galerie LAProjects sind Enzo Cucchis Meistergrafiken zu sehen, wobei er sich als Erzähler mythischer Geschichten erweist, die sich  über die atmosphärische Wirkung weniger kognitiv als emotional erschließen.
Mit nur wenigen gelben Strichen auf Schwarz die Silhouette „Roma“s (1991) vom Colosseum bis zum Vatikan skizziert, taucht der Betrachter in das  italienische Ambiente einer verführerisch verheißungsvollen Nacht. Im wandfüllenden Triptychon ritzt Enzo Cucchi in aufwändigen Verfahren seine Grafiken, irritiert durch unterschiedlichste Perspektiven und lässt den Mythos Rom aus rot durchglühter Lavalandschaft, erdiger Katakombenstimmung und einem rätselhaften Wolfsporträt in schwarz-weiß lebendig werden. Immer wieder tauchen Totenschädel als  Mahnmale menschlicher Vergänglichkeit auf.  „Uomini“ (1989) , die Menschen in Überlebensgröße, wirken lehmig braun, als hätte sie Prometheus soeben geformt, die Gesichter in ihrer expressiven Reduktion ausgemergelt und düster. Gleichzeitig umstrahlen kristalline Strukturen Mensch und Landschaft wie glitzernde Hoffnungsfunken in den ständigen Prozessen der Metamorphosen.
Doch die Grundstimmung bleibt(?) bis auf „Roma“  nachdenklich, kritisch.  Im „Atem des Pferdes“ kristallisieren sich Kriegsgräber heraus. In den „Dokumenti“ (2017) , kleinere Grafiken des menschlichen Daseins, blickt man auf kafkaeske Szenarien. Wehrlos ist der Mensch gefesselt auf einer Pritsche. Nur der Mensch mit Herkulesqualitäten kann dem Menschen helfen, ihn aus den Niederungen der Realität erheben.  
 
 
Foto: Michaela Schabel