Berlin – „Garten der irdischen Freuden“ Ausstellung im Gropiusbau

Ausstellung "Garten der irdischen Freuden" im Berliner Gropiusbau präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel

Der Garten erblüht als Quelle der Inspiration, offeriert sich aber auch als Ort der Ausgrenzung. Auf Polstern liegend mit Blick zur Decke entführt  Pipilotti Rists Video in eine psychedelische Phantasiereise, in der zwei Frauen sich und die Natur entdecken, gezoomte Hautstrukturen von Früchten und weiblicher Erotik ineinanderfließen und für Überraschungseffekte sorgen. Umgekehrt signalisiert ein schlichtes Rechteck mit grünen Glasscherben soziale Abgrenzung, denn mit derartigen Scherben wurden in Lungiswa Gquntas  Heimat, die Gärten der Reichen vor unerwünschten Besuchern geschützt.

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Schon im Innenhof des Gropiusbaus  eröffnet Rashid Johnsons Topfpflanzen-Installation mit kulturellen Objekten und medialen Verweisen  auf seine früheren Performances über die Historie der Schwarzen auf die konzeptionelle Vielfalt. Der Rundgang durch die fast 20 Räumlichkeiten beginnt historisch mit einem persischen Teppich aus dem 18. Jahrhundert  mit stilisierten Garten- und Wassermotiven als umwallten Paradiesraum und  Hieronymus Boschs Mittelbild seines berühmten Triptychons „Der Garten der Lüste“.

Dann übernehmen zeitgenössische Künstler die Regie.Uriel Orlows „Botanical Dreams“ offerieren Natur als Vision und Ort des Schreckens, wenn man die Pflanzenecke in Nelson Mandelas Gefängnis als wandgroße Fototapete erlebt oder den Milwood-Tree in verfremdeter Schwarz-Weiß-Optik, weil einst ungehorsame Sklaven dort aufgehängt wurden.

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Mit abgestorbenen Baumstümpfen, Musikboxen in Vogelhäusern und Videos, in denen sich eine neue Pflanzenart und Insekten ausbreiten, signalisiert Heather Phillipson die Apokalypse der Menschen. Aus ihrem Kompost erwächst ein neues, anderes Leben.

Die Ausstellung hinterfragt die koloniale Ausbeutung und neue Verortung  von Pflanzen, die Verdrängung  heimischer Pflanzen durch gentechnisch manipulierte Samen, den Samenspeicher Global Seed Vault auf einer arktischen Insel. Umgekehrt dokumentiert Urban Gardening direkt vor dem Rathaus in San Franziscos, dass Zukunftsmodelle durchaus Realität und zur Massenbewegung werden können.

Nicht alles funktioniert.

Der allgemeinen Geräuschkulisse ist es geschuldet, dass John Cage Klangmusik zu den Umrissen der buddhistischen Tempelanlage Ryōan-ji kaum zu hören ist. Auch Tano Shinodas meditativem Garten als System von Denkstrukturen fehlt ein adäquat ruhiges Umfeld. Hicham Berradas Jasmingarten in abgedunkeltem Raum  funktioniert als Metapher für den oft umgestellten Tag- Nacht-Rhythmus unserer Tage, ist als nächtliches Duftparadies, die Pflanze  verströmt nur nachts ihr Aroma, nur für ganz feine Nasen erlebbar.  Yayoi Kusamas  bunter Tupfenraum mit Riesenblumen, fungiert mehr als Fotomotiv eines Pop-Eventraums, weniger als bedrohliches Szenario mit „verzerrten Zügen des Wahnhaften“, da die rechteckigen Raumstrukturen keinerlei Verzerrungen zulassen.

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©Michaela Schabel

Die  Ausstellung „Garten der irdischen Freuden“ ermöglicht tatsächlich aus unterschiedlichsten Perspektiven neue Erfahrungen.