Düsseldorf – Kunstpalast Peter Lindbergh Retrospektive „Untold Stories“ 

Lindberghs Ausstellung "Untold Stories" im Düsseldorfer Kulturpalast präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sasha Pivovarova, Steffy Argelich, Kirsten Owen & Guinevere van Seenus, Brooklyn 2015 © Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris,

140 Arbeiten aus den frühen 1980er Jahren bis in die Gegenwart geben Einblick in sein umfangreiches Œuvre. In Lindberghs Fotografien steht das Interesse am Menschen im Vordergrund, die Verbindung von Modefotografie mit zeitgenössischer Kultur, wodurch seine Bilder über den Modekontext hinaus gesellschaftliche Geschichten erzählen, Klischees darstellen, ästhetisieren oder neuen Lifestyle kreieren. Für Lindbergh ist die Fotografie „viel größer als die Mode selbst, sie ist Bestandteil der Gegenwartskultur“.

Lindberghs Ausstellung "Untold Stories" im Düsseldorfer Kulturpalast präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Linda Evangelista, Michaela Bercu & Kirsten Owen, Pont-à-Mousson 1988  © Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris

Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Zwei großformatige Installationen auf eigens für die Ausstellung hergestelltem Plakatpapier eröffnen den Rundgang mit überraschenden Perspektiven auf Lindberghs Schaffen. Das „Manifest“ erklärt in Lindberghs Idee von Modefotografie. Ihn interessierte weniger der Glitzer und Glamour, sondern die Frage, wer ist dieser Mensch. Er freute sich über jede Falte, „denn jede Falte ist ein Zeichen für gelebtes Leben.“

Lindberghs Ausstellung "Untold Stories" im Düsseldorfer Kulturpalast präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Karen Elson, Los Angeles 1997 © Peter Lindbergh (Courtesy Peter Lindbergh, Paris

Er zeigt schöne Frauen auf billigem Papier, hinter den Gesichtern ungeschminkt die jeweils wahre Persönlichkeit berühmter Frauen. Sein Blick war dabei vorwiegend schwarz-weiß und ganz nah. Beeinflusst von der US-amerikanischen Reportagefotografie der 30er  und 40er Jahre findet Lindbergh Schwarz-Weiß authentischer. „Gerade Porträts wirken stärker durch die Reduktion“. Erst in den späten Jahren entdeckte er, dass zuweilen Farbaufnahmen intensiver und wilder wirken können. 

Für den Hauptteil arrangierte Lindbergh seine essenziellsten Werke mit teilweise noch nicht veröffentlichten Arbeiten am Rande der großen Shootings paar- oder gruppenweise, um immer neue Geschichten zu inszenieren und die eigenen Ikonen in ihrer Vieldeutigkeit zu zeigen. 

Die Filminstallation „Testament“ (2013) bildet den Abschluss. Hinter einem Spiegel die Kamera verborgen filmte Lindbergh 30 Minuten lang Elmer Carroll, einen in Florida zum Tode verurteilten Mörder, wie er ohne mimische Bewegung sein Spiegelbild betrachtet. Die zum ersten Mal gezeigte Installation ergänzt die Ausstellung um eine unerwartete Bedeutungsschicht und verweist einmal mehr auf die Themen, die Lindbergh wichtig waren, auf „Introspektion, Ausdruck, Empathie und Freiheit. Letztlich behandelt der Film die Unmöglichkeit, wirklich frei zu sein.“ 

„Untold Stories“ ist anschließend zu sehen  im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (20. Juni bis 1. November 2020), im Hessischen Landesmuseum, Darmstadt (4. Dezember 2020 bis 7. März 2021) und  im Museo d’Arte Contemporanea Donnaregina in Neapel (März bis Mai 2021). 

Zur Ausstellung erschien  bei TASCHEN ein 320 Seiten umfassender Katalog mit Texten von Felix Krämer, Peter Lindbergh, Wim Wenders. Preis: 60 Euro.