Berlin – „Monet Orte“ – große Retrospektive im Potsdamer Barberini 

©Michaela Schabel

Claude Monet malte, wo er lebte, in erster Linie in den Seine-Dörfern Argenteuil, Vetheuil, Giverny. Durch die Eisenbahn rückte ganz Frankreich näher. Der Süden, die Atlantikküste, das Landesinnere wurden touristisch erschlossen, pittoreske Orte durch Fotografien bekannt. Paris, die Reisen nach London, in die Normandie, an die Riviera, nach Venedig und Monets Garten in Giverny  wurden die Marksteine seines Schaffens. 

Von Anfang an fokussierte Monet auf die Wirkung des Lichts. Schon in den frühen Bildern im Umfeld des ländlichen Lebens ließ er weißes Mauerwerk und Federvieh aufleuchten. In Paris inspirierten ihn die Parks, das Freizeitleben entlang der Seine. 

©Claude Monet/Michaela Schabel 

©Michaela Schabel  Claude Monet „Die Tuilerien“

Die Flüchtigkeit des Moments faszinierte Monet. Deshalb malte er ein Motiv immer wieder, entdeckte es durch unterschiedliche Lichtstimmungen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten aus konträren Perspektiven immer wieder neu. Auf seiner zweiten Londonreise faszinierten ihn  vor allem die Charing Cross Bridge und Waterloo Bridge. Zig Variationen entstanden zwischen Sonnen-, Nebel- und Smogtagen.  

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©Michaela Schabel Claude Monet „Charing Cross Bridge“

Auf seiner Rückreise in Zaadam, einige Kilometer von Amsterdam entfernt, entdeckte Monet  die Windmühlen und den idyllischen Hafen, den er mit flatternden Fähnchen als Momentaufnahme einfing. 

In der ländlichen Idylle von Véthneul nördlich von Paris widmete sich Monet ganz der Landschaftsmalerei. Die Landschaft existiert für Monet „nicht an und für sich, weil ihre  Erscheinung sich jeden Moment verändert. Sie lebt durch das, was sie umhüllt, durch die Luft und das Licht, die ständig wechseln.“  Diese gefühlten Lichtstimmungen des Augenblicks wollte er über seine Bilder festhalten und weitergeben. Hatte er ein Motiv in allen Schattierungen erfasst, ging er auf die Suche nach neuen Inspirationen. 

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©Michaela Schabel/Claude Monet „Eisbruch“

Mit seiner zweiten Frau lebte Monet ab 1987 bis zu seinem Lebensende in Giverny. Die Motive begannen sich immer intensiver in flimmernde Farbflächen aufzulösen, wurden nur ab und zu durch lineare Schattenstrukturen dynamisiert. 

©Claude Monet/Michaela Schabel 

©Michaela Schabel/Claude Monet  „Pappeln in Giverny“

Monet malte Weizenfelder, seine berühmten Mohnfelder. Weizenschober flimmern wie Feuer in der Abendsonne.  

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©Michaela Schabel/Claude Monet „Weizenschober“

Zwischendurch unternahm er immer wieder Reisen. Der Atlantik faszinierte ihn durch seine brachiale Urgewalt. Er malte Gischt umtoste Klippen, die Wellenbrecher am Strand. erodierte Kalksteinformationen aus unterschiedlichsten Perspektiven.

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©Michaela Schabel

Eine wahre Offenbarung wurde für Monet die Riviera. Er erlebte den Süden mit „Farben wie Edelsteine.“ Begeistert von der Architektur und der Botanik malte er die pittoresken Perspektiven  mediterranen Ambientes,  insbesondere Bordighera mit seinen Villen und der farbenprächtigen Flora. 

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©Michaela Schabel/Claude Monet „Blick auf Bordighera“

Venedig bannte er als impressionistische Träume auf die Leinwand, in denen  trotz seiner  unscharfen und diffusen Maltechnik die bauliche Komplexität der Renaissancefassaden deutlich wird  und sich durch die Spiegelungen im Wasser noch verstärkt. 

Höhepunkt von Monets Schaffen und seines Spätwerks wurden die Bilder seines Gartens, den er in Giverny selbst angelegt hatte und mit einem Seerosenteich nach japanischem Vorbild erweiterte. Ein Lebenswunsch erfüllte sich. „Ich haben keinen anderen Wunsch, als mich enger mit der Natur zu verbinden… Natur ist Größe, Kraft und Unsterblichkeit. Im Vergleich dazu ist ein Geschöpf nichts als ein armseliges Atom“, konstatierte er 1909. 

Im Garten von Giverny malte Monet seine berühmten Seerosenbilder. 

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©Michaela Schabel/Claude Monet „Seerosen“

Ohne landschaftliche Einbettung völlig entgrenzt, bar jeglicher perspektivischer Bezüge nahm Monet in diesen Gemälden die  moderne Abstraktion vorweg. Reine Grün-Blau-Schattierungen und Spiegelungen verborgene Unterwasserwelten ermöglichen ein raffiniertes Oszillieren zwischen 2- und 3-dimensionalen Welten.  

Zur Ausstellung gibt es eine interessante Videodokumentation mit Statements von Monet-Experten. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen. 

Zu sehen bis 1. Juni im Potsdamer Barberini, täglich außer Dienstag von 10 bis 19 Uhr. Es empfiehlt sich eine Kartenreservierung.