Hamburg – die Ausstellung „Trauern. Von Verlust und Veränderung“ in der Hamburger Kunsthalle setzt sich mit einem Tabuthema auseinander, das uns alle zutiefst betrifft

Ausstellung "Trauer" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„The Untitled Images“ (2014) ©Kaleh Barakeh

Die Exponate zeigen, wie  vielfältig die Formen von Trauer sein können. Wir alle machen individuelle leidvolle Erfahrungen von Enttäuschung, Scheitern und Unwiederbringlichkeit – ob es sich um den Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung oder Tod handelt, den Abschied von Idealen und Visionen oder den Verlust von Heimat und Vertrautheit. Die Ausstellung macht deutlich, dass die Art und Weise unseres Umgangs mit Trauer, ihrer Darstellung und ihrer Wertung abhängig von unserem kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umfeld ist und Rückschlüsse auf gesellschaftliche Miss- und Zustände zulässt.

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„Tränen“ von Michael Sailstorfer  (2015 Filmstill)©VG Bild-Kunst, Bonn 2019 

In sechs Kapiteln betrachtet die Ausstellung »Melancholie und Trauer«, »Trauer und Geschlecht«, »Kollektive Trauer«, »Trauer und Protest«, »Formen des Abschieds«, »Die Unfähigkeit zu trauern«.

Die Ausstellung spannt einen großen Bogen von den Miniatur-Särgen Kudjoe Affutus aus Ghana bis hin zu Andy Warhols ikonischem Porträt »Jackie« (1964). Erstmalig in Deutschland sind die strengen und zugleich poetischen Schrift-Arbeiten der für dem Turner-Prize 2019 ausgezeichneten Helen Cammock zu sehen. Die Werkserie von bearbeiteten Fotografien aus dem Syrien-Krieg des Künstlers Khaled Barakeh greift das jahrhundertealte Bildmotiv der Pietà auf und ist dabei von verstörender Aktualität.

Eine speziell für die Ausstellung entstandene Klanginstallation von Susan Philipsz  lässt im Lichthof der Galerie der Gegenwart die alte Tradition des Wehklagens aufleben. Der Japaner Seiichi Furuya  verwebt persönliche Verlusterfahrung, den Selbstmord seiner Frau, und den Abgesang auf eine politische Gesellschaftsstruktur ineinander. In eindrucksvollen Bildern verbindet Maria Lassnig den persönlichen Verlust ihrer Mutter mit einer grundlegenden Infragestellung ihrer künstlerischen Schaffenskraft. 

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„Balken im Auge/Trauernde Hände“ (1964 ©Maria Lassnig Foundation

In dem Film „I’m too sad to tell you“ (1970/71) wirft Bas Jan Ader Fragen nach Privatheit und Öffentlichkeit, nach Konvention und Peinlichkeit, nach Grenzen der Sprache und Darstellbarkeit auf. Die eindrucksvollen, großformatigen Fotografien Anne Colliers (*1970)  auf der Grundlage von Comics aus den 1950/60er Jahren entstanden und entblößen die mediale Umsetzung einer weinenden, jungen und schönen Frau als kühle Konvention und geschlechtsspezifisches Rollenbild.

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„Crying Women“ (2019) ©Anna Collier

Zu sehen sind außerdem Werke von Bas Jan Ader, Kudjoe Affutu, Khaled Barakeh, Christian Boltanski, Helen Cammock, Anne Collier, Johannes Esper, Sibylle Fendt, Seiichi Furuya, Paul Fusco, Felix Gonzalez-Torres, Aslan Ġoisum, Ragnar Kjartansson, Maria Lassnig, Jennifer Loeber, Ataa Oko, Adrian Paci, Philippe Parreno, Susan Philipsz, Greta Rauer, Willem de Rooij, Michael Sailstorfer, Thomas Schütte, Dread Scott, Rein Jelle Terpstra, Rosemarie Trockel, Tilman Walther und Andy Warhol.

Hoffentlich bald wieder und länger als bis zum 14. Juni 2020 in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.