Berliner Kunstakademie – „Abfallprodukte der Liebe“

Michaela Schabel besuchte für schabel-kultur-blog in Berlin die Ausstellung "Abfallprodukte der Liebe"

Die  Ausstellung „Abfallprodukte der Liebe“, von Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim selbst kuratiert,  lässt dieses kreative Potential durch Fotografien, Filme, Zeichnungen Klanginstallation und Dokumente aufleuchten.

Man taucht zunächst in die magische Bildwelten von Werner Schroeters Operninszenierungen ein. Seine große Sehnsucht nach starken Gefühlen und Schönheit im Spannungsfeld der Vergänglichkeit  machten ihn zu einem höchst nachgefragten Regisseur. In Frankreich und Italien wurde er Kult, bekam über 40 Filmpreise.

 

Michaela Schabel besuchte für schabel-kultur-blog in Berlin die Ausstellung "Abfallprodukte der Liebe"

©Michaela Schabel

Pompös wie in der Oper ist das Entree davor, statt roter Teppich rote Rosenblätter, darüber Werner Schröter in jungen Jahren als gigantischerProjektion.

Dokumentiert wird in der Ausstellung neben seinem Werk als Regisseur auch seine besondere Beziehung zu seiner Lieblingsschauspielerin und Muse Magdalena Montezuma (1942-1984) deren exzentrisches Wesen und große Gesten sein Werk prägten. Zu hören ist simultane „Klangcollage I – IV“, die Eberhard Kloke aus der Lieblingsmusik als Hommage für  Werner Schröter komponierte und Ausschnitte aus einem Interview mit Werner Schröter kurz vor seinem Tod. In einem weiteren Raum wird Werner Schröter als Fotograf in Kombination mit Textfragmenten, Skizzen und Entwürfen entdeckt, woraus einmal mehr deutlich wird, wie ihn das Existenzielle interessierte, wo er sich im Gesicht eines anderen Menschen Verborgenes seiner selbst wahrnehmen konnte.

Elfi Mikesch stellt ihre Werke  von Anbeginn bis heute in dokumentarischer Schwarz-Weiß-Schlichtheit aus.

In einem White Cube präsentiert sie Ausschnitte aus ihrem Fotofilm „Execution. A Study of Mary“ (1979). Mit der Foto-Installation „STÜCKE – Under the Skin“ leitet sie über zu ihrem stark autobiografisch geprägten Film „Fieber“ (2014), in einer  Black Box mit einer ihrer aktuellen Arbeit „L.A. Tango“, die auf 20 Jahre altes Bildmaterial aus Los Angeles basiert.

Rosa von Praunheims Raum knallt in Pink inklusive Rosa von Praunheim-Laiendarsteller in Original-Rosa-von-Praunheim-Klamotten. Er will zwischen Kinderstube und „Peniswelten“ provozieren und kreiert doch nur einen Kitschraum, in dem er durch eine Filmcollage sein Werk in der Berliner Subkultur  zwischen witzig kabarettistischen sexuell pornografischen Filmsequenzen verortet, was heutzutage weniger schockt, aber das Schaffen Rosa von Praunheims spiegelt, das letztendlich immer um Sexualität kreist. „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt.“

In einem „Mausoleum“ erweist er seinen Stars wie Luzi Kryn und Lotti Huber,  darüber hinaus der Schönheit des männlichen Körpers die letzte Ehre. So endet die Ausstellung wie sie beginnt in absoluter Ästhetik. Als „Abfallprodukte der Liebe“ bleibt die Ästhetik, drängt sich auf.

Die Ausstellung ist noch bis 12. August in der Berliner Kunstakademie am Pariser Platz zu sehen.

Michaela Schabel