Dresden – Ausstellung „Requiem“ im Kunsthaus Dresden

Ausstellung Dresden "Requiem" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©“Was bleibt“  von Susan Donath ©Oznor

Mit zu den expressivsten Arbeiten zählt Karolina Freinos künstlerische Intervention „Cataract/Katarakta“. Der Sockel auf dem Platz der Freiheit in  der polnischen Stadt Katowice diente innerhalb von 100 Jahren als Fundament für fünf sehr unterschiedlichen Denkmale. Dem preußischem Denkmal folgte ein Denkmal für die schlesischen Aufstände, dann ein von den Nationalsozialisten aufgestellter Obelisk zur Ehrung deutscher Soldaten, abgelöst von  zwei weiteren Figurendenkmälern zu Ehren der Roten Armee, die nach den politischen Veränderungen in Polen und den damit einhergehenden Protesten der AnwohnerInnen 2014 auf den sowjetischen Militärfriedhof verlegt wurden. Der riesige Sockel symbolisiert die gegenwärtige Leere des Gedenkens. Karolina Freino verhüllt den Sockel in Nebelschwaden, als trübe sich die Erinnerung angesichts der ideologischen Manipulationen ein, die die Volkshelden alias Soldaten  zu austauschbaren Marionetten der jeweiligen Systeme machte. Welche neue Vision müsste sich ergeben, damit sich die Nebel lichten? 

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©Cataract/Katarakta“ von Karolina Freino © Karolina Freino

Das Abkleben von Glasscheiben ist eine der wenigen Maßnahmen, die Menschen selbst durchführen können, um sich im Falle von Krieg oder Katastrophen vor splitterndem Fensterglas zu schützen. Die Künstlerin Šejla Kamerić  stieß auf eine Fotografie aus London der 1940er Jahre. Sie erkannte  die gleichen Muster, das kreuzweise Verkleben der Fenster als Schutz vor Glassplittern, wie sie ihr aus Sarajevo in Erinnerung geblieben sind. Je länger diese Scheiben der Sonne ausgesetzt sind, desto stärker bleiben die Streifen auch nach langer Zeit noch sichtbar, eingebrannt als  „A Fragile Sense of Hope“.

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 „A Fragile Sense of Hope“ Šejla Kamerić, Ausstellungsansicht  ©David Brandt

Tomás Espinosa und Artúr van Balen werteten bereits den 9. November vergangenen Jahres den dreifachen Gedenktag der Friedlichen Revolution, der Reichspogromnacht und der Novemberrevolution mit ihrer emphemeren Aktion „Dresden leuchtet“ als deutliches Zeichen gegen Rechtsradikalität auf. Jetzt erinnern sie in der Ausstellung „Requiem“ mit „Transinflable“ an die Schwere düsterer Vergangenheiten.

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„Transinflable“ (2018-19 Bogotá) von Tomás Espinosa und Artúr van Balen © Juan David Cortés Hernández 

Weitere KünstlerInnen sind Ulf Aminde (Berlin), Aram Balakjan (London), Marit Bente Norheim (Hirthals), Susan Donath (Dresden), Šejla Kamerić (Sarajevo), Simon Wachsmuth (Berlin) und spot_the_silence (Christian Obermüller und Rixxa Wendland)