Berlin – Ausstellung „Crash“ – Arbeiten von Lee Bul im Gropiusbau

Über Ausstellung "Crash" von Lee Bul in Berlin berichtet schabel-kultur-blog.de

Die Ausstellung „Crash“ im Gropiusbau zeigt Lee Buls Installationen und Videos ihrer Performances aus den späten 80er Jahren bis in die Gegenwart.

Visionäre Vollkommenheit und Realität prallen aufeinander, fusionieren in irritierenden Symbiosen. Im Irrealen entschlüsseln sich die gesellschaftspolitischen Botschaften. Facettenreich führt der Parcour durch das ganze erste Obergeschoss des Gropiusbaus. In  jedem Raum präsentiert Lee Bul eine eigene Werkgruppe, die alle um das große Rahmenthema „Körper“ kreisen, wozu sie auch Landschaften zählt.

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©Michaela Schabel

Landschaften werden zu Metaphern  psychischer Zustände. In „Heaven and Earth“ verwandelt sie den  für Koreaner mythischen Himmelssee in ein Badebecken mit kaputten Fliesen gefüllt mit schwarzer Tinte in ein Mahnmal für die Opfer des totalitären Systems. Umgekehrt gewinnt ein begehbarer, innen verspiegelter „Bunker“, der durch den reflektierten Parkett fast golden glänzt, eine schützende Aura. Geräusche der Besucher zeitverzögert über Kopfhörer wahrnehmbar erinnern dennoch an die Zeiten totalitärer Überwachung.

Extrem voluminös wuchern ihre zu Spitzkegeln abstrahierte Monster luxuriös silbern und in süßlichem Rosa mit unzähligen Trieben der Raffgier und der Lust in alle  Richtungen, auf Spiegel gesetzt symbolisch in psychische Tiefen. Als Hybridwesen, zwischen Mensch und Technik  in Weiß verkörpern sie Defizite  ätherischer Harmonie. Manche Gliedmaßen fehlen, andere parodieren  durch entsprechende Kleidung die aufgeblasene Erotik unserer Zeiten. Andere Monster hängen wie fette Säcke  an der Decke. Es sind Lee Buls Performerklamotten, in denen sie in Tokios Straßen spontan mit dem Publikum interagierte, wobei sich die Performances in den Videos  teilweise nur mittels der Begleittexte erschließen. Bei „Absorption“ hängt Lee Bul nackt zwei Minuten kopfüber  in den Seilen, um auf das Leid der Frauen hinzuweisen, denen eine Abtreibung in Südkorea immer noch verweigert wird. Beeindruckend dagegen ist ihre Performance „I Need You“. Besucher eines Museum blasen eine riesengroße Ikone asiatischer Weiblichkeit auf und demonstrieren dabei unabsichtlich wie Klischees und Stereotypen entstehen.

Den Abschluss bildet  die „Civitas Solis II“ (2014), die Stadt der Sonne als Anspielung auf Tommaso Campanallas visionären Text aus 17. Jahrhundert.

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©Michaela Schabel

Ein Lichtermeer auf  Spiegeln suggeriert die idealtypische Schönheit mit technologischer Intelligenz und entpuppt sich beim Näherkommen doch zersplittert mit flackernden Glühbirnen kurz vor dem Exitus.

„Crash“ zählt  mit der Architekturausstellung „Gehry-Sharun“ in Haus der Stiftung Brandenburg, Pariser Platz 1, ebenfalls www.schabel-kultur-blog.de  derzeit zu  den interessantesten Ausstellungen in Berlin.

Michaela Schabel