Düsseldorf – „Verrückt nach Angelika Kauffmann“ im Kunstpalast 

Ausstellung "Verrückt nach Angelika Kauffmann" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Selbstbildnis am Scheideweg zwischen Musik und Malerei“ (1794)
© National Trust Collections  Foto: National Trust Images

Angelika Kauffmann war ein musisches Wunderkind und bekam von 1759-1766 eine umfassende künstlerische Ausbildung in Italien. Danach wurde sie in London vom englischen Adel als Historien- und Bildnismalerin sehr protegiert und berühmt. Fünfzehn Jahre später eröffnete die gefragte Porträtistin 1782 in Rom eines der bestbesuchten Ateliers ihrer Zeit. Weltgewandt, geschäftstüchtig, mit ganz Europa vernetzt wurde ihr Salon zum Treffpunkt internationaler Freunde und Auftraggeber, darunter Joseph II., Kaiser von Österreich, und die russische Zarin Katharina die Große.

Angelika Kauffmann galt als „Raffael unter den Künstlerinnen“, so Giovanni G. de Rossi in seinen noch zu Lebzeiten über Kauffmann veröffentlichten Schriften. Viele von Kauffmanns Werken galten als stilprägend und lösten einen regelrechten ‚Kauffmann-Kult‘ aus“, hebt die Kuratorin Bettina Baumgärtel hervor. Ihre wegweisenden Historienbilder, glanzvolle Porträts, literarischen und mythologischen Szenen zeigen, wie diese Epoche gleichermaßen von der Vernunft und von der Empfindsamkeit geprägt war. Durch die Retrospektive wird deutlich, wie Angelika Kauffmann sich als Künstlerin selbst sehr geschickt inszenierte und das  traditionelle Frauen- bzw. Männerbild mit antikisierender Überhöhung  in Szene setzte. 

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„Selbstbildnis mit der Büste der Minerva“ (um 1784) © Bündner Kunstmuseum, Chur
Foto: Bündner Kunstmuseum, Chur

Der Rundgang folgt chronologisch in neun Kapiteln den Lebensstationen Angelika Kauffmanns und präsentiert die österreichisch-schweizerische Künstlerin gleich zu Beginn als Europäerin durch das in Italien entstandene Bildnis des Altertumsforschers Johann Joachim Winckelmann (1764), Kauffmanns  wichtige Bezugsperson in der Ausbildung, um als junge Malerin europaweit bekannt zu werden.  

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„Bildnis Johann Joachim Winckelmann“ (1764) © Kunsthaus Zürich / Foto: AKRP, Inken Holubec

Es folgt die „Blütezeit in England“, Angelika Kauffmanns geschäftstüchtiger Umgang mit den Angehörigen des englischen Hofes und deren Patronage. „Die Porträtmalerin als Modemacherin“ zeigt, dass sich Kauffmann neben den englischen Porträtisten Joshua Reynolds und Thomas Gainsborough zwischen 1766 und 1781 zur gefragtesten Malerin auf dem britischen Porträtmarkt entwickeln konnte. Modische Impulse setzte sie, indem sie Van-Dycks idealisierendes Rollenbildnis adaptierte, Orient-Mode aufgriff und antikisierende Kleidung zur Mode erhob. Wer Rang und Namen hatte, wollte ein „fashionable“ Porträt von Angelika Kauffmann. 

Ein weiteres Kapitel ist den in England entstandenen Historiengemälden gewidmet. Mit ihren einfigurigen Historienbildern entwickelte sich Kauffmann zu einer Wegbereiterin der Empfindsamkeit. Um der großen Nachfrage ihrer Kunst gerecht zu werden, bediente sie sich der Reproduktionsgrafik. Kupferstecher aus ganz Europa trugen zur Popularisierung und massenhaften Verbreitung von Kauffmanns Kunst bei. Ihre Motive fanden sich ab den 1770er Jahren als Dekor auf Porzellan, Fächern, Tabakdosen, Tapeten und Textilien. 

Das Herzstück der Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast bilden die vier Deckengemälde, die die Malerin 1778 bis 1780 für die Royal Academy of Arts, anfertigte und die sich heute normalerweise im Vestibül des Burlington House befinden. Das Kapitel problematisiert das Verbot für Künstlerinnen, an Akademien ausgebildet zu werden und zeigt Kauffmanns außergewöhnliche Situation als Frau zum Mitglied an fünf Kunstakademien ernannt worden zu sein. 

Nach ihrer Heirat mit dem venezianischen Vedutenmaler Antonio Zucchi 1781 kehrte Kauffmann nach Rom zurück. Sowohl ihr Vater als auch ihr Mann arbeiteten ihr als Assistenten zu. Das Kapitel „Rom, Residenz der Künste“ zeigt Kauffmanns Beziehungen zu neuen, höchsten Kreisen des Adels und zu den Künstlerkollegen wie Antonio Canova. In dieser Zeit malte Kauffmann ihre bedeutendsten Historiengemälde. Sie rückte Kauffmann als Heldinnen in den Mittelpunkt und prägte damit entscheidend das neue Weiblichkeitsideal der Aufklärung. Der „Parnass der Musen“ gibt Einblick in Kauffmanns römischen Salon, wo Schauspielerinnen und Dichterinnen als Musen auftraten und porträtiert wurden. Das „Religiöse Spätwerk“ schließt den Rundgang ab. Kauffmanns letzte religiöse Historie „David und Nathan“ (um 1806/07) verdeutlicht exemplarisch ihre Rückbesinnung auf die Meister des italienischen Barock. 

Der Ruhm, den Angelika Kauffmann am Ende ihres Schaffens erlangt hatte, ist an zwei in der Ausstellung präsentierten Bildnis-Büsten ablesbar, die ihr zu Ehren für die Präsentation im Pantheon und in der Walhalla geschaffen wurden.