Berlin – Ausstellung „Elfie Semotan – Contradiction“ im C/O

©Elfie Semotan

Schon in ihren frühen Arbeiten entdeckte Elfie Semotan im Nebensächlichen das Tatsächliche. Im Wechsel der Jahreszeiten eilen Menschen vorbei. Die Müllsäcke bleiben und verbreiten in vier senkrechten Fotobahnen eine Aura von Einsam- und Traurigkeit als Jahresbilanz.

Am interessantesten sind Elfie Semotans Fotoserien. Models präsentieren Dessous nicht in aufreizender Haltung. Eines zieht widerwillig den Pullover aus, um das darunter zu präsentieren, ein anderes sitzt zusammengekauert da, sein Körper signalisiert Hoffnungslosigkeit.

Fotografien mit extravagant gekleidete Models vor bunten Plastikvorhängen mit Alltagsgerümpel dahinter, wirken lässig unperfekt und rücken gerade dadurch wieder die Kleidung wieder in ihrer Besonderheit in den Mittelpunkt. In ihrer „TV-Serie“ räkeln sich Models elegant in Bildschirmen in altmodisch miefig eingerichteten Hotelzimmern ohne einen Hauch von Glamour zu vermitteln und werden gerade durch die Begrenzung auf Guckkastenformat  wieder unerreichbar begehrenswert.

Ausstellung Elfie Semotan präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Elfie Semotan

„Heute hört man mir zu, weil ich etwas zu sagen habe. Früher hat man mir zugehört, weil man mich gern angeschaut hat“, so Elfie Semotan. Sie wurde 1941 in Wels, Österreic,  begann ihre Karriere als Model in Paris, arbeitete ab 1969 in Wien als Mode-, Werbe- und Porträtfotografin für viele renommierte Modemagazine. International bekannt wurde sie durch ihre Zusammenarbeit mit dem Modemacher Helmut Lang von 1986–2004 und ihre Werbekampagnen für Römerquelle oder Palmers. Elfie Semotan war mit den Künstlern Kurt Kocherscheidt (1943-1992) und Martin Kippenberger (1953- 1997) verheiratet. Derzeit arbeitet und lebt sie in New York, Wien und Jennersdorf.

Bis 7. September 2019