Bonn – „Wir Kapitalisten – von Anfang bis Turbo“ in der Bundeskunsthalle

Ausstellung "Wir Kapitalisten von Anfang bis Turbo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Macht euch die Erde untertan“, Plakatmotiv, Klaus Staeck (1987) ©Edition Staeck

Der Kapitalismus als ökonomisches Prinzip prägt die Gesellschaftsordnungen geografisch  nicht nur die westliche Welt, sondern die globale Weltszenerie durch die Adaption dieses ausbeuterischen Systems  durch andere politische Systeme. Wie Ikarus, weil er zu hoch hinaus wollte, zu Boden stürzte, scheint der Kapitalismus in der Turbogeschwindigkeit der letzten Jahre an die Grenzen nahe am Abgrund gelangt zu sein.


„Der Fall Daidalos und Ikarus“ Rolf Scholz (1985) © Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin

Die Ausstellung „Wir Kapitalisten von Anfang bis Turbo“  betrachtet den Kapitalismus aus der kulturhistorischen Perspektive entlang der Themengebiete Rationalisierung, Individualisierung, Akkumulation, Geld und Investitionen, damit verbunden die typisch kapitalistischen Dynamiken des ungebremsten Wachstums und der schöpferischen Krisen. Der Kapitalismus hat Mensch und Tier zum Massenobjekt degradiert. Längst hat sich die Individualisierung des Menschen zu einem entindividualisierenden Lebensstil entwickelt, der sich nicht viel von Legehennenbatterien unterscheidet.

„Gropiusstadt“ Lukas Fischer (2011) ©Lukas Fischer

Die kapitalistischen Produktionsweisen führen nicht nur in den Feedlots der US-amerikanischen Prärie zu einer Ernährung, der das immer stärker wahrzunehmende neue  XXXL-Erscheinungsbild  der Menschen geschuldet ist.

„Greeley“ Andreas Gursky (2002) ©Andreas Gursky

Immer wieder  konfrontiert der Kapitalismus die Menschen mit einer völlig unerwarteten Eigendynamik globaler Auswirkungen, die kaum noch zu bändigen ist. Nur das jüngste Kapitel fehlt, Covid-19.

©Bundeskunsthalle Bonn

Präsentiert  traditionell an der Wand und in einem  orangen Regalsystem, das industrielle Lagerhaltung assoziieren lässt, verwischen sich die Grenzen zwischen Kunst und Alltagsgegenständen, Dokumentationen und gigantomanischem Kitsch. Der Kapitalismus macht vor nichts Halt.

Derzeit ist nur ein digitaler Rundgang  möglich. Konzipiert ist „Wir Kapitalisten von Anfang bis Turbo“ bis 12. Juli 2020.