Frankfurt – Ausstellung „En Passant. Impressionismus in Skulptur“ im Städel Museum muss auf  Eröffnung noch warten 

Ausstellung "En Passant. Impressionismus in Skulptur" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Große Arabeske, dritte Position“ (um 18851890) © Ken Adlard

Im Mittelpunkt der Präsentation stehen herausragende Werke von fünf international renommierten Künstlern Edgar Degas (1834–1917), Auguste Rodin (1840–1917), Medardo Rosso (1858–1928), Paolo Troubetzkoy (1866–1938) und Rembrandt Bugatti (1884–1916). Gleichzeitig entstehen Dialoge über Gemälde, Pastelle, Zeichnung, Druckgrafiken und Fotografien zur 2-dimensionalen Kunst des Impressionismus. Über 160 Werke geben  einen umfassenden Einblick in die Möglichkeiten und Herausforderungen des Impressionismus in der Skulptur. 

Degas, Rodin, Rosso, Troubetzkoy und Bugatti wurden alle zu Lebzeiten als „impressionistische Bildhauer“ bezeichnet. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen wandten sich diese fünf Künstler mehr und mehr zeitgenössischen, häufig alltäglichen Themen zu. Zum anderen griffen sie auf Materialien jenseits des akademisch-klassischen Marmors zurück und verwendeten beispielsweise Wachs nicht nur für Entwürfe, sondern auch für ausgearbeitete Skulpturen. Anstatt die Oberflächen glatt und geschlossen anzulegen, arbeiteten sie lebhafte Strukturen heraus, in denen sich das Licht brechen konnte. Durch die Sichtbarkeit von Arbeitsspuren näherten sich diese Skulpturen der Wirkung impressionistischer Gemälde an. Wegen der unterschiedlichen Handschriften der Künstler spricht das Städel Museum von  einem „facettenreichen Impressionismus“ in der Skulptur. Drei Skulpturen, zwei des neoklassizistischen Bildhausers  Auguste- Louis-Marie Ottin und eine von Paul Gauguin  umgeben von  Gemälden und Grafiken  Mary Cassatts, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir überraschen die Besucher im Eingangsbereich. Obwohl sie in den  impressionistischen Ausstellungen zwischen 1874 und 1886 gezeigt wurden,  zeigen sie keine impressionistischen Merkmale auf. 

Um so deutlicher werden diese in den künstlermonografischen Räumen im Anschluss. Dabei spielt Edgar Degas berühmte „Kleine 14-jährige Tänzerin“ (1878/81) eine ganz besondere Rolle. Mit ihr begannen die Diskussionen über den Impressionismus in der Skulptur. 

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„Kleine vierzehnjährige Tänzerin“ (1881) © Städel Museum, Foto: Horst Ziegenfusz

Balletttänzerinnen wurden gesellschaftlich gerne mit der Unterhaltungsbetrieb und Prostitution in Verbindung gebracht, weshalb Degas für die damalige Kunst ganz unüblich Alltagsmaterialien und Wachs verwendet. Darüber hinaus sind eine Reihe von Bronzeabgüssen aus Degas´ bevorzugten Motiven der Badenden, Tänzerinnen und Boudoir-Szenen, Pferden und Jockeys zu sehen, sie Degas´ Erben nach den Wachsoriginalen anfertigen ließen.

Rembrandt Bugattis Plastiken entstanden in der Regel sur nature, direkt vor seinen Modellen in den zoologischen Gärten von Paris oder Antwerpen. Seine Tierdarstellungen waren nicht mehr die üblichen Spiegelbilder der Menschen, sondern naturalistische Porträts von Panthern, Löwen, Flamingos oder den heimischen Tieren.  Markante Haltungen und Bewegungen waren ihm wichtiger als Details. 

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„Brüllende Kuh“(1901) © The Sladmore Gallery, London

Um ganz rasch modellieren zu können, verwendete Bugatti den neuen Werkstoff Plastilin. Im Vergleich Gemälden seines Onkels Giovanni Segantini wird neben der motivischen Nähe das strukturelle Verweben von Figur und Raum deutlich. 

Medardo Rosso gilt als Begründer des impressionistischen Skulptur. Seine „Portinaia“ (Guss 1887), die Pförtnerin seines Wohnhauses, wurde  in der Forschung zur Schlüsselfigur, weil sie das Vergängliche, Flüchtige in Bezug zum Raum eindringlich durch bewusste Unschärfe mittels verwischter Konturen vor Augen führt.  

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„La Portinaia“ (1883/84) © Sammlung PCC

Sie Die Porträtplastiken des russisch-italienischen Bildhauers Paolo Troubetzkoy scheinen regelrecht zu vibrieren. „Nach dem Ball“ (1897) modelliert er das Gesicht der vermögenden Mäzenin Adelaide Aurnheimer ganz glatt, ihre Robe als  überbordende Faltenkaskade mit zahlreichen Höhen und Graten, in denen die Fingerspuren des Künstlers sichtbar geblieben sind.

„Adelaide Aurnheimer“ (1897) © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

Die Ausstellung schließt mit impressionistischen  Werkgruppen von Auguste Rodin. Die Gestaltung des Raumes orientiert sich Rodins umfangreiche Ausstellung, die er 1900 im Pavillon de l’Alma selbst gestaltete. Obwohl er sich selbst nie als „impressionistischen Bildhauer“ bezeichnete, wurde er neben Rosso als bedeutendster Vertreter dieser Richtung wahrgenommen. Auslöser dafür war die Skulptur „Balzac“ (um 1892/93) Nicht eine Hommage sollte sie sein, sondern die ungeschönte Darstellung seiner Person und seines Charakters und gleichzeitig Rodins Arbeitsprozess sichtbar machen. Von berührender Expression ist Rodins Augenblicksaufnahme vom  „Haupt des Johannes“

© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel-Verlag. Eine Eröffnung am  10. April ist anvisiert, hängt aber von den politischen Entscheidungen infolge der Entwicklung der Pandemie ab.